60% würden eine E-Patientenakte nutzen

Die Studie „Gesundheit 4.0“ belegt die Offenheit der Deutschen für eine Digitalisierung des Gesundheitswesens. Gerade Anwendungen, die das tägliche Leben erleichtern wie Gesundheitsapps, digitale Terminvereinbarung und -erinnerung stehen hoch im Kurs.

von
Cornelia
Wels-Maug

Die diese Woche veröffentlichte Studie „Gesundheit 4.0“, welche die Bitkom Research im Auftrag des Digitalverbands Bitkom und der Bayerischen TelemedAllianz (BTA) durchgeführt hat, signalisiert Offenheit der Bundesbürger gegenüber einer zunehmenden Digitalisierung des Gesundheitswesens. Dabei beziehen sich die Daten auf eine repräsentative Erhebung unter 1003 Deutschen, die älter als 14 Jahre sind. Darunter sind 798 Internet- und 698 Smartphonenutzer. 

Die Mehrheit der Befragten (88%), über alle Altersstufe hinweg, informiert sich regelmäßig über Gesundheitsthemen. Dabei bedienen sie sich typischerweise aus einem Mix von mehreren Informationsquellen. Obschon 50% angeben, sie informieren sich über das Internet, nutzen die Befragten doch zum überwiegenden Teil noch die bewährten Kanäle Ärzte (91%), Fernsehen (66%), Familienmitglieder/Freunde/Bekannte (65%) sowie Fachzeitschriften (50%).

Unter denjenigen, die das Internet als Informationsquelle nutzen, führte die Onlinerecherche bei 20% schon zu Auswirkungen auf ihre ärztliche Behandlung: Ein Fünftel von ihnen gab an, dass ihnen von ihrem Arzt ein Medikament oder eine Therapie verschrieben wurde, um die sie aufgrund einer Internetrecherche gebeten hatten. Zwölf Prozent haben sich Basis einer Internetrecherche dazu entschlossen, ganz auf die Einnahme eines verordneten Medikaments zu verzichten und 10% gaben an, die vom Arzt verschriebene Dosierung eines Medikaments nach der Onlinerecherche geändert zu haben. „Der Patient geht durch die Internetrecherche aufgeklärter in das Arztgespräch. Das finden manche Ärzte gut, anderen ist es erst einmal unangenehm", erläutert Dr. Bernhard Rohleder, Hauptgeschäftsführer der Bitkom.

Online-Sprechstunde wird bisher kaum genutzt

Basis: Alle Befragten (n=1.003) | *nur Smartphone-Nutzer (n=698); Quelle: Bitkom Research

Welche der folgenden digitalen Angebote haben Sie bereits genutzt bzw. können Sie sich vorstellen, künftig zu nutzen?

Die Nutzung von Apps ist wohl die meist genutzte Anwendung. Bereits 45% der befragten Smartphone Besitzer nutzen Gesundheitsapps, beispielsweise zum Aufzeichnen von Körper- und Fitnessdaten, weitere 45% können sich vorstellen, diese in der Zukunft zu verwenden. Starkes Interesse zeigen die Deutschen auch an der Digitalisierung ihrer Patientendaten. So haben 32% ihre Untersuchungsergebnisse auf CD erhalten (beispielsweise ein MRT-Befund), weitere 43% würden gerne zukünftig Befundungen in digitaler Form ausgehändigt bekommen. Nochmals Rohleder: „Die digitale Übertragung von Unterlagen erleichtert die Kommunikation zwischen Versicherten, Hausarzt, Facharzt und Krankenhaus und erspart Patienten viele Wege. Eine leistungsfähige Patientenversorgung funktioniert künftig nur noch mit digitaler Unterstützung.“

Aber auch die Onlineterminvereinbarung (18%) und die Onlineterminerinnerung per SMS oder E-Mail (14%) für anstehende Vorsorgeuntersuchungen schätzen die Bundesbürger und 40% respektive 45% können sich deren Nutzung gut in der Folgezeit vorstellen. „Viele Patienten würden gerne digitale Gesundheitsangebote in Anspruch nehmen. Gleichzeitig ist das Gesundheitswesen bisher eher wenig digitalisiert. Oftmals scheitert es daher noch am Angebot", so Rohleder.

Noch weiter in die Zukunft blickend, scheinen die Befragten auch durchaus offen für Dienstleistungen, die man so noch gar nicht in Deutschland kennt: Jeder Zweite (48%) kann sich Operationen vorstellen, die von Spezialisten aus der Ferne unterstützt werden; für 45% sind Konsultationen von Ärzten und Spezialisten, die sich im Ausland befinden (beispielsweise zum Einholen einer Zweitmeinung), denkbar und 31% sind potenziell offen, telemedizinisch überwacht zu werden.

Jetzt gilt es, dieses Potenzial auch zu verwirklichen. „Mit dem E-Health-Gesetz wurde ein wichtiger Grundstein gelegt, jetzt muss die Digitalisierung im Gesundheitswesen endlich Fahrt aufnehmen. Krankenkassen, Ärzte und Kliniken müssen sich schneller bewegen und den Herausforderungen stellen", fasst Prof. Dr. Siegfried Jedamzik, Geschäftsführer der Bayerischen TelemedAllianz die gegenwärtige Situation zusammen. Zumindest sind 60% der Befragten sind sich darin einig, dass sie eine elektronische Patientenakte nutzen würden.

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