Aufgeklärt: 80.000 deutsche Arztpraxen ohne Verbindung zur Telematikinfrastruktur

Aufgrund eines Konfigurationsfehlers konnten deutsche Ärzte acht Wochen lang keine Patientenstammdaten über das System übertragen.

von
Tammy
Lovell

Ein Konfigurationsfehler, der dazu führte, dass 80.000 deutsche Arztpraxen ihre Anbindung an das Telematiksystem verloren, konnte behoben werden. Diese teilte die gematik, die Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte, mit.

Die Telematikinfrastruktur (TI) ist das Rückgrat des deutschen digitalen Gesundheitssystems. Sie unterstützt die Datenkommunikation zwischen allen Beteiligten, einschließlich der versicherten Patienten, der Leistungserbringer im Gesundheitswesen und der Versicherer, die Gesundheitsleistungen bezahlen.

Aufgrund eines Mangels in der Sicherheitsarchitektur war das Versichertenstammdatensystem ab dem 27. Mai dieses Jahres in Teilen gestört, weshalb die Ärzte rund acht Wochen lang keine Patientenstammdaten übertragen konnten.

Rund 130.000 angeschlossene Arztpraxen und Kliniken in Deutschland nutzen die TI, um die Stammdaten ihrer Patienten über spezielle Sicherheitsrouter – so genannte Konnektoren – mit den Krankenkassen abzugleichen.

Es wurde festgestellt, dass der Fehler durch einen falschen Eintrag in der Trust Service Status List (TSL) verursacht wurde, die es den Konnektoren ermöglicht, vertrauenswürdige Verbindungen zu den TI-Servern herzustellen. Aufgrund der Sicherheitseinstellungen in den Konnektoren konnte das Problem jedoch nicht aus der Ferne behoben werden und die IT-Dienstleister mussten alle betroffenen Praxen vor Ort besuchen.

Wie die gematik am 15. Juli bekannt gab sind alle betroffenen Konnektoren nun wieder mit der TI verbunden.

WARUM DIES WICHTIG IST

Laut Björn Kalweit, dem Betriebsleiter bei der gematik, hat das Unternehmen aus dem Problem gelernt und neue Erkenntnisse darüber gewonnen, wie Funktionsausfälle entweder verhindert oder so schnell wie möglich erkannt und behoben werden können.

DER GRÖSSERE KONTEXT

Die 2005 gegründete gematik ist die Gesellschaft, die für die elektronische Gesundheitskarte und verwandte Telematikanwendungen sowie den Aufbau, den Betrieb und die Wartung der TI verantwortlich ist. Sie wurde im Jahr 2019 vom deutschen Bundesministerium für Gesundheit (BMG) übernommen.

Obwohl Deutschland einer der größten Gesundheitsmärkte der Welt ist, hat es unter den entwickelten Ländern einen der niedrigsten Digitalisierungsgrade. Seit seinem Amtsantritt im März 2018 hat sich Gesundheitsminister Jens Spahn ausdrücklich für die Umgestaltung des Gesundheitswesens durch digitale Technologie ausgesprochen. Im vergangenen Jahr hat Spahn eine Einheit mit dem Namen „Health Innovation Hub – Gesundheit neu denken“ eingerichtet, um die digitale Transformation des Gesundheitssystems voranzutreiben.

WAS GESAGT WURDE

In einer Erklärung auf der gematik-Website sagte Kalweit: „Wir haben in den vergangenen Wochen viel gelernt – es gibt noch Einiges zu tun. So werden wir unsere Maßnahmen zur Prävention noch stärker ausbauen und zentrale Maßnahmen zur Detektion auch bei der operativen Betriebsführung einführen. Der Gesetzgeber unterstützt uns dabei.“

„Unser oberstes Ziel ist es, dass sich die Anwender darauf verlassen können, dass die Anwendungen und Dienste über die Telematikinfrastruktur zuverlässig zur Verfügung stehen.“


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Dies ist eine Übersetzung eines Artikels von Tammy Lovell, erschienen auf der englischsprachigen Version von Healthcare IT News.

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