Der Aufstieg des Dashboards

Visualisierungen finden im Zeitalter von COVID-19 große Beachtung, aber kann die Technologie mehr leisten, als man auf den ersten Blick denkt?

von
Tammy
Lovell

Die COVID-19-Pandemie hat die Nutzung von Dashboards im Gesundheitswesen weltweit in den Mittelpunkt gerückt. Das vom Center for Systems Science and Engineering der John-Hopkins-Universität in den USA erstellte globale Dashboard mit den Infektions- und Todesfallzahlen wurde täglich rund 1,2 Milliarden mal abgerufen. Das öffentlich zugängliche Tool wurde von Professor Lauren Gardner und ihrem Doktoranden Ensheng Dong entwickelt und aggregiert Daten aus mehreren glaubwürdigen Quellen, um die Ausbreitung des Virus nahezu in Echtzeit nachzuzeichnen.

Im Gesundheitswesen werden Dashboards auch zur Verfolgung von Ressourcen während der Pandemie verwendet. Henning Schneider, CIO der deutschen Krankenhauskette Asklepios, beaufsichtigte die Entwicklung eines Dashboards für die 65 Krankenhäuser der Gruppe, das einen Überblick über die verfügbaren Krankenhausbetten und Beatmungsgeräte sowie die Anzahl der Patienten auf Intensivstationen sowie der Patienten mit Bedarf an Beatmung oder kardiologischer Unterstützung anzeigt.

Um die benötigten Visualisierungen zu definieren, wurde ein Krisenteam aus spezialisierten Intensivmedizinern gebildet. Auf der Grundlage der Empfehlungen dieses Teams konnten IT-Mitarbeiter schnell ein Dashboard erstellen, das auf einem Business Data Warehouse mit standardisierten Anpassungen basierte, das zuvor für das Reporting zu Finanzkennzahlen und Schlüsselindikatoren wie Patientenaufnahmen, Dienstleistungen und Personal eingerichtet worden war.

„Die Pandemie hat uns einen Schub gegeben und bewiesen, dass die von uns verwendete Technologie die verschiedenen Krankenhausinformationssysteme miteinander verbinden kann“, erklärt Schneider gegenüber HIMSS Insights.

Eine Herausforderung bestand darin, jedes Krankenhaus davon zu überzeugen, Betten auf die gleiche Weise zu definieren, um einen zentralen Prozess für das klinische Informationssystem festlegen zu können. In der Vergangenheit hatten die Mitarbeiter es vorgezogen, sich auf lokale Systeme zu verlassen, aber aufgrund der Notlage waren sie eher zur Zusammenarbeit bereit.

„Plötzlich gab es etwas Wichtigeres“, so Schneider. „Dies ist die größte Veränderung – die Erkenntnis, dass, wenn Mitarbeiter im lokalen System die richtigen Daten eingeben, diese auf die richtige Weise in das zentrale System übertragen werden und als Datenquelle verwendet werden können.“

Das Dashboard hat erfolgreich Frühindikatoren für zu hohe Krankenhausbelegungsraten bereitgestellt, und Asklepios plant, in Zukunft Tabellenkalkulationen für Qualitätsindikatoren, wie Hygieneprotokolle, Infektionen und Sterblichkeitsraten, durch Dashboards zu ersetzen.

„Mühsame Aufgabe"“

Mitarbeiter sind jedoch nicht immer begeistert von den neuen Dashboards. Santa Clara County in den USA hat ein öffentlich verfügbares Tool mit Visualisierungen entwickelt, darunter die aktuelle Verfügbarkeit von Krankenhausbetten, die Verfügbarkeit von Beatmungsgeräten sowie die Gesamtzahl der Infizierten und Todesfälle durch das Virus.

Doch Mark Brown, Chief Nursing Officer am Good Samaritan Hospital, erklärt, das das Tool benötige noch „mehr Arbeit“, bevor es für Gesundheitseinrichtungen nützlich sei.

„Zwar nützt es der Öffentlichkeit, jedoch weniger den Krankenhäusern, da die Qualität der Daten nicht unabhängig überprüft wird und einzig von der Zuverlässigkeit desjenigen abhängt, der die Daten bereitstellt“, erklärt er.

Obwohl Brown einräumt, dass das Dashboard ein „guter erster Schritt ist, um alle Daten in einem Warehouse zu sammeln“, fügt er hinzu, dass einige Krankenhäuser möglicherweise Statistiken in zu großem oder zu geringem Maß übermitteln und die Datenerfassung für die Mitarbeiter „eine mühsame Aufgabe“ sei.

„Ich kann einen Bericht aus unseren elektronischen Krankenakten erstellen, aber anschließend müssen wir einen tatsächlichen Rundgang machen und nachzählen, um zu überprüfen, ob die Informationen tatsächlich stimmen“, erklärt er. 

Ampelsystem

Wolfgang Jentner, Forscher für Datenanalyse und Visualisierung an der Universität Konstanz, ist Teil eines Teams von 25 Doktoranden, welches die deutsche CoronaVis-Datenkarte erstellt hat.

Die öffentlich zugängliche Ressource verwendet ein Ampelsystem, um die Verfügbarkeit von Beatmungsgeräten und Betten auf der Intensivstation in 1.321 gemeldeten Einrichtungen im ganzen Land anzuzeigen. Die Daten stammen von der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI).

Die Datenkarte wird normalerweise etwa 500 bis 700 Mal am Tag abgerufen. Jentner weist jedoch darauf hin, dass es Informationen gebe, die das Modell genauer machen könnten, diese jedoch aus politischen oder finanziellen Gründen nicht bereitgestellt würden. Obwohl die während der Pandemie eingeführte DIVI-Intensivregisterverordnung Krankenhäuser dazu verpflichtet, freie Betten anzugeben, haben diese kein Interesse daran, genaue Zahlen zu nennen.

„Krankenhäuser können Geld verlieren, wenn sie Betten freihalten. Sie sind also nicht an einem IT-System interessiert, das dazu führen könnte, dass konkurrierende Krankenhäuser ihnen Patienten wegnehmen, weil sie fast voll sind“, erklärt er.

Verdammte Lügen und Statistiken

Neben politischen Fragen muss bei der Erstellung von Visualisierungen auch die menschliche Voreingenommenheit berücksichtigt werden. „Jeder von uns ist voreingenommen, und wenn man eine starke Überzeugung hat, ist man versucht, mithilfe von Statistiken oder Visualisierungen zu beweisen, dass man recht hat“, erläutert Jentner.

Das Gehirn kann leicht durch die Verwendung bestimmter Bilder und Muster, wie Blinklichter oder roter Signalfarben, manipuliert werden. Obwohl die Farben Grün und Rot aus rein wissenschaftlicher Sicht nicht die optimale Wahl sind, da sie für Menschen mit Farbblindheit schwer zu erkennen sind, war es wichtig, dass CoronaVis schnell interpretiert werden konnte.

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Dies ist eine Übersetzung eines englischsprachigen Artikels von Tammy Lovell, erschienen auf Healthcare IT News.

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