Mehr Zeit für Ärzte bei der elektronischen Arbeitsunfähigkeits-Bescheinigung

Das BMG hat in die von der KBV geforderte Übergangsregelung zur eAU eingewilligt. Damit wird die digitale Krankschreibung für Ärzte erst ab Oktober 2021 verbindlich.

von
Anna
Engberg

Zum 1. Januar 2021 sollte die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, kurz eAU, für alle Vertragsärzte in Deutschland greifen, damit erkrankte Arbeitnehmer in Zukunft ihre Krankschreibung digital bei den Krankenkassen melden können – so die gesetzliche Regelung nach dem Terminservice- und Versorgungsgesetz.

Nun hat die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) eine Übergangsregelung für alle teilnehmenden Ärzte gefordert. Demnach soll die elektronische Meldung der AU-Daten erst ab Oktober 2021 tatsächlich verbindlich werden.

Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) hat dieser Fristverlängerung jetzt zugestimmt, die Entscheidung des GKV-Spitzenverbands steht allerdings noch aus.

DER HINTERGRUND

Mit dem Wechsel zur eAU geht einher, dass Versicherte in Zukunft nur noch ihren Arbeitgeber über ihre Krankheit informieren müssen. Die Pflicht zur Meldung an die Krankenkasse geht jedoch an die Vertragsärzte über. Bislang mussten erkrankte Arbeitnehmer in Deutschland je einen Papierdurchschlag an ihren Arbeitgeber und ihre Krankenkasse weiterleiten.

Letzteres entfällt nun; ab dem 1. Januar 2022 erfolgt die Mitteilung der AU-Daten beim Arbeitgeber elektronisch durch die Krankenkasse. Somit ist dann eine mündliche Mitteilung beim Arbeitgeber für die Versicherten ausreichend.

Mit der Übergangsregelung, in die das BMG jetzt eingewilligt hat, erhalten Vertragsärzte mehr Zeit für die technische Umsetzung der elektronischen AU-Bescheinigung innerhalb der Telematikinfrastruktur: diese erfordert in vielen Praxen ein Konnektor-Update, außerdem einen Dienst zur Kommunikation im Medizinwesen (KIM) und eine elektronische Heilberufsausweis-Signatur (eHBA), behelfsweise eine SMCB-Karte.

WAS GESAGT WURDE

Dr. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender bei der KBV, sagte zu der Übergangsregelung: „Nach dem positiven Votum des Ministeriums erwarten wir von den Krankenkassen, dass sie zügig einer solchen Regelung zustimmen.“

Dr. Stephan Hofmeister, Vize-Vorstand bei der KBV, prognostizierte: „Ansonsten werden viele Ärzte ab Januar keine Krankschreibungen ausstellen können, weil die nötige Technik nicht bereitsteht.“

GUT ZU WISSEN

Wie Healthcare IT News berichtete, erprobte Deutschlands größte gesetzliche Krankenversicherung, die Techniker Krankenkasse (TK), bereits seit 2017 intensiv die elektronische Arbeitsunfähigkeits-Bescheinigung. Zwischenzeitlich wurde diese in einem TK-Pilotprojekt um eine Video-App-Funktion erweitert, bei der sich Erkrankte sogar mittels Videotelefonie mit ihrem Hausarzt verbinden und krankschreiben lassen können.


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