Deutsche Krankenhäuser erhalten digitalen Gesundheitsschub

Seit Jahresbeginn können Krankenhäuser staatliche Mittel im Rahmen des Krankenhauszukunftsgesetzes (KHZG) beantragen.

von
Tammy
Lovell

Seit Januar 2021 können öffentliche Krankenhäuser in Deutschland staatliche Mittel für Projekte zur Förderung der digitalen Gesundheit, der Cybersicherheit und der IT-Infrastruktur beantragen.

Nach dem im September 2020 in Kraft getretenen Krankenhauszukunftsgesetz (KHZG) erhalten öffentliche Krankenhäuser einen Anteil von 4,3 Mrd. Euro für Innovationen im Bereich der digitalen Gesundheit.

Die deutsche Bundesregierung stellt für das KHZG über die Liquiditätsreserve des Gesundheitsfonds 3 Mrd. Euro zur Verfügung, weitere 1,3 Mrd. Euro sollen durch Kofinanzierung der Bundesländer und der Krankenhausbetreiber selbst bereitgestellt werden. Mindestens 15 Prozent der beantragten Mittel müssen zur Verbesserung der IT-Sicherheit verwendet werden.

Krankenhäuser können ihre geplanten Maßnahmen bis Ende September 2021 bei den Behörden in ihrem Bundesland einreichen. Die Finanzierung wird gemäß den regionalen Investitionsprioritäten festgelegt. Die Einhaltung der Datenschutzbestimmungen ist auch ein Kriterium für die Förderfähigkeit. 

Das Gesundheitsministerium wird nächsten Monat ein standardisiertes Bewertungsmodell veröffentlichen, mit dem die Wirksamkeit finanzierter Maßnahmen für die digitale Reife von Krankenhäusern gemessen warden soll. 

Krankenhäuser, die bis 2025 keine förderfähigen digitalen Dienste einführen, können mit Strafen belegt werden.  

WARUM DIES WICHTIG IST

Obwohl Deutschland einer der größten europäischen Märkte im Gesundheitswesen ist, hinkt es bei der digitalen Reife hinterher. Das KHZG will dieser Stagnation entgegenwirken, indem es die Patientenversorgung in Krankenhäusern verbessert, die IT-Strukturen modernisiert, die Maßnahmen zur Cybersicherheit verbessert und die Finanzierung für diejenigen sicherstellt, die ihre Prozesse und medizinische Versorgung digitalisieren möchten. 

Die Finanzierung kann Projekte wie Patientenportale, elektronische Dokumentation von Pflege- und Behandlungsdiensten, digitales Medikamentenmanagement, IT-Sicherheitsmaßnahmen und sektorenübergreifende telemedizinische Netzwerkstrukturen umfassen. Sie kann auch auch zur Einführung oder Verbesserung von Telemedizin, Robotik und Hightech-Medizin verwendet werden.

DER HINTERGRUND 

Das KHZG folgt dem Digitalen Versorgungsgesetz (DVG), das 2019 von Gesundheitsminister Jens Spahn eingeführt wurde, um elektronische Patientenakten (ePA) für die 73 Mio. gesetzlich versicherten Bürger Deutschlands bereitzustellen und die Rückvergütung digitaler Gesundheits-Apps zu ermöglichen. Ziel ist es auch, die Verwendung von Papier allmählich abzubauen, indem elektronische Verschreibungen gefördert und Ärzte dazu angeregt werden, elektronische medizinische Briefe anstelle von Faxen zu verwenden.  

Seit diesem Monat stellt das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) allen Anwendern in Deutschland die standardisierte medizinische Terminologie SNOMED CT zur Verfügung. Auf diese Weise können medizinische Begriffe in verschiedenen Computersystemen international klar abgebildet werden. Dies schafft die Voraussetzungen für den elektronischen Austausch von Gesundheitsdaten, ein wichtiger Baustein für die Digitalisierungspläne der Bundesregierung.

WAS GESAGT WURDE

Rainer Herzog, europäischer Marktstratege für das Gesundheits-IT-Unternehmen SilverBuck, sagte in einem Blogbeitrag: „Dies ist wahrscheinlich die größte Investitionsmöglichkeit für digitale Gesundheit in Europa.“

Er fügte hinzu: "Nach Jahren der Trägheit fühlt sich die 'gesetzgeberische Doppelaktion' fast wie ein Erwachen des größten europäischen Gesundheitsmarktes an."

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Dies ist eine Übersetzung eines englischsprachigen Artikels von Tammy Lovell, erschienen auf Healthcare IT News.

 

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