eHealth Monitor Deutschland veröffentlicht

McKinsey hat eine neue Bestandsaufnahme über die Digitalisierung im deutschen Gesundheitswesen vorgelegt. Im Fokus hatte die Unternehmensberatung dabei eine Nutzenanalyse für eHealth und ein App-Barometer.

von
Anna
Engberg

Die Unternehmensberatung McKinsey & Company hat mit dem eHealth Monitor einen neuen Report zum Fortschritt der Digitalisierung auf dem deutschen Gesundheitsmarkt veröffentlicht. Am Donnerstag stellten die Autoren des Berichts dessen Ergebnisse in einer virtuellen Pressekonferenz vor.

Der erstmals erschienene eHealth Monitor misst die Entwicklung und den Status Quo in der deutschen Gesundheitsversorgung an Hand von 30 Indikatoren. Demnach zeichnet sich mit ePA, e-Rezept und Telemedizin ein positiver Trend in der Umsetzung digitaler Angebote ab.

Gleichzeitig bestehen jedoch auch Defizite wie z.B. die mit 93 Prozent weiterhin stark papierbasierte Kommunikation zwischen Ärzten und Krankenhäusern gegenüber einem digitalen Austausch von medizinischen Daten, den bislang nur 44 Prozent der deutschen Versorger praktizieren.

Ein Fokus lag auf dem Bereich Telemedizin. Zudem umfasst der Report eine innovative Nutzenanalyse für eHealth und ein neues eHealth App-Barometer, das den Erfolg von Gesundheits-Apps an Hand der Download-Raten misst.

DER HINTERGRUND

Mit der Bestandsaufnahme durch den eHealth Monitor hat McKinsey & Company sowohl das Angebot und die Verfügbarkeit digitaler Infrastrukturen und Dienste neben der technologischen Reife in den Gesundheitseinrichtungen Deutschlands analysiert, untersucht aber auch die Nachfrage seitens der Versorger - von den Ärzten über die Apotheken bis zu den Krankenversicherungen. Schließlich nimmt der Bericht auch die Akzeptanz und Nutzung durch Patienten und Konsumenten in den Blick.

Beim vorhandenen digitalen Angebot zeigte der eHealth Monitor beispielsweise auf, dass 52 Prozent der niedergelassenen deutschen Ärzte im Jahr 2020 bereits Videosprechstunden anboten. Für knapp 60 Prozent der ambulanten Ärzte und Therapeuten gilt jedoch auch, dass die Möglichkeit zur Online-Terminbuchung und Nutzung weiterer administrativer Digitalservices noch nicht vorhanden ist – und insofern Aufholbedarf besteht.

Die IT-Infrastrukturen der deutschen Krankenhauslandschaft seien mit 95 Prozent bereits gut vernetzt, resümierten die Autoren des eHealth Monitors. 60 Prozent hiervon nutzen bereits digitale Unterstützung bei Diagnostik, Medikation oder Arzneimittelprüfung, 47 Prozent setzen Telemonitoring und weitere 20 Prozent virtuelle Therapie- und Trainingskonzepte ein.

Mit der Nutzenanalyse für eHealth-Anwendungen auf Studienbasis wagt der eHealth Monitor ein Novum: er untersucht für fünf wichtige Therapiegebiete - Diabetes mellitus, Depression, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Atemwegserkrankungen und Rehabilitation – wie intensiv sich die Forschungsliteratur der letzten 20 Jahre tatsächlich mit dem Nutzen von eHealth auseinandergesetzt hat.

„Von über 14.000 Publikationen beschäftigten sich gerade einmal 158 Studien mit eHealth, hiervon nur 84 Studien tatsächlich mit dem Nutzen von eHealth“, so das Fazit von Tobias Silberzahn, Co-Autor des eHealth Monitors.

WAS GESAGT WURDE

Die Analyse des eHealth-Nutzens sei jedoch wichtig, betonte Silberzahn im Online-Pressetermin: „Denn Nutzen schafft Akzeptanz. Je mehr wir den Nutzen belegen können, desto größer wird die Akzeptanz in der Bevölkerung.“

Er fuhr vor: „Vor zwei Jahren belegte Deutschland beim Bertelsmann Digital Health Index noch den 16. Platz. Seitdem hat sich einiges getan, nicht nur in puncto elektronischer Patientenakte (ePA): Deutschland ist international zum Vorreiter für den Erstattungsprozess von digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGA) geworden.“

Zum Ländervergleich sagte Silberzahn: „Andere Länder wie z.B. Dänemark und Kanada sind bereits stärker auf den Bürger- und Patientennutzen fokussiert. Werfen wir einen Blick in die Zukunft, wohin sich Deutschland bewegt, lässt sich prognostizieren: Sensoren und Wearables werden es den Bürgern erlauben, Vitalparameter zu erfassen. Darauf aufbauend können wir Gesundheitscoaches etablieren, die auch für die betriebliche Gesundheit eine größere Rolle spielen werden. Patient Monitoring, bei welchem der Arzt den Patienten bei chronischen Krankheiten und Verhaltensänderungen unterstützt, lässt sich so ebenfalls etablieren.“

Laura Richter, Associate Partner bei McKinsey und Co-Autorin des eHealth Monitors kommentierte: „ePA, e-Rezept, Telematik-Infrastrktur sind ohne Frage ein Indikator für Reife, dennoch haben wir momentan noch nicht die Möglichkeit, Patientendaten sicher und standardisiert von einem Akteur zum anderen Akteur zu übertragen. Deutschland ist dabei, dies voranzutreiben und die Grundlage für diese Datenstruktur und eine übergreifende Vernetzung des ambulanten und stationären Sektors zu schaffen.“

GUT ZU WISSEN

Der eHealth Monitor soll, so teilte die Unternehmensberatung im Pressetermin mit, in Zukunft regelmäßig erscheinen: eine jährliche Standortbestimmung für Deutschland sei die Planung. Die Gastbeiträge im eHealth Monitor decken das gesamte Spektrum an Stakeholdern im Gesundheitswesen ab - von den Fachärzten und der Gesundheitspolitik bis hin zu Patientennetzwerken.

Weitere Informationen erhalten Sie HIER

Auch für Sie interessant

Your search returned no results.