Im Test: Wie nützlich ist digitales Emotionsmonitoring?

Kinder- und Jugendpsychiater entwickeln derzeit die MyMoodCoach-App. Im Rahmen der europaweiten Studie ECoWeB wird jetzt untersucht, inwiefern die Selbsthilfe-App für Heranwachsende Nutzen stiftet.

von
Anna
Engberg

Eine neue EU-Studie soll evaluieren, ob die psychische Gesundheit von Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Hilfe einer Selbsthilfe-App verbessert werden kann. Das teilte das LMU Klinikum in München Mitte Dezember in einer Pressemitteilung mit.

Die digitale Anwendung „MyMoodCoach“ ist dafür konzipiert, Gefühlslagen und Stressauslöser im Selbstmanagement zu überwachen und junge Menschen in der besseren Wahrnehmung und Steuerung ihrer Emotionen zu schulen.

Im Dezember 2020 ist nun die erste Testphase angelaufen, in welcher der Nutzen der App im Alltag evaluiert werden soll.

DER HINTERGRUND

Am LMU Klinikum geht man davon aus, dass momentan rund vier bis acht Prozent aller Jugendlichen unter Angst oder depressiven Störungen leiden. Um durch eigenverantwortliches Gesundheitsmanagement Abhilfe zu schaffen und Präventionsarbeit zu leisten, hat ein Forschungsteam vom LMU Klinikum zusammen mit weiteren Partnern in Europa die MyMoodCoach-App entwickelt.

Bestandteile der Smartphone-App sind ein Emotionsmonitor und ein MoodTracker, die es ermöglichen, die Stimmungen im Alltag zu erfassen und zu analysieren ebenso wie Übungseinheiten, die zu mehr Selbstreflektion und Selbstbewusstsein, aber auch Achtsamkeit gegenüber Anderen im sozialen und leistungsbezogenen Kontext anleiten.

Die Trainings zur Emotionsregulation basieren dabei auf wissenschaftlichen Erkenntnissen sowie Grundlagen und Techniken der kognitiven Verhaltenstherapie.

Mit der im Rahmen der EU-Initiative Horizon2020 finanzierten ECoWeB-Studie soll jetzt länderübergreifend bewertet werden, welche Bestandteile der App am wirkungsvollsten sind, um Jugendlichen und jungen Erwachsenen in schwierigen Phasen und Situationen zu helfen.

In der jetzt angelaufenen, europaweiten Testphase, die noch bis Mai 2021 fortlaufen wird, können mehrere Tausend junge Erwachsene zwischen 16 und 22 Jahren in Deutschland, Belgien, Großbritannien und Spanien die MyMoodCoach-App kostenlos testen. Ihre Erfahrungen teilen die Erstanwender den App-Entwicklern via Online-Fragebögen mit und tragen so zur Finalisierung der App und deren effektivem Nutzen bei.

WAS GESAGT WURDE

Die Projektkoordinatorin am LMU Klinikum und der LMU München, Dr. Maria Voß, sagte zum Start der EU-Studie: „ECoWeB ist das erste Projekt, das App-basierte Präventionsforschung mit den Wünschen junger Menschen kombiniert. So können wir Jugendliche und junge Erwachsene besonders jetzt dabei unterstützen, auf sich zu achten – und psychisch gesund zu bleiben.“

Sie ergänzte: „Die Daten liefern uns wichtige Informationen über die Gefühlswelt junger Menschen und darüber, was im Einzelnen hilft. Individuelle Prävention und Selbsthilfe sind ganz klar die Zukunft.“

Prof. Gerd Schulte-Körne, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie am LMU Klinikum, betonte: „Es ist eine dringende, aber auch herausfordernde Aufgabe, durch eine gezielte Prävention, die viele Jugendliche erreichen kann und die wirksam ist, die Häufigkeit dieser Erkrankungen zu reduzieren.“


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