„Empowerment durch Information“: Was Frauen durch Health Tech über sich selbst lernen

Dr. Deborah Maufi, Projektmanagerin bei der Health[e] Foundation, und Dominnique Karetsos, Mitbegründerin von Healthy Pleasure Collective, erzählen uns, wie Technologie ihrer Ansicht nach Frauen bestärken kann.

Innovationen aus der Gesundheitstechnologie sind nicht nur wegweisend darin, wie Menschen auf Gesundheitsleistungen zugreifen, sie schaffen darüber hinaus auch eine Plattform, um den eigenen Körper besser zu verstehen. Dies trifft besonders auf Frauen zu, die stärker von Einschränkungen bei der gesundheitlichen Bildung und sexuellen Aufklärung betroffen sind. Frauen sind somit eine wichtige Zielgruppe für diese neuen Chancen.

Die unzähligen Möglichkeiten der Gesundheitstechnologie verdeutlichen ihr Potenzial für den Einsatz als Bildungsinstrument, das sich in tragbaren Technologien, E-Learning-Apps und AI-gestützten Lösungen manifestiert – Themen, die beim digitalen europaweiten Event HIMSS & Health 2.0 (vom 7. bis zum 11. September 2020) weiterführend beleuchtet werden.

Zugriff auf Gesundheitsinformationen bereitstellen

Die Bildungskapazität der Gesundheitstechnologie hat sich aus den Erfahrungen derjenigen entwickelt, die den durch Unwissen und Fehlinformationen verursachten Schaden aus erster Hand beobachten konnten.

Zu diesen zählt auch Dr. Deborah Maufi, eine Projektmanagerin bei der Health[e] Foundation. Obwohl sie sich bewusst darüber war, dass Gesundheitsrechte von Frauen in ihrem Heimatland Tansania „durchaus problematisch“ sind, verstand sie die Tragweite des Problems erst, als sie mit der Einrichtung einer Klinik für Familienplanung für berufstätige Frauen beauftragt wurde.

„Es hat mir wirklich die Augen dafür geöffnet, dass selbst viele gebildete Frauen nichts über ihre reproduktiven Rechte wissen. Und dann stellen Sie sich nur vor, was das für nicht gebildete Frauen bedeutet.“ Als Reaktion darauf entwickelte sie die App MyHealth@Hand, die schwangere Frauen in Subsahara-Afrika mit Mitarbeitern des Gesundheitswesens verbindet. „Sie können Gesundheitsdaten austauschen und die Frauen haben Zugriff auf Gesundheitsinformationen zu ihrer Schwangerschaft und den Neugeborenen. Außerdem können sie über die App mit den medizinischen Fachkräften chatten.“

Indem Frauen mehr über ihre Schwangerschaft lernen können, werden sie befähigt, gesündere Entscheidungen zu treffen und sich ohne gesundheitliche Bedenken an wirtschaftlichen Aktivitäten beteiligen. Gleichzeitig bedeutet es, dass sie bei Arztbesuchen besser informiert sind, was den Druck auf das Gesundheitssystem teilweise verringert und so eine bessere Versorgung ermöglicht.

Tabus abbauen

Dominnique Karetsos, Mitbegründerin des Healthy Pleasure Collective, erlebte, wie die Schönheitsindustrie die Standards und die Sprache der Schönheit und Sexualität diktiert und das Verbraucherverhalten kontrolliert, statt es Frauen zu ermöglichen, die Kontrolle über „das Narrativ ihrer eigenen Geschichte“ zu erlangen. Nachdem sie selbst Mutter geworden war, wurde sie sich der Auswirkungen der gesellschaftlichen Strukturen auf ihr Leben stärker bewusst. „Diese Wechselwirkung zwischen Arbeits- und Privatleben hat mir auf einmal gezeigt, dass die Entscheidungsträger bei Innovationen und Investitionen unsere Probleme nicht verstehen“, sagt sie.

In Zusammenarbeit mit Marken wie Lelo, Elara.Care und MysteryVibe gründeten Karetsos und ihre Partnerin Dr. Maria Peraza Godoy Healthy Pleasure Collective, eine Sextech-Agentur, die Investitionen, Innovation und Bildung unterstützt, um Start-Ups zu helfen, „die Dreierkombination aus Gesundheit, Sexualität und Technologie“ herzustellen und gleichzeitig eine neue, humanistische und nicht wertende Sprache rund um das Thema Lust zu schmieden.

„Wir nehmen uns sehr wenig Zeit, um etwas über uns selbst zu lernen“, erzählt sie MobiHealthNews. „Wir modellieren nur, was wir sehen, was wir konsumieren und was wir verdauen, und die meiste Zeit verdauen wir viele unterschwellige oder unbewusste Vorurteile. Es gibt zahlreiche Untersuchungen zur Verbindung zwischen psychischer und körperlicher Gesundheit und einer positiven Beziehung zur Lust ... es geht darum, dieses Thema zu normalisieren.“

Warum digital?

Der Hauptvorteil aus der Kombination von Bildung und Digitalität ist die Zugänglichkeit. „Beinahe alles, was wir heute tun, ist digital“, kommentiert Deborah Maufi. „Auch in Entwicklungsländern: Obwohl die Wirtschaft schwach ist, haben die Leute dennoch Zugang zu Smartphones.

„Und obwohl die Durchdringung noch nicht bei 100 Prozent liegt, ist die Zahl dennoch hoch und wächst schnell. Warum also sollen wir nicht dieses Tool nutzen, das die Mehrheit bereits in ihren Händen hält, um sie mit den richtigen, notwendigen Informationen zu versorgen?“

„Heute wird wirklich alles digital. Es macht also Sinn, dass wir diese Tatsache auf eine positive Weise nutzen.“

Dominnique Karetsos ist der gleichen Meinung. „Es geht darum, eine echte Lösung zu schaffen, die eine Sprache, einen Dialog schafft ... alles, was mir auf körperlicher, psychologischer und sogar spiritueller Ebene nützt, macht es leichter, den Mangel an Information auszugleichen, und Zugänglichkeit ist ein wesentlicher Teil davon.“

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Dies ist eine Übersetzung eines englischsprachigen Artikels von Sophie Porter, erschienen auf MobiHealthNews.

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