Headset gegen Lockdown-Einsamkeit

Mittels Hirnstimulation und Verhaltenstherapie sorgt ein neues digitales Tool für Behandlungserfolge bei Depressionen. Die Erfahrungswerte aus Großbritannien und Schweden könnten auch für die DACH-Region interessant sein.

von
Anna
Engberg

Mit dem „Flow“ Headset und einer gleichnamigen Therapie-App will ein schwedisches Unternehmen die Symptome von Depressionen reduzieren und gerade in den derzeitigen Lockdown-Situationen zu einer positiveren Lebenshaltung beitragen – ganz medikationsfrei.

Wie wir berichteten, verzeichnet das Unternehmen Flow in Schweden aktuell einen massiven Anstieg der Verkaufszahlen, während der NHS in Großbritannien die Flow-App bereits seit Mai über ORCHA, das nationale Empfehlungsregister für digitale Gesundheitsanwendungen, empfiehlt.

Die HealthTech Innovation kombiniert Gehirnstimulation und digitale Verhaltenstherapie miteinander und sorgt laut randomisierten Kontrollstudien für eine spürbare Verminderung von Symptomen: demnach nehmen 81 Prozent der Behandelten bereits nach drei Wochen eine Verbesserung ihres Zustands wahr.

DER HINTERGRUND

Als eine von vielen digitalen Lösungen, die während der COVID-19-Krise die schlechte mentale Verfassung in der Bevölkerung angehen, könnten Flow Headset und App auch die Lockdown-Einsamkeit – die nach einer britischen Umfrage rund 27 Prozent der Menschen betrifft – bekämpfen.

Wie klinische Testreihen gezeigt haben, wirkt eine bestimmte Form der Hirnstimulation – bekannt unter dem Namen tDCS (transcranial Direct Current Stimulation), ähnlich wie Antidepressiva. In Folge sinken Angst und negative Gedankenspiralen; Stimmung, Konzentration, Initiative und Optimismus dagegen verbessern sich.

Diese Erkenntnis aus der tDCS werden mit dem Flow Headset jetzt praktisch angewandt, indem das Wearable sanfte elektrische Signale an das Gehirn, vor allem dessen linke Seite, sendet. Diese fühlen sich laut Anwenderberichten lediglich wie ein Kitzeln an und stellen die Gehirnaktivität im Frontallappen des Gehirns wieder her, wodurch die depressiven Symptome gemindert werden.

Für die Anwendung empfiehlt der Hersteller anfänglich fünf Stimulationen pro Woche, danach ein bis zwei Einheiten wöchentlich. Grundsätzlich kann die innovative Behandlungsmethode auch neben einer konventionellen, medikamentösen Therapie eingesetzt werden.

Begleitet wird die Behandlungsmethode durch eine Smartphone-Anwendung: Die „Flow“ Therapie-App ist interaktiv konzipiert und stellt eine verhaltenstherapeutische Begleitung durch einen Chatbot dar, der den Patienten durch insgesamt 50 Therapiesitzungen führt und Schritt für Schritt zu besseren Schlaf- und Bewegungsgewohnheiten, gesunder Ernährung und Meditation anleitet.

Als CE-zertifiziertes Medizingerät gilt das Hirnstimulations-Headset als wissenschaftlich geprüft und sicher in der Anwendung bei nachgewiesenem Nutzen.

WAS GESAGT WURDE

Der klinische Psychologe und Mitgründer von Flow, Daniel Mansson sagte: „Die durch COVID-19 bedingte soziale und ökonomische Unsicherheit hat einen tiefgreifenden und langanhaltenden Effekt auf unsere psychische Gesundheit.“

Gesundheitssysteme sollten deshalb versuchen, die psychische Gesundheit während der Pandemie zu fördern: „Je seltener die Menschen zum Hausarzt gehen, um sich Hilfe in Bezug auf ihre psychische Verfassung zu holen, desto wichtiger wird der Zugang zu digitalen Behandlungsmöglichkeiten bei Depression“, betonte er: „Während der Pandemie befähigt unser Behandlungsweg die von Depression Betroffenen zu einem effektiven Selbst-Management ihrer Verfassung ohne Medikation aus dem Komfort ihres Zuhauses heraus.“

GUT ZU WISSEN

Das Headset ist in der DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) bereits verfügbar und kostet rund 450 Euro in der Anschaffung bzw. 40 Euro als monatliche Leihgebühr.

Die Vision der schwedischen Gründer ist es, das Krankheitsbild Depression mit dem kombinierten Wissen aus Neurowissenschaft, Technologie und Psychologie möglichst einfach und für jeden zugänglich behandelbar zu machen.

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