Pandemie-Burnout: Technologie nutzt und belastet Krankenpflege zugleich

Jenseits vom Stress durch die Steigerung des Patientendurchlaufs und emotional belastender Schichtdienste kämpfen Krankenschwestern mit Aufmerksamkeitsproblemen, Alarmermüdung, aufwändiger Dokumentation und der Usability von elektronischen Gesundheitsakten. Doch sie finden auch Wege, um damit umzugehen – Künstliche Intelligenz (KI) und Automatisierung helfen dabei.

Krankenschwestern, das Rückgrat des Gesundheitswesens, müssen sich in der Regel mit schwerwiegenden Burnout-Levels auseinandersetzen - die COVID-19-Pandemie hat das Problem noch verschlimmert: 61 Prozent der Krankenschwestern leiden unter emotionaler und körperlicher Müdigkeit, so eine neue Umfrage unter 226 Krankenschwestern mit dem Titel „Führung in Krisenzeiten“ von Inspire Nurse Leaders, einer Organisation für Krankenpflegeausbildung.

Inzwischen geben 53 Prozent Herausforderungen durch unzureichendes Personal an; 35 Prozent sagen, es sei schwierig, die Anforderungen von Beruf und Familie zu vereinbaren; 28 Prozent wünschen sich bessere Unterstützungsangebote für emotionale Bedürfnisse und Wohlbefinden; und 25 Prozent geben in der Umfrage an, dass ihr Mitgefühl im Umgang mit traumatischen Ereignissen ermüdet.

In der fünften Reportage von Healthcare IT News über Burnout im Zeitalter von COVID-19 sprechen sechs Krankenschwestern über den Umgang mit den unzähligen Belastungen an der Krankenhausfront, geben Tipps zur optimalen Bewältigung und beschreiben, wie Informationstechnologie im Gesundheitswesen einerseits zum Burnout von Krankenschwestern beitragen kann, gleichzeitig jedoch auch dabei unterstützen kann, diesen zu bekämpfen.

Wie IT die Bewältigungskapazitäten von Krankenschwestern beeinträchtigt

Informationstechnologie soll Prozesse und Aufgaben in erster Linie effizienter gestalten. Einige Typen von Gesundheits-IT machen uns im Pflegealltag dabei jedoch einen Strich durch die Rechnung. So sind elektronische Gesundheitsakten (eGA) beispielsweise mitunter nicht benutzerfreundlich und können für Krankenschwestern und andere Anwender Probleme verursachen. Gesundheits-IT ist somit nicht immer eine Hilfe.

„Leider wurde IT mehrfach als Grund für Burnout bei Krankenschwestern genannt“, sagte Suong Nguyen, examinierte Krankenschwester für Intensivmedizin bei Virtua Health, einem großen Gesundheitssystem in New Jersey. Sie arbeitet auf der Intensivstation in einem Akutkrankenhaus. Sie berichtet: „Klickermüdung“ habe ich selbst erlebt, insbesondere wenn sich die Richtlinien ständig ändern und diese Änderungen ständig neue Diagrammerstellungen notwendig machen. eGA-Diagramme sind ein so wichtiger Bestandteil der täglichen Arbeit einer Krankenschwester - sie sind dynamisch und nicht zu Beginn der Schicht abgeschlossen und erledigt.“

Mit der Zustandsveränderung eines Patienten, entwickeln sich auch dessen Diagramme weiter. Verschlechtert sich sein Zustand, sind weitere Diagramme erforderlich, um die Verschlechterung zu dokumentieren. Geht es dem Patienten besser, müssen die Krankenschwestern seine Entlassung planen und alle erforderlichen Vorbereitungen für die Entlassung treffen.

„Es ist eine ständig wachsende Liste von Dingen, die gemacht werden müssen“, sagte sie. „Als Krankenschwester ist es sehr entmutigend zu hören, dass wir zu viel Zeit am Computer verbringen, egal ob es sich um einen Kollegen oder, noch schlimmer, um einen Patienten oder ein Familienmitglied eines Patienten handelt. Von außen sieht es oft so aus, als würden wir an einem Computer sitzen und Tasten drücken. Tatsächlich versuchen wir, so effizient wie möglich und so schnell wie möglich zu dokumentieren.“

Krankenschwestern sind sich zudem darüber bewusst, dass sie, wenn sie nicht präzise arbeiten, an arbeitsfreien Tagen möglicherweise zur Korrektur von Diagrammen hinzugezogen werden, und sie müssen mit der Angst vor Disziplinarmaßnahmen leben, wenn sie etwas übersehen.

„Schlimmer noch, wenn wir einen Fehler machen, besteht die größte Angst darin, dass unser Fehler dem Patienten Schaden zufügen könnte“, sagte sie. „Aber nochmals, von außen wird oft wahrgenommen, dass wir an unseren Computern sitzen. Es ist entmutigend, das Gefühl zu haben, dass ich meinem Computer genauso viel Zeit und Pflege widmen muss wie meinem Patienten.“

Die Erzählrolle von Krankenpflegeberichten scheint auch nicht so wichtig zu sein, wenn der Großteil der erforderlichen Diagramme aus einer diskreten Dateneingabe besteht“, fügte sie hinzu.

„Wenn es sich anfühlt, als gäbe es einen Platz für alles und alles hat einen Platz, fühlt sich das Erstellen eines Berichts einer Krankenschwester veraltet an“, beobachtete sie. „Es ist klar, dass diese Art der Dokumentation bei der Datenerfassung und -organisation hilft. Ich habe jedoch das Gefühl, dass meine Erfahrungen am Krankenbett oft nicht vollständig durch das Klicken in Kästchen erfasst werden können. “

Dies führe zu Burnout, da die Rolle eines erzählenden Berichts jetzt als zusätzliche Arbeit angesehen werde, ein weiterer Schritt zu all dem, was eine Krankenschwester sonst noch zu tun habe, sagte sie. Nguyen stellt die Frage, wie erfüllt sie sein kann, wenn ihre subjektive Einschätzung des Patienten nicht so wichtig ist.

„Manchmal möchte ich einen erzählenden Krankenpflegebericht schreiben, um die langwierige Diskussion mit einem Patienten über den Sonderzustand und die emotionale Unterstützung zu beschreiben, die ich geleistet habe“, erklärte sie. „Auf jeden Fall ist es in der vorhandenen Dokumentationsumgebung so, dass mich das Gefühl entmutigt, dass niemand lesen wird, was ich dazu zu sagen habe, sich jedoch die gesamte Aufmerksamkeit darauf richtet, ob ich meine zwingend erforderliche zweistündige Dokumentation korrekt aufgezeichnet habe oder nicht.”

Alarmermüdung

Wie Chris Caulfield, examinierter Oberkrankenpfleger bei IntelyCare, einem Anbieter einer Workforce-Management-Lösung für rehabilitative Einrichtungen, betonte, wird die Fähigkeit einer Krankenschwester, mit Burnout umzugehen, durch Alarmermüdung beeinträchtigt.

„Stellen Sie sich vor, Sie arbeiten in einer 12-Stunden-Schicht, und in dieser Schicht hören Sie ständig Patientenalarme aus verschiedenen Richtungen“, sagte er: „Sie fragen sich weiterhin: „Muss ich laufen, um sicherzustellen, dass mein Patient in Sicherheit ist, oder handelt es sich um einen Fehlalarm?“.“

„Viele dieser Alarme verwenden Technologien, die vor mehr als einem Jahrzehnt entwickelt wurden, und sind unzuverlässig, wenn es darum geht, zu erkennen, was ein tatsächlicher Notfall ist und was nicht,“ behauptete er. „Die Technologie für Herzmonitore wurde weiterentwickelt, aber die allgemeinen Alarme, die eingesetzt werden, um anzuzeigen, dass ein Patient unsicher auf den Beinen ist, werden oft als Stuhl- oder Bettalarme bezeichnet“, fügte er hinzu.

„Abhängig von der Einrichtung, in der sich die Krankenschwester befindet, ist es nicht ungewöhnlich, dass diejenigen, die sich um geriatrische Patienten kümmern, die Hälfte ihrer Patienten bei diesen Alarmen versorgt“, erklärte er. „Mit einer erweiterten Überwachungsfunktion können Krankenschwestern echte Notfälle und Fehlalarme unterscheiden. Leider verschlimmern sich in der heutigen Situation Stress und Burnout aufgrund dieser ständigen Fehlalarme während unserer Schichten.“

(...) Um den vollständigen Artikel im Original zu lesen, klicken Sie bitte HIER.

##
Dies ist eine Übersetzung eines englischsprachigen Artikels von Bill Siwicki, erschienen auf Healthcare IT News.

Auch für Sie interessant

Your search returned no results.