Neuer Gesetzentwurf des BMG bereitet digitale Identitäten vor

Ein weiteres Digitalisierungsgesetz ist auf dem Weg: mit dem DVPMG will der deutsche Gesundheitsminister jetzt Pflege und Versorgung modernisieren – schon ab Jahresmitte 2021.

von
Anna
Engberg

Mit dem Entwurf für das Digitale Versorgung und Pflege - Modernisierungs-Gesetz (DVPMG) hat das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) Mitte November einen weiteren Schritt in ein verstärkt digitalisiertes Gesundheitswesen unternommen, das die Anwendungsmöglichkeiten rund um ePA, E-Rezept, Telemedizin, Infrastrukturen und Pflegesysteme erweitert und optimiert.

Kernelemente des neuen Gesetzentwurfs sind die Digitalisierung der Pflege nebst Heil- und Hilfsmitteln, die Vorbereitung digitaler Identitäten für Versicherte und verstärkte Arbeit an Interoperabilitätslösungen.

Den Kostenträgern im Gesundheitswesen werden neue Aufgaben und Ausgaben zugewiesen – und sie erhalten zugleich mehr Einfluss.

DER HINTERGRUND

Mit den Digitalen Pflegeanwendungen (DiPA) und der Telepflege fokussiert das geplante Gesetz auf die zukünftige Möglichkeit einer Erstattung von digitalen Pflegeanwendungen und ihres Zulassungsverfahrens nach dem Vorbild der Digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGA). Letztere werden überdies im Rahmen des DVPMG dahingehend erweitert, dass fortan auch Leistungen von beispielsweise Hebammen und anderen Heil- und Hilfsmittelerbringern vergütet werden. Zudem sind zusätzliche Vergütungsmöglichkeiten für telepflegerische Leistungen vorgesehen.

Die Nutzung der Telematik-Infrastruktur soll zukünftig auch für Anbieter von Pflegediensten, Heil- und medizinischen Hilfsmitteln, Therapeuten und zahnmedizinische Labore möglich sein. Ab Januar 2023 könnte es dann seitens der Krankenkassen zur Etablierung einer kartenlosen, digitalen Identität für die Versicherten – in Ergänzung zur elektronischen Gesundheitskarte (eGK) – kommen. Das BMG verspricht sich hiervon Vereinfachungen bei der Identifikation für Videosprechstunden und deren Abrechnung.

Die eGK soll zukünftig keine Versichertendaten mehr speichern, sondern nur noch dem Versicherungsnachweis dienen: Medikations- und Notfalldaten werden ab 2023 stufenweise in die elektronische Patientenakte (ePA) überführt und dann auch international über die National Contact Points (NCP) übermittelbar.

Auch darüber hinaus will das DVPMG in puncto Interoperabilität für Verbesserungen sorgen: beispielsweise sollen Hilfsmittel und Implantate ab Juli 2023 Versichertendaten nur noch in interoperablen Formaten ausgeben dürfen, damit eine Koppelung an die DiGA möglich wird. Die gematik, deren Budget um 27 Mio. Euro erweitert wird, ist mit einer neuen Koordinierungsstelle zur Förderung der Interoperabilität beauftragt, die sich u.a. einer Wissensplattform, dem ursprünglichen Interoperabilitätsverzeichnis, widmen soll.

Die Telemedizin wird laut DVPMG dahingehend erweitert, dass Videosprechstunden spezifischer abrechenbar werden – u.a. jetzt auch im Heilmittelbereich.

DER GRÖSSERE KONTEXT

Der neue Gesetzentwurf des deutschen Gesundheitsministeriums sieht u.a. vor, dass jährlich zusätzlich 10 Mio. Euro in Videosprechstunden fließen sollen. Einmalige Investitionen in Höhe von 100 Mio. Euro sind zudem für interoperable, digitale Infrastrukturen bei den Kostenträgern vorgesehen, damit die Kommunikation in Zukunft kartenlos ablaufen kann.

Weitere Informationen erhalten Sie HIER

 

Auch für Sie interessant

Your search returned no results.