Rede mit mir!

Die IT-Branche boomt. Cloud ist überall, alles wird vernetzt, Kommunikation findet nur noch virtuell statt. Jeder misst alles mit lustigen Armbändern und vergleicht sich über Online-Plattformen.

von
Aladin
Antic

Die Bundesregierung ruft nach einer Digitalen Agenda, die Industrie läutet das Zeitalter 4.0 ein. (Was passierte in 3.0?) – im Gesundheitswesen nehmen wir das staunend zur Kenntnis und beschäftigen uns gleich wieder mit wirklich relevanten Dingen wie der Einführung einer elektronischen Chipkarte ohne Funktion. Immerhin eine Möglichkeit, vielleicht doch irgendwann noch einmal innovativ zu sein.

Wir tun uns schwer, neue Impulse und die digitale Dynamik in den Gesundheitsmarkt zu übertragen. Auf Veranstaltungen nimmt die Anzahl von Worthülsen und Buzzwords zu, echte Neuerungen sind dagegen selten. Gut sind wir darin, Dinge besonders kompliziert aussehen zu lassen; aus einem Schnittstellenserver wird schnell ein Information Broker, der IHE, GDT, ADT, HL7 kommuniziert und das am besten interoperabel und sektorenübergreifend managt.

Jede Branche hat ihre Sprache, dies macht uns unser Klientel à la Ärzteschaft perfekt vor (das Große Latinum reicht lange nicht aus, für das Begreifen eines Arztbriefes). Wenn wir uns den Begriff IT aber mal genauer ansehen – Informationstechnologie – geht es in unserem Beruf um die Unterstützung und Sicherstellung von Kommunikation sowie die Verarbeitung der darin enthaltenen Informationen.

Vielleicht müssen wir uns einmal mehr darauf besinnen, zuzuhören und mit den Menschen (und Chefärzten) in verständlicher Sprache zu kommunizieren. Glauben Sie, dass die Entscheider im Gesundheitswesen alle etwas mit Storage, Unified Communication, NAS, SAN, MPLS, ERP, ECM, IHE oder Interoperabilität im Rahmen einer Entscheidungsvorlage anfangen können – oder irgendwas davon sexy finden? Versuchen Sie es stattdessen einmal mit: „...datenschutzrechtlich geprüfte Lösung auf dem iPhone…“ 

IT liefert im Gesundheitswesen heute immer noch hauptsächlich Lösungen, die aufgrund von Vorschriften notwendig sind. Nur wenige Ansätze unterstützen die eigentliche Kernleistung, den Prozess. Dies ist immer noch eher eine Domäne der Medizintechnik – die sich angeblich mit der IT in Konvergenz (also Verschmelzung) befindet …

All die interaktiven Dinge, die um uns herum passieren (Smartphones, „Wearables“, YouTube etc.) beinhalten ein großes Potential; wir, die wir in der Healthcare-IT tätig sind, müssen dies nur nutzen, indem wir aktiv einen echten Dialog gestalten; und nie vergessen: „keep it simple“.

Your search returned no results.