Und sonst so?

Das Beratungsunternehmen Accenture hat die finanzielle Situation von Krankenhäusern in zehn europäischen Ländern beleuchtet. Ergebnis: Die Kliniken in Deutschland und der Schweiz stehen mit Abstand am solidesten da.

von
Philipp
Grätzel von Grätz

Österreichische Häuser hingegen wirtschaften miserabel. Das steht in interessantem Kontrast zu einer EU-Studie zur E-Health-Ausstattung der europäischen Krankenhäuser. Hier liegt Österreich rund ein Drittel über dem EU-Durchschnitt, Deutschland hingegen deutlich darunter. Besser als das wirtschaftliche Epizentrum der EU sind nicht nur die Skandinavier und die Niederlande, sondern auch Spanien, Ungarn und selbst Portugal.

Was ist da los? Es dürfte mit unterschiedlicher Prioritätensetzung zu tun haben. In Österreich wird die finanzielle Schieflage zahlreicher Kliniken staatlich abgefedert. In Deutschland und auch in der Schweiz ist die politische Bereitschaft, medizinische Einrichtungen zu alimentieren, zumindest geringer ausgeprägt. Die Kliniken reagieren darauf – je nach Träger in unterschiedlicher Intensität – mit Effizienz- und Abrechnungsoffensiven. Software-Lösungen, die unmittelbar die Erlössituation der Kliniken verbessern, gehen in Deutschland weg wie geschnitten Brot. Andere Investitionen hingegen bleiben auf der Strecke, vor allem dann, wenn sie – wie im Falle der „klinischen“ Gesundheits-IT – nicht nach außen hin sichtbar (und ergo nicht für Marketingzwecke ausschlachtbar) sind.

Umgekehrt dürfte es den österreichischen Kliniken unter anderem deswegen etwas leichter fallen, in „klinische“ IT zu investieren, weil eine ausgeglichene Bilanz dort nicht die überragende, alles in den Schatten stellende Bedeutung hat, die ihr nördlich der Alpen zukommt.Am deutschen DRG-System kann es übrigens nicht liegen. Auch die leistungsorientierte Krankenhausfinanzierung in Österreich ist eine Spielart des DRG-Systems. Die Pauschalen werden dort nur politisch nicht ganz so ernst genommen.

Das Beispiel zeigt, wo europäische Staaten voneinander lernen können. Dass Deutschland bei der Gesundheits-IT da steht, wo es steht, ist schon etwas sehr peinlich und bedarf dringend einer Revision. Ein wenig mehr Österreich sollte möglich sein, bei den IT-Investitionen, aber auch beim Einsatz internationaler Standards. Wahr ist aber auch, dass in Deutschland und in der Schweiz in den letzten zehn Jahren weniger Geld für erfolglose E-Health-Projekte versenkt wurde als anderswo in Europa. Und natürlich sind Krankenhäuser mit Dauerdefiziten und suboptimaler Effizienz auch dann nicht der wahre Jakob, wenn ein Sozialsystem im Hintergrund im Zweifel dafür geradesteht.

Fazit: Der Blick über den Tellerrand lohnt nicht nur in einer Richtung. Das Schöne an Europa ist, dass Vergleiche relativ einfach möglich sind. Hinschauen freilich muss jeder selbst.

Your search returned no results.