Veränderung ja, aber nicht bei mir ...

Seit über einem Jahrzehnt wird von der Konvergenz Medizintechnik und IT gesprochen. Wo stehen wir heute? Einige Einrichtungen haben eine gemeinsame Abteilung plus einer weiteren Hierarchieebene. Operativ hat sich nichts geändert.

von
Aladin
Antic

Schlosser und Nerds frickeln nebeneinander her und keiner trägt Schuld ... äh, Verantwortung – nur eben in derselben Abteilung. Unternehmensberater bezeichnen dies euphemistisch als „Verschmelzung light“.

Ein ähnliches Bild ergibt sich im Bereich der Produkte/Hersteller. Während Software von Medizintechnikherstellern eher dem Grundsatz „keine Schnittstellen“ (Stichwort Risikovermeidung) folgt, wird in der IT nach dem Grundsatz „alles ist vernetzt und muss kommunizieren“ gearbeitet – Ausnahmen bestätigen die Regel. Emotional durchaus nachvollziehbar – niemand gibt gerne einen vermeintlich gut geschützten Raum wie einen gesetzlich regulierten Markt (MPG) auf, solange er nicht gezwungen wird.

Insbesondere im Gesundheitswesen ist dieses Verhalten zutiefst branchenkonform. Die Verteilung des Kuchens folgt seit jeher dem Caveman-Prinzip – die Macht des Stärkeren. Begünstigt wird dieser Habitus durch eine starke „das war schon immer so“-Mentalität und eine geschickte Form der Intransparenz. Beispiele? Verstehen Sie ohne großes Latinum (und in vielen Fällen auch mit), was Ihnen fehlt, wenn Sie den Arztbrief oder die Diagnose lesen? Und wenn Sie das verstehen – wissen Sie dann wirklich, was Sie haben (also jenseits von Symptomen, die Ursache vielleicht?) … Was genau passiert mit Ihren Beiträgen? Oder warum Sie welches Medikament bekommen?

Die klassische IT (steht für Informationstechnologie) ist für solche Systeme im Grundsatz immer mehr Bedrohung als Chance – zu schnelllebig, will für Transparenz sorgen, macht erst, denkt dann … schlimm!

Der ewige Widerspruch zwischen Bewahren und Verändern ist die tägliche Herausforderung, der wir uns stellen müssen, als diejenigen, die die IT im Gesundheitswesen verantworten. Verstehe und respektiere die Motivation deiner Kunden, nun ja ..., deiner Ärzte, so wahren wir die Chance, unseren eigenen Antrieb – Dinge zu verändern und zu entwickeln – erfolgreich umzusetzen.

Ein Sprichwort sagt „Jedem Topf seinen Deckel“: Jede Branche bekommt die IT, die es verdient. Viele Dinge, die wir heute bemängeln, leiten sich aus der systemimmanenten Unwilligkeit zur Veränderung und Intransparenz ab. Aber liegt es nicht an uns, die wir vom „Change“ inspiriert, ja angetrieben werden, dies zu ändern? Das Prinzip des Kochens hängt schließlich nicht von der Topfform ab …

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