Verspätung beim EPD: Schweiz verschiebt Einführung auf Frühjahr 2021

Der Zertifizierungsablauf zieht sich. eHealth Suisse hat jetzt ein Factsheet veröffentlicht, das Schweizer Gesundheitseinrichtungen und Patienten Orientierung bietet.

von
Anna
Engberg

Die Schweiz setzt bei der Digitalisierung des Gesundheitswesens und der Einführung einer nationalen Gesundheitsakte auf eine dezentrale Umsetzung.

Im April 2020 sollte nach ursprünglicher Planung das Elektronische Patientendossier (EPD) eingeführt werden. Dies wurde im Februar dieses Jahres jedoch vom Schweizer Bundesamt für Gesundheit (BAG) zunächst auf Herbst 2020 verschoben.

Jetzt teilte das BAG mit, dass die offizielle Einführung noch bis zum Frühjahr 2021 auf sich warten lässt.

DER HINTERGRUND

eHealth Suisse, die Kompetenz- und Koordinationsstelle von Bund und Kantonen, hat dazu im Juli ein Factsheet veröffentlicht. Demzufolge ist die Zertifizierung der Stammgemeinschaften „Anfang März ins Stocken geraten“.

Noch im Februar dieses Jahres ging man davon aus, dass die schweizweite Einführung des EPD bis zum Herbst 2020 möglich sei. Nun hat eHealth Suisse den offiziellen Einführungstermin erneut korrigiert.

Uneinigkeit bei den letzten Schritten der Zertifizierung haben den zeitlichen Ablauf weiter verzögert: so gaben vor allem „Daten-, Kommunikations- und Netzwerksicherheit“ Anlass zu Diskussionen. eHealth Suisse geht aktuell davon aus, dass die Verfahren zur Zertifizierung „zwischen Herbst 2020 und Frühling 2021“ abgeschlossen sein werden.

Mit dem Abschluss der Zertifizierungsverfahren und der sich daran anschließenden Akkreditierung können Schweizerinnen und Schweizer dann auf freiwilliger Basis ein EPD eröffnen. In diesem werden persönliche Dokumente zur eigenen Gesundheit gespeichert und stehen sowohl Patienten als auch Behandlern auf Abruf zur Verfügung.

DER GRÖSSERE KONTEXT

Die dezentral organisierten Schweizer Stammgemeinschaften sind technisch-organisatorische Verbünde, welche als Anbieter das EPD in den Regionen der Schweiz bereitstellen und denen sich Arztpraxen, Spitäler, Apotheken und Gesundheitseinrichtungen anschließen können bzw. je nach Einrichtungstyp anschließen müssen.

Gemäß dem Bundesgesetz über das elektronische Patientendossier (EPDG), das im April 2017 in Kraft getreten ist und die Rahmenbedingungen für die Einführung des EPD regelt, besteht für alle Akutspitäler, Reha-Kliniken und Psychiatrischen Kliniken die Verpflichtung, sich innerhalb von drei Jahren einer zertifizierten Stammgemeinschaft anzuschließen. Geburtshäuser und Pflegeheime haben hierzu noch bis 2022 Zeit. Für alle übrigen Gesundheitseinrichtungen und Gesundheitsfachpersonen ist die Teilnahme am EPD freiwillig.

Für die Anmeldung als Teilnehmer bei einem zertifizierten EPD-Anbieter braucht es grundsätzlich eine sichere elektronische Identität und Zugriffsrechte. Diese werden von den Patienten einrichtungs- oder nutzerspezifisch erteilt. Mit einem Programmausschuss von Bund und Kantonen wird der Fortschritt überwacht.

Während einige Stammgemeinschaften nach ihrer Zertifizierung direkt in den Livebetrieb gehen wollen, wollen andere zunächst einen Pilotbetrieb starten.

GUT ZU WISSEN

Zur besseren Übersicht hat eHealth Suisse online einen Einführungsplan zum elektronischen Patientendossier (EPD) bereit gestellt und beantwortet alle aufkommenden Fragen zur Einführung des EPD in der Schweiz auf einer umfangreichen Q&A Seite.

Weitere Informationen erhalten Sie HIER

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