Visualisiert: 3D-Belastungsanalyse

Nach fünf Entwicklungsjahren haben die Uni Münster und das IT-Unternehmen Predimo ein medizinisches 3D-Modell zur Bewegungs- und Belastungsanalyse auf den Gesundheitsmarkt gebracht. Es soll Ärzte und Physiotherapeuten zukünftig bei Behandlungen unterstützen.

von
Anna
Engberg

Im Rahmen einer Zusammenarbeit zwischen der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) Münster und dem deutschen Technologie- und IT-Unternehmen Predimo ist über die vergangenen fünf Jahre ein neues 3D-Computermodell für den menschlichen Bewegungsapparat entwickelt worden, das jetzt auf den Markt gebracht wurde.

Das 3D-Analyse-Modell mit dem Namen „Myonardo“ erlaubt es, besonders beanspruchte Bereiche in Knochen, Gelenken, Sehnen und Muskeln zu visualisieren. Dies könne sowohl zum Erkennen von Belastungsmustern als auch zur Validierung von Reha-, Gesundheits- und Fitnesshilfen eingesetzt werden, teilte das Unternehmen mit.

DER HINTERGRUND        

Das IT-Unternehmen Predimo (Prediction of Movement), das aus einem universitären Forschungsprojekt der WWU Münster hervorgegangen ist, richtet sich mit seiner Innovation eines 3D-Muskel-Skelett-Modells für den menschlichen Bewegungsapparat an Ärzte und Physiotherapeuten, die dieses einsetzen können, um zu sehen, welche Kraftdynamiken in den Bewegungsabläufen eines Patienten wirken – und ob beispielsweise ein operativer Eingriff notwendig ist.

Darüber hinaus sollen die Analysetechniken auch zur Bewegungsoptimierung eingesetzt werden, nicht nur in der Medizin, sondern auch im gesamten Gesundheitsbereich wie Reha und Ergonomie, aber auch im Spitzensport.

Im Bewegungslabor an der WWU, das den wissenschaftlichen Ausgangspunkt für die Entwicklung des Modells und weiterer Gesundheitsprodukte darstellt, wird die Belastung in einzelnen Körperpartien mit einer Präzision auf Millimeter und Millisekunden genau gemessen. Eine mobile Messstation und Sensoren an den Probanden helfen den Entwicklern bei der Erkennung der körperlichen Schwachstellen, die zu Gesundheitsproblemen führen können.

„Myonardo“ kann auch zur Trainingskontrolle eingesetzt werden. Schon jetzt arbeitet die Universitätsausgründung Predimo mit deutschen Leistungssporteinrichtungen zusammen. Weitere Anwendungsgebiete, wie z.B. Haltungskorrektur bei Büroarbeit, sind angedacht.

WAS GESAGT WURDE

Der Geschäftsführer von Predimo, Dr. Dirk Bendig, sagte zur Markteinführung von „Myonardo“: "Wir wollen im Bereich Bewegungsanalyse und -diagnostik die Innovations- und Marktführer werden.“

Prof. Dr. Heiko Wagner vom Institut für Sportwissenschaft der WWU und Mitgründer von Predimo, betonte: "Bislang gab es kaum Möglichkeiten, um zu berechnen, wie groß die Kräfte sind, die auf Knochen, Muskeln und Gelenke während einer Bewegung einwirken. Wir können nun die Beanspruchung jedes einzelnen der rund 700 Muskelzüge analysieren."

Er fuhr fort: "Teamärzte und -physiotherapeuten sind auf uns aufmerksam geworden. Im Spitzensport, wo Kleinigkeiten den entscheidenden Unterschied ausmachen können, sind die Verantwortlichen stets auf der Suche nach neuen Erkenntnissen und Ansätzen.“

GUT ZU WISSEN

Für das Pilotprojekt, das jetzt in den Markt eingetreten ist, hat die WWU bisher rund 1 Mio. Euro Drittmittel eingeworben. Auftraggeber ist der Chemiekonzern BASF.

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