Visualisiertes Wissen

Forscher aus Graz wollen ein interaktives und adaptives Informationssystem für das Gesundheitswesen in Österreich entwickeln. Die Idee dahinter: medizinisches Wissen nutzerspezifisch aufbereiten und darstellen.

von
Anna
Engberg

Eine Forschungskooperative der TU Graz, der Universität Graz und der Med Uni Graz ist dabei, ein Gesundheitsportal zu entwickeln, das medizinische Inhalte auf den jeweiligen Nutzer abgestimmt personalisiert und darstellt. In rund viereinhalb Jahren soll das adaptive, digitale Informationssystem umsetzbar sein.

Das vom Wissenschaftsfonds (FWF) geförderte Projekt soll dazu beitragen, die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung in Österreich zu steigern.

DER HINTERGRUND

Mit der gemeinsamen, fächerübergreifenden Arbeit an dem zukünftigen Gesundheitsportal wollen die TU Graz, die Med Uni Graz und die Universität Graz ein digitales Medium schaffen, das dem individuellen Informationsbedürfnis von Patienten Rechnung trägt.

Mittelpunkt des evidenzbasierten Forschungsprojekts ist der Anwendungsfall Diabetes: auf Basis der Stoffwechselerkrankung wird untersucht, wie sich das Informationsbedürfnis von betroffenen Patienten über längere Zeiträume laufend verändert.

Hervor sticht dabei vor allem die Vorgehensweise der Grazer Forscher, die sich durch drei bislang einzigartige Kriterien von bisherigen IT-Systemprojekten abheben wollen: zum Einen soll das Nutzerinteresse mit Hilfe von Machine Learning und Analysen über die Nutzerinteraktion mit dem System automatisch erkannt werden. Dazu soll u.a. Eye Tracking zum Einsatz kommen.

Zum Anderen soll sich das System basierend auf zahlreichen Kriterien wie dem Alter des Patienten, dessen aktueller Behandlungsphase sowie seinen kognitiven Fähigkeiten und seinem tatsächlichem Informationsbedürfnis an diesen anpassen.

Als dritte Besonderheit heben die Forscher der drei Grazer Universitäten die nutzerspezifischen Darstellungsweisen der medizinischen Inhalte hervor, beispielsweise in Form von informativen Texten, Diagrammen und anderen Visualisierungsmöglichkeiten – je nach Vorlieben und Fähigkeiten des Nutzers.

Ziel ist dabei der Aufbau einer komplexen, interaktiven sowie anschaulichen und adaptiven Wissensdatenbank, welche z.B. in Form von Touch-Displays in Arztpraxen und im Rahmen von Smarthone-Apps eingesetzt werden kann.

WAS GESAGT WURDE

Die an der Forschungskooperative beteiligte Ärztin und Professorin Dr. Andrea Siebenhofer-Kroitzsch sagte: „Mit diesem neuen Angebot wollen wir die Fähigkeit einer Person, sich selbst Wissen anzueignen und damit Entscheidungen zu treffen, die der eigenen Gesundheit förderlich sind, deutlich verbessern. Gerade in Österreich, wo kaum 30 Prozent der Bevölkerung über eine gute Gesundheitskompetenz verfügen, ist das besonders notwendig.“

Tobias Schreck, Leiter des Instituts für Computer Graphik und Wissensvisualisierung der TU Graz, betonte: „Bestehende Gesundheitsinformationssysteme liefern überwiegend jeweils die gleichen Inhalte für Nutzerinnen und Nutzer, was Darstellung und Informationstiefe betrifft.“ Auch seien die Quellen vieler webbasierter Gesundheitsportale oft nicht klar und qualitätsgesichert.

Schreck ergänzte: „Wir wollen hier das Angebot auf ein neues Niveau heben, die Menschen über gesundheitliche Aspekte bestmöglich unterrichten und damit schlussendlich auch die Arzt-Patienten-Kommunikation verbessern.“

Weitere Informationen erhalten Sie HIER

Auch für Sie interessant

Your search returned no results.