Foto: Michele Fiani

3D-Druck zur Bekämpfung von COVID-19 in Italien eingesetzt

Nachdem der Ausbruch des Coronavirus in Italien in einem Krankenhaus in Brescia zu einem Engpass bei notwendigen Atemventilen geführt hat, hat eine Gruppe von Freiwilligen auf den Hilferuf reagiert und 3D-gedruckte Versionen bereitgestellt. Auch in Deutschland werden erste 3D-Drucktests durchgeführt.

Da sie aufgrund medizinischer Herstellungsvorschriften keine originalen Baupläne für die Ventile bekommen konnten, haben Cristian Fracassi und Alessandro Romaioli von Isinnova ein Ventil zerlegt und auf dieser Grundlage drei funktionierende Prototypen erstellt und getestet.

Obwohl das Vorgehen des Teams nicht dem üblichen Vorgehen entsprach, konnten so innerhalb von 24 Stunden 100 3D-gedruckte Ventile produziert werden. Der Preis für die Herstellung lag bei 1 US-Dollar pro Einheit. Dies steht in krassem Gegensatz zu den 11.000 US-Dollar, die der Patentinhaber Intersurgical für die Herstellung des CPAP-Haubensystems, von dem das Ventil nur ein kleiner Teil ist, veranschlagt.

Mit den gedruckten Ventilen konnten in Brescia bereits erfolgreich Patienten behandelt werden. Ein weiteres Krankenhaus hat sich bereits mit Fracassi und Romaioli in Verbindung gesetzt und um deren Unterstützung gebeten. Das Team hat die Entwürfe nicht veröffentlicht und erklärt, dass es kostenlos arbeitet. Man vertritt die Ansicht, dass die Ventile, wenn möglich, klinisch hergestellt werden sollten.

WARUM DIES WICHTIG IST

Das Krankenhaus L'Ospedale di Chiara in Brescia konnte die Ventile nicht bei seinem regulären Lieferanten beziehen. Dieser hatte das Krankenhaus darüber informiert, dass er nicht mehr rechtzeitig in der Lage sein würde, die erforderlichen Mengen für die Behandlung der 250 Patienten, die sich bereits auf der Intensivstation befanden, zu beschaffen, da durch die gestiegene Nachfrage aufgrund des COVID-19-Ausbruchs keine Bestände mehr verfügbar waren.

Die Ventile sind ein wesentlicher Bestandteil von Beatmungsgeräten zur Behandlung von Patienten, die am Coronavirus leiden – einer Erkrankung, die vor allem die Lungen und Atemwege angreift. Sie sind zum einmaligen Gebrauch bestimmt und können bis zu 8 Stunden am Stück verwendet werden. Dies bedeutet, dass die Anzahl der benötigten Ventile die Anzahl der Hauben bei weitem übersteigt.

DER GRÖSSERE KONTEXT

Italien hat bisher (Stand: 23. März) über 5.476 Todesfälle durch COVID-19 zu beklagen und damit China als das Land mit der höchsten Zahl an Todesopfern überholt. Das Virus scheint das Land am schlimmsten zu treffen: Die Sterblichkeitsrate liegt bei etwa 8,3 Prozent und ist damit mehr als doppelt so hoch wie der geschätzte weltweite Durchschnitt.

Die Intensivstationen im ganzen Land sind bereits belegt, und das Land ist vollständig abgeriegelt, während die wesentlichen Hilfsdienste versuchen, die Situation unter Kontrolle zu bringen.

WAS GESAGT WURDE

Cristian Fracassi sagte zu seiner Beteiligung an dem Projekt: „Es gab Menschen, deren Leben in Gefahr war, und wir haben gehandelt. Punkt.“

Er fügte hinzu: „Wir konnten nur deshalb so schnell handeln, weil dank des 3D-Drucks schnell Kleinstserien gefertigt werden können, die im industriellen Maßstab unmöglich wären.“ Er stellte jedoch klar, dass die herkömmlich hergestellten Ventile eine bessere Qualität aufweisen.

Michele Fiani, der ebenfalls an dem Projekt beteiligt war, betonte die Bedeutung der Kooperation in dieser unsicheren Zeit: „Ich hoffe, dass alle Menschen verstehen, dass wir zusammen anpacken müssen, um diese Pandemie zu stoppen. Wir alle müssen auf uns selbst achten und unsere Fähigkeiten einsetzen, um [denjenigen] zu helfen, die Unterstützung brauchen.“

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Dies ist eine Übersetzung eines Artikels von Sophie Porter, erschienen auf der englischsprachigen Version von Healthcare IT News.


Update aus der Redaktion: Auch in Deutschland werden unter der Leitung des VDI/VDE und in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Dresden mittlerweile erste 3D-Drucktests zur Unterstützung der Kliniken durchgeführt.

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