Ängste und Erwartungen der Deutschen

PwC Studie untersucht Einstellung zur Digitalisierung der Lebenswelt in Deutschland

von
Anna
Engberg

Digitalisierung durchzieht inzwischen alle Lebensbereiche der Deutschen. In Kooperation mit der International School of Management (ISM) hat das Wirtschaftsprüfungs- und Consulting-Unternehmen PwC hat dazu jetzt eine neue Studie veröffentlicht, welche die Einstellungen der Deutschen zum digitalisierten Alltag näher untersucht.

Demnach zeigt sich in der deutschen Bevölkerung ein zweigespaltenes Verhältnis zur Integration digitaler Technologie im Alltag. Das gilt insbesondere im Gesundheitswesen.

DER HINTERGRUND

In der quantitativen Online-Befragung, der sich qualitative Interviews anschlossen, wurden die Erwartungen, Bedürfnisse und Ängste der Deutschen in Bezug auf die digitalisierte Lebenswelt in den unterschiedlichen Lebensbereichen erfasst.

44 Prozent der etwas mehr als 400 Teilnehmer aus der PwC-Studie gaben an, die Digitalisierung ihrer Lebenswelt vom Berufs- bis zum Privatleben zu begrüßen. Besonders im Bereich Kommunikation, Unterhaltung und am Arbeitsplatz hat Digitalität in Deutschland einen hohen Stellenwert.

Gleichzeitig nannten die Teilnehmer mit Bildungswesen und Banking zwei Felder, in denen die Integration digitaler Technologie bislang wenig wahrgenommen und mehr erwünscht wird.

Anders verhält es sich den Studienergebnissen zufolge im Gesundheitswesen sowie auch bei der Partnersuche: hier war Digitalisierung für die Mehrheit aller Befragten bisher eher wenig relevant.

Als wichtigste digitale Zukunftstrends stellte die Studie sowohl für den privaten wie auch öffentlich-gesellschaftlichen Bereich Big Data und Künstliche Intelligenz (KI) heraus. Während standardisierte, elektronische Bezahlwege (E-Payment) für das Privatleben an als drittwichtigster Trend genannt wurden, erhielt der Trend autonomes Fahren im öffentlichen Bereich mehr Beachtung.

Ängste bestehen den von PwC geführten Interviews zufolge vor allem in Bezug auf die Datensicherheit, möglichen Datenbetrug und Überwachungsmöglichkeiten. Speziell bei ihren Gesundheitsdaten sowie beim Dating zeigten sich die befragten Teilnehmer in Bezug auf die Digitalität skeptisch bis ablehnend.

Die größte Besorgnis hinsichtlich der Digitalisierung bestehe in Bezug auf die Sicherheit der persönlichen Daten und einen Mangel an Kontrolle über die von Anwendern benutzten Tools, fassten die Autoren zusammen und forderten mehr Transparenz und Kontrolle über gespeicherte, persönliche Daten.

Die Digitalisierung mache nach Einschätzung der Befragten Prozesse zwar einfacher und schneller, löse durch ihre allgegenwärtige Präsenz und ständige Verfügbarkeit rund um die Uhr jedoch vielfach auch Stress aus, heißt es weiter in der Studie.

Diese negative Sicht auf Digitalität gilt besonders für die Generation der 39- bis 65-Jährigen, die den Wegfall von Arbeitsplätzen und den Einfluss digitaler Geräte und Anwendungen auf Kinder fürchten. In den jungen Generation der 18- bis 26-Jährigen stand dagegen der Schutz privater Daten im Kontext sozialer Medien, bei den 27- bis 38-Jährigen dagegen die Angst vor Datenmissbrauch und Überwachung in Bezug auf Gesundheitsdaten im Vordergrund.

WAS GESAGT WURDE

„Die Ergebnisse unserer Studie belegen, dass es beim digitalen Wandel wichtig ist, die Lücke zwischen dem Wunsch nach Bequemlichkeit und Zeitersparnis auf der einen und den Ängsten auf der anderen Seite, zu schließen“, schlussfolgerte Studienautor Michael Graf, Partner bei PwC.

Thomas Hamele, Trusted Advisor und Principal for CRM & Digitization bei Horváth & Partners Management Consultants, appellierte in diesem Zusammenhang an die Politik: „Die digitale Transformation hat das Potenzial, das Leben grundlegend zu verändern. Abläufe werden schneller und einfacher, Innovationen schaffen neue Jobs und bringen Verbesserungen, etwa im Gesundheitssektor. Auf der anderen Seite weckt die digitale Welt auch Befürchtungen. Die Menschen brauchen Sicherheit und Transparenz. Sie wollen die Kontrolle darüber, welche ihrer Daten wofür gespeichert werden. Die Politik muss also klare Regeln für die Digitalisierung schaffen. Und dafür sorgen, dass die Wirtschaft – vom Start-up bis zum Großunternehmen – diese einhält.“

GUT ZU WISSEN

Für die PwC-Studie wurden über 400 Online-Umfragen durchgeführt und zusätzlich qualitative Interviews mit drei Fokusgruppen geführt, um einen Gesamteindruck über die Wahrnehmung der Digitalität des deutschen Alltags zu erzeugen. Mit 66 Prozent waren die Befragten überwiegend weiblich und gehörten mit 59 Prozent zu einem großen Teil der jüngeren Generation (18 bis 26 Jahre) an.

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