Ärzte in Österreich teils ohne Zugriff auf e-Medikation

Österreichische Ärztekammer beklagt Unzuverlässigkeit der elektronischen Gesundheitsakte ELGA

von
Anna
Engberg

Ausfälle bei der e-Medikation machen derzeit vielen niedergelassenen Ärzte in Österreich zu schaffen. Das hat die Österreichische Ärztekammer (ÖÄK) jetzt in einer Pressemitteilung verlauten lassen.

Der Meldung zufolge kam es seit März 2019 zu insgesamt 13 Ausfällen mit einer Dauer von bis zu vier Stunden pro Störung. Insgesamt stand die e-Medikation den niedergelassenen Ärzten für 13 Stunden nicht zur Verfügung. In Folge der ELGA-Ausfälle kam es zu längeren Wartezeiten in den Praxen und Schwierigkeiten in den Behandlungsprozessen.

Von den Störungen betroffen waren über eine Million Patienten, schätzt Dietmar Bayer, ÖÄK-Referent für Telemedizin und medizinische Informatik.

DER HINTERGRUND

Bis 2022 soll die die elektronische Gesundheitsakte (ELGA) in einem stufenweisen Rollout vollständig in Österreich eingeführt werden.

Die e-Medikation ist der erste ausgerollte Bestandteil des ELGA-Systems und steht seit 2015 in den öffentlichen Krankenhäusern Österreichs und seit Mitte 2016 auch in den Apotheken und Arztpraxen zur Verfügung.

Während die Anbindung an ELGA in der Krankenhauslandschaft Österreichs bereits flächendeckend etabliert ist, gibt es in der Praxislandschaft weiterhin viele Lücken.

WAS GESAGT WURDE

„Die derzeitige Unzuverlässigkeit der e-Medikation ist besorgniserregend und unzumutbar“, äußerte sich der Vizepräsident der ÖÄK zu den Ausfallereignissen. Er bemängelte, dass die ELGA-Betreiber zu bürokratisch vorgehen und den Ärzten keine serviceorientierte Lösung zur Verfügung stellen, damit diese produktiv arbeiten könnten. Es seien Verbesserungen in puncto Usability erforderlich und trotz erfolgter Einwände bisher nicht erfolgt.

Auch ÖÄK-Referent Bayer findet die aktuelle Situation inakzeptabel: „Unsere Ärzte verdienen ein modernes, ausfallsicheres System, das ausgereift und auf dem aktuellen Stand der Technik ist, und keine behindernde und veraltete ELGA-Lösung“, forderte er.

DER GRÖSSERE TREND

Im kommenden Jahr steht die Einführung des elektronischen Impfpasses in Österreich auf der Agenda. Somit wird der zuverlässige und flächendeckende Zugriff auf die ELGA ab 2020 für die Arztpraxen noch wichtiger.

Zur Zeit erhalten in Österreich alle niedergelassenen Ärzte mit Kassenvertrag standardmäßig den Anschluss an die ELGA. Nicht angeschlossen sind bislang die Wahlärzte, Schulärzte und Arbeitsmediziner, die einen ebenso hohen Anteil in der Versorgung ausmachen.

 

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