Neue Patientenerfahrung durch Förderung von Telemedizin

Während persönliche Arztbesuche weiterhin von vielen bevorzugt werden, geben 90 Prozent der von HIMSS Media befragten Gesundheitsorganisationen an, dass sie telemedizinische Pflegedienstleistungen einsetzen oder erproben, um die Koordination ihrer Pflege zu verbessern, Risikopatienten zu begleiten und sich für Population Health Dienste breiter aufzustellen.

Immer mehr Patienten können telemedizinische und andere Möglichkeiten der virtuellen Versorgung in Anspruch nehmen, da die Gesundheitssysteme ernsthaft damit begonnen haben, telemedizinische Programme zu betreiben, so neue Forschungsergebnisse von HIMSS Media.

WORUM ES GEHT

Das heißt nicht unbedingt, dass viele Patienten – und in der Tat viele Anbieter – nicht altmodische, persönliche Einzelgespräche zwischen Arzt und Patient bevorzugen.

Doch angesichts gegenwärtiger Herausforderungen im Mitarbeiterbereich und qualitätsorientierter Versorgung – und der Entwicklung von Regulations- und Erstattungsrichtlinien, um diese zu berücksichtigen – setzen immer mehr Gesundheitsorganisationen auf Telemedizin.

Laut dem neuen HIMSS-Bericht "Telehealth: Disrupting the Care Delivery Paradigm" aus dem Jahr 2019 bieten neun von zehn Einrichtungen Telegesundheitsprogramme an oder führen entsprechende Pilotprojekte durch.

Von den 125 Befragten, die nach den laufenden Telegesundheitsprojekten im US-amerikanischen Krankenhaus- oder Gesundheitssystem gefragt wurden, gaben 64 Prozent an, stationäre Fachberatungen anzubieten. Weitere 61 Prozent führen demnach Fernüberwachung von Patienten durch.

59 Prozent leisten Beratungen zur psychischen oder verhaltenstherapeutischen Gesundheit, während dieselbe Zahl angibt, ambulante Fachberatungen anzubieten. 55 Prozent führen außerdem telemedizinische Konsultationen für Kranke und 49 Prozent für Gesunde durch. Etwas geringer fällt mit jeweils 42 Prozent die Zahl der Anbieter aus, die Konsultationen per SMS und/oder Verlaufsbeobachtung nach Entlassung im Portfolio haben.

Dies könnte zum Teil an technologischen Herausforderungen liegen. Während Patientenportale eine leichte Angelegenheit und im Augenblick an der Tagesordnung sind, zeigt die HIMSS-Umfrage auch, dass sichere textbasierte und einheitliche Kommunikationsplattformen aktuell noch nicht so weit verbreitet sind.

Auf die Frage: "Wie gut ist Ihre Einrichtung in den folgenden Technologiebereichen auf die Bereitstellung von Telemedizin vorbereitet?" gaben 60 Prozent an, gut bis sehr gut auf die Verwaltung von Portalen vorbereitet zu sein. Weniger gut waren die Gesundheitssysteme dagegen darin aufgestellt, große Datenmengen (53 Prozent) zu speichern, Kommunikationsplattformen für Anbieter anzubieten (50 Prozent) oder Videotechnologie zur Verbindung von Ärzten und Patienten zu gewährleisten (47 Prozent).

Und weiter unten auf der Skala? Lediglich 42 Prozent bzw. 36 Prozent sagten, sie seien bereit, sichere textbasierte Plattformen für die Arzt-Patient-Kommunikation bzw. einheitliche Kommunikationsplattformen für Patienten anzubieten.

Einige der größten Einschränkungen haben jedoch vor allem mit Faktoren auf Patientenseite zu tun. 

Wie Untersuchungen von HIMSS zeigen, sind 42 Prozent der Befragten auf Anbieterseite der Meinung, dass die "Präferenz (ihrer Patienten) für die persönliche Interaktion" der mit Abstand am häufigsten genannte Grund sei, der die Einführung von Telemedizin wesentlich einschränkt.

Weitere Hürden auf dem Weg zu einer breiteren Akzeptanz der Telemedizin durch die Patienten seien: der Mangel an Zugang zu videofähigen Geräten wie Smartphones oder mit Kameras ausgestatteten Computern (29 Prozent), der Mangel an Vertrauen in die Sicherheit der virtuellen Versorgung (29 Prozent), ein fehlendes technisches Verständnis zur Verbindung mit telemedizinischen Diensten (28 Prozent), ein fehlender zuverlässiger und sicherer Zugang zu mobilen Daten und Mobilfunkdiensten (26 Prozent) oder zum Internet (26 Prozent) sowie die Besorgnis über die Qualität der angebotenen telemedizinischen Versorgung (20 Prozent).

DER GRÖSSERE TREND

Die gute Nachricht ist: immer mehr Patienten akzeptieren und vertrauen in telemedizinische Technologie für die Gesundheitsversorgung. Das ist bedeutsam angesichts dessen, dass Telemedizin uns auf lange Sicht beschäftigen wird – und verspricht eine weitere Ausdehnung, da es mit einer qualitätsorientierten Kostenerstattung schwierig wird, ihre vielen Vorteile zu ignorieren.

Auf der Connected Health Conference in Boston im vergangenen Monat diskutierten fünf langjährige Führungskräfte aus dem Bereich Telemedizin über die nächsten Schritte für die virtuelle Versorgung und Fernüberwachung. Ihre Vision? Eine, in der "Hausärzte Virtualisten sein werden, die, indem sie gute skalierbare, virtuelle Online-Technologien anwenden, eine extrem komfortable Versorgung bereitstellen", wie Dr. Lyle Berkowitz, Chief Medical Officer bei MDLIVE und langjähriger IT-Leiter für Ärzte bei Northwestern erklärte.

Dr. John Halamka, internationaler Professor für Gesundheitsinnovation an der Harvard Medical School, stimmte zu und sagte eine neue Ära "virtueller Zentren, die ursprünglich einmal Krankenhäuser waren“, voraus: „Für Herzinfarkte oder Schlaganfälle wird es weiterhin die Notaufnahme sein. Ein Turm für die Intensivstation gleich nebenan wird sich um die Schwerstkranken kümmern, die keine häusliche Pflege in Anspruch nehmen können... Aber ansonsten? Die ambulante Pflege und die einfachen Versorgungsleistungen? All dies wird nach Hause verlegt."

WAS GESAGT WURDE

"Die Geschwindigkeit bei der Einführung von Telemedizin nimmt mit dem Wunsch zu, den Zugang zur Gesundheitsversorgung zu verbreitern, die Gesundheitsversorgung komfortabler zu machen, Personallücken und -mängel zu beseitigen, die Koordinierung der Pflege zu verbessern, gefährdete Bevölkerungsgruppen besser zu überwachen und zu behandeln und Gesundheitsprogramme für die Bevölkerung auszubauen.", sagte Janet King, Senior Director für Market Insights bei HIMSS Media.

"Während Gesundheitseinrichtungen mit grundlegenden Tools wie Patientenportalen im Allgemeinen gut aufgestellt sind, bleiben komplexere einheitliche Kommunikationsplattformen tendenziell eine Herausforderung. Obwohl persönliche Interaktion von den meisten Anbietern immer noch bevorzugt wird, erkennen diese zunehmend, dass telemedizinische Technologien sowohl den Zugang zur Versorgung als auch deren Ergebnisse verbessern können."

##
Dies ist eine Übersetzung eines Artikels von Mike Miliard, erschienen auf der englischsprachigen Version von Healthcare IT News.

Auch für Sie interessant

Video-Konsultation

Digitale Arztbesuche kommen nach Deutschland

Wir brauchen Innovationsmanagement

HIMSS TV Interview mit Ibo Teuber, Director Health Care bei Deloitte

Trend 2020: Patienten-Engagement

Mit innovativer Technologie wollen Gesundheitsdienstleister wettbewerbsfähig bleiben