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Besser forschen!

Die Krebsforscher sind gerade dabei, die klinische Forschung neu zu definieren: Immer kleinere Subgruppen von Patienten werden immer gezielter behandelt.

von
Philipp
Grätzel von Grätz

„One size fits all“ gilt nicht mehr, und dass Patienten mit fortgeschrittenen Krebserkrankungen zwangsläufig nach ein paar Jahren tot sind, auch nicht. Die Lebenserwartung steigt, multiple sequenzielle Therapien werden Standard, und diese langfristigen Therapiesequenzen wollen kontinuierlich in klinischen Studien evaluiert werden.

Das alles wird erstens bei anderen Indikationen auch kommen und stellt zweitens diverse Anforderungen an Studiendesigns und Zulassungsmodalitäten. Es ist aber auch, drittens, eine enorme infrastrukturelle Herausforderung. Netzwerkforschung statt Einzelkämpfertum ist nötig, enger Patientenkontakt unverzichtbar. Und es müssen Wege gefunden werden, die Effekte von Therapien in der realen Versorgung möglichst in Echtzeit zu erfassen, auch um Therapien früher zur Verfügung stellen zu können.

Hier soll jetzt nicht behauptet werden, dass IT all diese Anforderungen quasi fingerschnippend erfüllen kann. Aber der Gedanke, dass Patienten-Apps, Health-Clouds und Co. einen relevanten Beitrag zur klinischen Forschung der Zukunft leisten können, liegt schon nahe. Beispiel Apps: Warum sollten Krebspatienten nicht auf freiwilliger Basis mit einer Patienten-App ausgestattet werden, die es Klinikern und klinischen Forschern erlaubt, sicher und effizient mit ihnen in Kontakt zu treten?

Auf diese Weise könnten zum Beispiel – ein Vorschlag des Hasso Plattner Instituts – Einwilligungen des Patienten zur Nutzung existierender Daten für neue klinische Forschungsprojekte eingeholt werden. Und wenn man so etwas dann noch mit einer digitalen Signatur verknüpfen würde, ob via elektronischem Personalausweis oder elektronischer Gesundheitskarte, dann müsste der Patient für die Einwilligung nicht mal mehr persönlich auftauchen, ein enormer Effizienzgewinn vor allem im Bereich der translationalen Forschung, wo es in der Regel darum geht, dass Patienten die Nutzung von Biomaterialien abnicken.

Für Health-Clouds wiederum könnten sogenannte „Real-World-Studien“ zur Killer-Applikation werden. Gemeint ist nicht Versorgungsforschung, sondern sind echte, randomisierte Studien, bei denen der Effekt der Intervention nicht im Studienzentrum erfasst, sondern in Echtzeit gemonitort wird, anhand realer Versorgungsdaten, die entstehen, weil der Patient medizinische Einrichtungen aufsucht oder auch nicht.

Dass das nur mit lückenlosen elektronischen Akten inklusive Anbindung des Sterberegisters funktioniert, liegt auf der Hand. Und jetzt sage keiner, so etwas kann man nicht machen. Im Raum Manchester führt GlaxoSmithKline derzeit zwei derartige Studien bei COPD-Patienten durch. Die Vorteile sind offensichtlich: weniger Aufwand und tendenziell bessere Daten, da das echte Leben erforscht wird, und nicht eine artifizielle Studiensituation. Da ist Musik drin.

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