COVID-19: „Ein sich ständig weiterentwickelnder Prozess, der stündliche Anpassungen erfordert“

Für IT-Abteilungen von Krankenhäusern ist es derzeit unerlässlich, Informationen zu verfolgen: als Entscheidungsgrundlage für das Management, um ein schnelles Aufstocken mit zusätzlichen Betten auf der Intensivstation zu ermöglichen und Tools für die Heimarbeit einzurichten.

von
Cornelia
Wels-Maug

Während die Zahl der von COVID-19 betroffenen Menschen beständig zunimmt, wachsen auch die Bemühungen der IT-Abteilungen, dem steigenden Druck auf die Krankenhäuser entgegenzuwirken. In dem von Charles Alessi, Chief Clinical Officer bei HIMSS, kürzlich moderierten HIMSS-Webinar „Italien und Deutschland im Angesicht von COVID-19“ sprachen zwei CIOs privater Krankenhausketten in Italien bzw. Deutschland über die Lehren, die sie aus dem Ausbruch des Coronavirus bislang ziehen konnten.

WARUM DIES WICHTIG IST

Insbesondere Italien hatte stärker als andere westliche Länder mit einem Anstieg der Zahl infizierter Patienten und einem Mangel an Intensivbetten zu kämpfen. Seit fast fünf Wochen arbeitet Elena Sini – Group CIO, GVM Care & Research, Italien – unermüdlich daran, dem Virus immer einen Schritt voraus zu sein. Sie empfiehlt die strikte Trennung von COVID-19-positiven und -negativen Patienten, um das Infektionsrisiko zu minimieren. Aus dem gleichen Grund drängt Sini darauf, die Arbeitsmöglichkeiten im Homeoffice zum Schutz des Personals auszubauen, sei es in Form von Telemedizin und Videokonferenzen für Ärzte und Krankenschwestern oder von Lösungen, die es dem IT-Personal ermöglichen, vom Homeoffice aus zu arbeiten. Darüber hinaus wird das IT-Personal auf den Stationen von Personen, die mit der Arbeit auf der Intensivstation vertraut sind, darin geschult, bestimmte Sicherheitsvorkehrungen einzuhalten. Das Pflegepersonal auf den Intensivstationen wiederum wird unterwiesen, wie es einige IT-Probleme selbst lösen kann, um die Kollegen der IT-Abteilung zu schützen.

Sini und Henning Schneider, CIO der Asklepios Kliniken, Deutschland, beide Mitglieder im HIMSS-Vorstand, sprechen sich dafür aus, alle laufenden IT-Projekte einzustellen, um Ärzte und Krankenschwestern auf den Stationen zu unterstützen. Dies ist umso dringlicher, als die durch COVID-19 bedingte stattfindende fortlaufende Reorganisation der Krankenhäuser die rasche Einrichtung zusätzlicher Benutzerrechte erfordert. Das ist vor allem deshalb notwendig, da Krankenhäuser die Intensivbettenkapazität erhöhen, indem sie geplante Eingriffe absagen, Aufwachräume umbauen und Zelte zur Unterbringung von Patienten errichten. Sini berichtet von fehlender Hardware aufgrund unterbrochener Lieferketten und unzureichenden Bandbreiten, da die Nutzung des Festnetzes in Italien um bis zu 90 Prozent und die Mobilfunknutzung um bis zu 40 Prozent angestiegen ist.

Die wichtigsten Maßnahmen werden im Folgenden aufgeführt:

  • Steuerung und Überwachung von Informationen über ein Dashboard oder eine automatisierte Matrix zur Bewertung der Situation in Echtzeit
  • Erstellung eines Inzidenzplans
  • Einsatz von Tools für die Zusammenarbeit
  • Verwendung von E-Learning-Tutorials, um neu eingestellte Mitarbeiter im Gesundheitswesen schnell auf den neuesten Stand zu bringen
  • Sicherer Betrieb von Krankenhausinformationssystemen, insbesondere bei der Erweiterung der Zugriffsrechte
  • Erweiterung des Leistungsumfangs im Bereich der Telemedizin
  • Hohe Bandbreiten zur Unterstützung von Telemedizin und Heimarbeit

Von den Anbietern elektronischer Patientenakten erwartet Sini, dass sie proaktiv neue Funktionen hinzufügen, um die Überwachung und Dokumentation von COVID-19-Fällen zu erleichtern. Schneider wiederum empfahl eine Verbesserung der Infrastruktur, um die Kommunikation zwischen den Krankenhäusern in Deutschland zu gewährleisten, sowie ein zentral organisiertes COVID-19-Meldesystem auf staatlicher Ebene. Dies würde zu einer besseren Bewältigung der Pandemie beitragen.

DER GRÖSSERE KONTEXT

Da die COVID-19-Pandemie täglich immer mehr medizinische Ressourcen beansprucht, wächst das Interesse von Krankenhaus-CIOs aus aller Welt, von denjenigen zu lernen, die direkt von dem Coronavirus-Ausbruch betroffen sind. Allein für dieses Webinar meldeten sich mehr als 2.500 Personen aus 68 Ländern an, um Ratschläge für die Notfallplanung zu erhalten.

WAS GESAGT WURDE

„Die Reaktion auf COVID-19 ist ein sich ständig weiterentwickelnder Prozess, bei dem es keinen Endpunkt gibt und der stündlich Anpassungen erfordert“, sagt Sini. „Tools für die Zusammenarbeit sind unerlässlich. Bereiten Sie sich auf einen signifikanten Anstieg der Zahl der Patienten vor, die in die Krankenhäuser kommen und planen Sie auf lange Sicht. Obwohl die Angehörigen der Gesundheitsberufe am stärksten belastet sind, wird auch das IT-Personal von Burn-out betroffen sein. Deshalb sollten auch IT-Mitarbeiter psychologisch betreut werden“, rät sie.

Schneider bekräftigt: „Jeder IT-Mitarbeiter ist ein Mensch, der wie alle anderen auch Angst davor hat, infiziert zu werden. Die CIOs müssen der Führung und der Kommunikation Vorrang einräumen: der Kommunikation mit den eigenen Mitarbeitern und der Tatsache, dass diese Kommunikation im Einklang mit der Kommunikation innerhalb des gesamten Unternehmens steht.“ Er lobt zudem den Geist der Zusammenarbeit über das gesamte Gesundheits-Ökosystem hinweg: „Die Fähigkeit zur Kooperation ist erstaunlich, nicht nur zwischen Krankenhäusern, sondern auch zwischen Software- und Hardwareanbietern.“

Alessi warnt vor drohenden Cyber-Angriffen: „Die Menschen müssen sich in Zeiten wie diesen dem erhöhten Sicherheitsbedürfnis bewusst sein.“ Als Arzt sieht er auch die Notwendigkeit, die medizinischen Ressourcen auszubalancieren: „Das Coronavirus nimmt das medizinische System vollständig in Beschlag, sodass Patienten mit nicht übertragbaren Krankheiten nicht mehr behandelt werden können.“

Die vollständige Aufnahme finden Sie hier

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Dies ist eine Übersetzung eines Artikels von Cornelia Wels-Maug, erschienen auf der englischsprachigen Version von Healthcare IT News.

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