COVID-19: Der konstante Aufstieg der Telemedizin

Telemedizin hat in den letzten Monaten während der Coronavirus-Pandemie einen starken Zuwachs verzeichnet. Indem die Mehrheit zuhause bleibt, wird sie laut Digital Health Connector Aline Noizet zur „neuen Normalität“ beim Zugang zur Gesundheitsversorgung.

Telemedizin ist nicht neu – und doch wurde sie bislang aus verschiedenen Gründen nur ungern genutzt, dazu zählen technische Schwierigkeiten, Sicherheitsbedenken sowie mangelnde Verfügbarkeit und Zugangsmöglichkeiten. 

Allerdings hat sich die Telemedizin auch deutlich weiterentwickelt – Plattformen werden immer sicherer und ermöglichen qualitativ hochwertigere Bilder, Konnektivität und Sounds, sodass sich die virtuelle Beratung mit einem persönlichen Besuch vergleichen lässt. Remote-Geräte bringen Patienten und medizinisches Fachpersonal zusätzlich näher zusammen und gewährleisten eine genauere Ferndiagnose.

Tytocare gehörte zu den ersten Unternehmen, die ein Gerät entwickelten, mit denen Patienten bei einer Telekonsultation zuhause ihre Vitalparameter messen können. Der behandelnde Arzt erklärte den Patienten dann, wie sie die Vitalparameter mit Hilfe des Geräts erfassen und Echtzeit-Daten sammeln können, um bessere Diagnosen zu stellen.

Auch Wearables spielen in der Telemedizin eine entscheidende Rolle. Viele Patienten überwachen sich regelmäßig selbst. „Die Verwendung von Wearables bietet Patienten die Möglichkeit, mehr Gesundheitsinformationen zu erfassen, um den Umfang ihrer Gesundheitsfürsorge zuhause zu erweitern“, sagt Dr. Aditi Joshi, ärztlicher Direktor von JeffConnect Telehealth, Jefferson Hospital, USA.

Maneesh Juneja ist ein Digital Health Futurist aus London, der wie allseits bekannt ist, an der Front der neuesten Innovationen im Gesundheitssektor unterwegs ist, u.a. mit Fokus auf Wearables und Sensoren. Mitte April dieses Jahres fühlte er sich unwohl, und nachdem er verschiedene Online-Symptom-Checker verwendet hatte, um seinen Zustand einzuschätzen, kontaktierte er seine Hausärztin:

„Ich hätte nie gedacht, dass Telemedizin so nützlich sein kann – bis meine Hausärztin vor 42 Tagen bei einer telefonischen Beratung den Verdacht auf COVID-19 diagnostizierte. Es war mehr eine Partnerschaft und weniger eine normale Interaktion zwischen Arzt und Patient, da mir meine Hausärztin die patientengenerierten Gesundheitsdaten aller meiner Sensoren zuhause, die ihr bei der Diagnose halfen, offen mitteilte. Mit Hilfe der Daten meiner Sensoren stellte sie fest, dass ein sofortiger Krankenhausaufenthalt nicht notwendig war. Sie hat dann nach der ursprünglichen Diagnose bei jedem Telefonanruf nach diesen Daten gefragt, um meinen Krankheitsverlauf besser zu verstehen“, erinnert sich Juneja.

Natürlich muss medizinisches Fachpersonal dann auch in der Lage sein, solche Daten richtig zu verwenden und sicherzustellen, dass die Daten zuverlässig und somit von Nutzen sind. Juneja kam zu dem Schluss, dass es wünschenswert wäre, könnten seine Daten eines Tages automatisch für seine Ärztin hochgeladen werden. Dies würde den Bereich der Gesundheitsüberwachung ohne Zweifel auf ein ganz neues Niveau bringen.

Der Arzt zuhause

Telemedizin und Gesundheitsüberwachung sind dabei, sich dank Unternehmen wie Binah.ai noch weiter zu entwickeln, indem sie die Möglichkeiten von Künstlicher Intelligenz (KI) und Signalverarbeitung nutzen, um die Vitalwerte von Patienten mithilfe einer Smartphone-Kamera zu messen. Man muss sich nur vorstellen, wie praktisch es wäre, wenn man während COVID-19 die Sauerstoffsättigung von Patienten mit einem einfachen Mobiltelefon überprüfen könnte.  

Eindeutig gab es eine Verschiebung der Gesundheitsversorgung von der Arztpraxis zum Aufenthaltsort des Patienten. Die Telemedizin und insbesondere die Video-Beratung bringen eine neue Dimension in die Beziehung zwischen Patient und medizinischem Fachpersonal. Man geht nicht einfach nur in die Arztpraxis – der Arzt kommt auch zu Ihnen ins Haus.   

Laut Dr. Joshi ermöglicht uns Telemedizin, Patienten dort zu sehen, wo sie wohnen, wo ihre Gesundheit hauptsächlich "stattfindet", und nicht nur in der kurzen Zeit, in der das medizinische Fachpersonal sie während der Sprechstunde oder im Krankenhaus sieht. Man kann vieles in Erfahrung bringen, wenn man eine Person zuhause besucht: zum Beispiel kann ein Patient mit Hilfe des Arztes besser verstehen, wie er sein Medikament einnimmt; der Arzt kann die korrekte Einnahme sicherstellen, die Möglichkeit von Allergenen oder Sturzgefahren einschätzen, usw.

Dennoch nutzt – wie vor Kurzem von HSJ berichtet wurde – die Mehrheit der britischen Patienten bei der Gesundheitsversorgung aus der Ferne Telefone oder Online-Anfragen statt Video-Beratungen. Wie vom NHS berichtet, betreffen weniger als ein Prozent der Anfragen Video-Beratungen.

„Telemedizin hat enormes Potenzial“

Telemedizin ist auch besonders nützlich, wenn es darum geht, die Versorgung dort zu verbessern, wo sie physisch nicht immer verfügbar sein kann. Nicht jede Telemedizin wird dem Patienten direkt angeboten. Die Anbieter-zu-Anbieter-Telemedizin, die bei Fernberatungen genutzt wird, ist besonders nützlich, um auf Fachärzte aus Teilbereichen zuzugreifen, die sich dann aus der Ferne um Patienten kümmern, die Notwendigkeit einer Überweisung beurteilen oder die Ärzte vor Ort bezüglich der Patientenversorgung in der jeweiligen Gemeinde beraten“,  sagt Dr. Joshi.

Telemedizin hat enormes Potenzial, nicht nur, um die Gesundheitsversorgung näher an den Patienten zu bringen, sondern auch, um diese zu verbessern. Zweifellos wird die Pandemie der letzten Monate dazu beitragen, dass dieser Bereich zu einem wesentlichen Bestandteil der Gesundheitssysteme wird. Wie Dr. Joshi sagt, „erfordert Telemedizin wie alle Veränderungen Flexibilität, Kreativität und auch die Fähigkeit, zu sehen, was Gesundheitsversorgung sein kann – nicht, was sie gewesen ist.“

##
Dies ist eine Übersetzung eines Artikels von Aline Noizet, erschienen auf der englischsprachigen Version von MobiHealthNews.


Über die Autorin: Aline Noizet ist Connector aus Leidenschaft. Die Gründerin von Digital Health Connector hat eine Leidenschaft für digitale Gesundheit, Innovation und die Vernetzung der richtigen Leute. Ihr Ziel ist es, das Leben von Patienten positiv zu beeinflussen und medizinisches Fachpersonal zu unterstützen. 

Auch für Sie interessant

Your search returned no results.