Die digitale Bereitschaft ist da

Mit dem digitalen Fortschritt im Gesundheitswesen sind die Deutschen jedoch eher unzufrieden, zeigt eine neue EU-Studie im Ländervergleich

von
Anna
Engberg

Die europäische Management- und Technologieberatung Sopria Stera Consulting (SSC) hat eine neue Studie veröffentlicht, welche die Einstellung der Deutschen zum Fortschritt der digitalen Transformation des Gesundheitswesens untersucht und im 6-Länder-Vergleich bewertet.

Der Umfrage zufolge sind die Deutschen digitalen Gesundheitsanwendungen wie der elektronischen Gesundheitsakte, Gesundheitsapps, Telemonitoring und medizinischen Online-Diensten gegenüber positiv eingestellt und sehen darin einen Mehrwert. Doch vom Fortschritt der bisherigen Digitalisierung in der Versorgung ist man hierzulande tendenziell eher enttäuscht, so die Ergebnisse des beauftragten Marktforschungsunternehmens Ipsos aus dem Zeitraum Juli 2018 bis März 2019.

Neben den 200 Befragten aus Deutschland nahmen jeweils ebenso viele Bürger aus Frankreich, Spanien, Großbritannien, Belgien und Norwegen an der Umfrage „European Study on the Digitalisation of the Healthcare Pathways“ teil.

DER HINTERGRUND

Gemäß der neuen SSC-Studie sieht man die Entwicklung der digitalen Gesundheitsversorgung über die letzten zehn Jahre in Deutschland aktuell kontrovers: nur etwas mehr als jeder Vierte (27 Prozent) in Deutschland ist der Meinung, dass sich das Gesundheitssystem mit Blick auf die digitalen Neuerungen hierzulande etwas oder sehr verbessert hat. Hingegen meinen 29 Prozent, der Zustand sei unverändert und mit 44 Prozent gibt die Mehrheit an, die Versorgung habe sich tendenziell etwas oder stark verschlechtert.

Die Sicht auf mögliche, digitale Hilfswerkzeuge wie Apps, elektronische Gesundheitsakten, KI-Anwendungen, Smart Watches und andere Geräte, welche Gesundheitsdaten und Krankheitsverläufe aufzeichnen und auswerten, ist dagegen durchweg positiv: 76 Prozent der befragten Deutschen finden, dass diese digitalen Lösungen die Versorgung etwas oder sehr verbessern können.

Auch die Einschätzung von Langzeitwirkungen digitaler Entwicklungen fällt durchweg positiv aus: so glauben 78 Prozent der Deutschen, dass Krankheiten durch digitale Innovationen früher erkannt werden und 71 Prozent sind überzeugt, dass die Diagnostik präziser wird. Rund 70 Prozent gehen von schnelleren Behandlungen und besseren Krankheitsverläufen bei chronischen Erkrankungen aus.

Darüber hinaus führte SSC auch Interviews mit fünf Healthcare-Experten durch: Kernaussagen derselben waren u.a., dass die Datensicherheit gerade in Deutschland ein besonders sensibles Thema sei und sich die Entscheidungsfindungen hierzulande besonders langwierig gestalten.

DER GRÖSSERE TREND

Die Studie von Sopria Stera Consulting stellt die Bereitschaft in der deutschen Bevölkerung zur digitalen Entwicklung im Gesundheitswesen und deren Nutzen für Diagnostik, Behandlung und Prävention in Kontrast zum Status Quo, in dem derzeit noch Datensicherheitsbedenken, Insellösungen und föderale Strukturen die Digitalbranche ausbremsen. Norwegen und Belgien hebt die Studie hingegen als Musterländer in diesem Entwicklungsprozess hervor.

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