Gesundheitsminister Jens Spahn bei der Eröffnung des Health Innovation Hubs in Berlin

Deutsches Gesundheitsministerium eröffnet Health Innovation Hub

Neuer „Health Innovation Hub“ in Berlin soll die Chancen der Digitalisierung für eine bessere medizinische Versorgung ausschöpfen. Ein zwölfköpfiges Expertenteam wird diesbezüglich neue Ideen und Optionen eruieren und das Gesundheitsministerium eng beraten.

In einem weiteren Schritt zur digitalen Transformation des deutschen Gesundheitswesens hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn nun offiziell den Health Innovation Hub (HIH) in Berlin eröffnet.

Das HIH wird, so Spahn „eine Brücke vom Gesundheitsministerium in die digitale Szene sein.“ Der Minister ergänzte: „Es ist eine Ideenfabrik für digitale Gesundheitslösungen, die darauf abzielt, die Digitalisierung zur Verbesserung der Patientenversorgung zu nutzen."

Geleitet wird das HIH von Professor Jörg Debatin, der zuvor Ärztlicher Direktor und Geschäftsführer des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) war. Das UKE war das erste Krankenhaus in Deutschland, das die 7. Stufe des HIMSS Electronic Medical Record Adoption Models (EMRAM), der Bestnote der HIMSS Analytics für papierlose, digitale Arbeitsabläufe, erreicht hat.

Anlässlich der Eröffnung des Hubs in Berlin letzte Woche sagte Spahn, ein Team aus 12 Experten werde dem Ministerium helfen, „bahnbrechende Technologien schneller zu erkennen und zu bewerten."

Gesundheitsministerium übernimmt Leitung für Entwicklung der Gesundheits-IT

Die Regulierung des deutschen Gesundheitswesens ist weitgehend an Organe der Selbstverwaltung von Krankenkassen, Ärzten und Apothekern delegiert. Dieser Grundsatz wurde auch beim Aufbau der nationalen Telematikinfrastruktur für das Gesundheitswesen angewandt.

Es sind jedoch gerade die Interessenkonflikte zwischen den Beteiligten, die für die langen Verzögerungen bei dem Aufbau der Telematikinfrastruktur, die nach 15 Jahren Entwicklung immer noch nicht funktionsfähig ist, mitverantwortlich sind.

Allerdings hat das Gesundheitsministerium nun die Übernahme der Mehrheit der Geschäftsanteile an der gematik, der Projektgesellschaft, die die Telematikinfrastruktur entwickelt, zum 1. Mai 2019 im Rahmen des kürzlich verabschiedeten Terminservice- und Versorgungsgesetzes angekündigt. „Die Organe der Selbstverwaltung versuchen seit 15 Jahren, dies zu tun [die Telematikinfrastruktur zum Laufen zu bringen]. Jetzt geben wir dem Minister die Chance, es auch auszuprobieren", sagte Spahn in der letzten Woche auf der DMEA in Berlin, der größten Gesundheit-IT Konferenz in Deutschland. 

Von diesen Initiativen erwartet man, dass sie der Digitalisierung des deutschen Gesundheitswesens einen deutlichen Schub nach vorne verleihen. Spahn hat sich seit seinem Amtsantritt im März 2018 als ein unverblümter Unterstützer der Transformation des Gesundheitswesens durch digitale Technologien profiliert. 

Dies ist auch zu einem strategischen Ziel der Gesundheitspolitik geworden, welche die Digitalisierung als Motor für die Verbesserung der Versorgung im ländlichen Raum und der Behebung des erheblichen Mangels an Pflegepersonal ansieht. Inzwischen wurden auch neue Gesetze zur Unterstützung und Erstattung von Videokonsultationen eingeführt.

Die Regierung hat sich ferner verpflichtet, die Nutzung der nationalen Telematikinfrastruktur auszuweiten und bis Ende 2021 landesweit elektronische Patientenakten (EPA) einzuführen.

Eine neue Dynamik für die digitale Gesundheit

Gemessen an den Ausgaben von jährlich rund 374 Milliarden Euro, ist Deutschland nach den USA der zweitgrößte Gesundheitsmarkt der Welt. Dennoch weist Deutschland eine der niedrigsten Digitalisierungsraten unter den Industrieländern auf. In einer aktuellen Studie der Stiftung Münch belegte Deutschland bei der Einführung von EPAs im Jahr 2018 gerade Platz 13 unter den 20 untersuchten europäischen Ländern – in 2016 war es Platz 11.

Um dies zu ändern, ist HIMSS im März 2019 eine Allianz mit der Handelsblatt Media Group eingegangen. Beide Organisationen werden die internationale Konferenz „HEALTH – The Digital Leaders“, die im November dieses Jahres in Berlin stattfinden wird, gestalten. Henning Schneider, vice-chair des HIMSS board of directors, äußerte sich darüber erfreut: „Die neue Bundesregierung hat sich verpflichtet, die Digitalisierung des Gesundheitswesens voranzutreiben und rechtliche und wirtschaftliche Rahmenbedingungen zu schaffen, um die digitale Gesundheitsindustrie zu stärken. Diese Konferenz wird die Menschen zusammenbringen, die dies möglich machen."

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cwm

DMEA 2019

Als Plattform für den Austausch von Lösungen und Anwendungsfällen von gelebter Vernetzung im Gesundheitswesen.

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