Die Zukunft der Medizintechnik

In Zeiten von COVID-19 müssen Gesundheits- und Pflegesysteme agiler werden und sich verändern.

von
Dr. Charles
Alessi

Während COVID-19 in der ganzen Welt um sich greift, zeichnet sich ab, dass einige Länder Beschränkungen lockern. Andere Länder wiederum verschärfen den Lockdown sogar noch. Wiederum andere Länder vertrauen auf die Belastbarkeit ihrer Gesundheits- und Pflegesysteme und ergreifen Maßnahmen, die weniger einschneidend sind mit dem Ziel, die wirtschaftlichen und politischen Auswirkungen strengerer Vorgehensweisen zu vermeiden.

Die Explosion von Datenpunkten

Die Gesundheits- und Pflegesysteme müssen sich dieser neuen Welt anpassen, und plötzlich erscheinen die alten, weitgehend auf einer analogen Welt und den Grundpfeilern der „Termine“ in einer physischen Praxis basierenden Arbeitsweisen zunehmend überholt und aus dem Takt mit diesem neuen Umfeld, dem sie nun gegenüberstehen.

Hier gibt es eine interessante Parallele. Humane Coronaviren sind eine Gruppe von Viren, die im Laufe ihres Lebenszyklus kleine Teile ihres genetischen Codes verändern. Mutationen sind also eine Selbstverständlichkeit. Die Herausforderung besteht darin, unsere Gesundheits- und Pflegesysteme in die Lage zu versetzen, mit der gleichen Geschwindigkeit und in demselben Ausmaß zu „mutieren“. Ein solches Phänomen wurde noch nie zuvor beobachtet. Aber im Zusammenspiel mit der digitalen Transformation, dem Einsatz medizinisch-technischer Geräte und der Anwendung der künstlichen Intelligenz bei der Betreuung von Menschen wird es zunehmend alltäglich.

Damit einher gehen auch weitere bedeutende Veränderungen, insbesondere im Zusammenhang mit der Einführung einer großen Reihe neuer Geräte und Produkte, einschließlich Wearables. Zusammen mit der Ausbreitung und dem unmittelbaren Einsatz der 5G-Infrastruktur führen diese zu einer regelrechten Explosion der Zahl von Datenpunkten, die für verschiedene Gesundheits- und Pflegesysteme weltweit verfügbar werden.

Mittlerweile ist allgemein anerkannt, dass diese Veränderungen von Dauer sind. Es ist unwahrscheinlich, dass die COVID-19-Pandemie mit der Sommersonne auf der Nordhalbkugel verschwindet. Vielmehr ist es dringend notwendig, erforderliche Erkenntnisse zu gewinnen, die für den Einsatz künstlicher Intelligenz und die Verbesserung und individuelle Anpassung der Versorgung jener Menschen erforderlich sind, die von der zweiten Ansteckungswelle betroffen sein werden, die im Herbst über den Äquator auf uns zukommen wird. Das bedeutet, dass die Abhängigkeit von medizinisch-technologischen Lösungen mit einer Geschwindigkeit und in einem Ausmaß zunehmen wird, das wir bisher nicht erlebt haben.

Das optimale Management der COVID-19-Pandemie bietet viele potenzielle Ansatzpunkte. Von der Überwachung leichter Fälle zu Hause bis hin zu einer auf die individuellen Umstände zugeschnittenen Betreuung von Patienten nach der Entlassung aus dem Krankenhaus für beide möglichen Ausgänge der COVID-19-Erkrankung. Hinzu kommen Verbesserungen bei der Ermittlung von Kontaktpersonen sowie eine systematischere, auf technologischen Lösungen basierende Überwachung des ohnehin schon sehr begrenzten Arbeitskräftepotentials.

Es gibt auch eine weitere und oft vergessene Dimension. Die Überwachung bestehender nichtübertragbarer Krankheiten wurde als zentrale Aufgabe der Gesundheitssysteme weitgehend in den Hintergrund gedrängt. Der Fokus liegt nun voll und ganz auf der Bewältigung der Pandemie. Hier sind neue Lösungen erforderlich. Dieses Umfeld bietet ein beträchtliches Potenzial für den Einsatz von Technologie und digitalen Lösungen, um eine bessere Selbstversorgung zu ermöglichen.

Es ist daher sehr unwahrscheinlich, dass dies eine vorübergehende Phase ist. Die Welt der 2020er Jahre nach COVID-19 wird ganz anders aussehen als die Welt davor.

Einsatz von Technologie in großem Maßstab

Durch welche besonderen Eigenschaften werden sich bestimmte Geräte auszeichnen und von anderen abheben?

Ganz offensichtlich müssen sie ein konkretes Bedürfnis erfüllen und in Bezug auf Genauigkeit, Zuverlässigkeit, Sicherheit und Reproduzierbarkeit „gut genug“ sein, um in großem Maßstab eingesetzt werden zu können. Dies ist weitgehend selbstverständlich, aber fünf weitere, weniger offensichtlich erscheinende Aspekte im Hinblick auf ihre Bereitstellung sind gleichermaßen von Bedeutung.

  1. Sie müssen sich in eine Governance-Struktur einfügen, damit Klarheit darüber besteht, wer für die Überwachung zuständig ist und wer, falls erforderlich, handelt. Dies wurde in der Vergangenheit viel zu oft erst im Nachhinein berücksichtigt. Es ist sehr leicht, sich von aufregenden technologischen Erneuerungen verführen zu lassen und sie einfach deshalb einzuführen, weil dies möglich ist. Bei einem solchen Ansatz wird Überlegungen, ob die Technologie in klinische Workflows passt und welche Auswirkungen ihre Bereitstellung auf die Belegschaft hat, jedoch selten dieselbe Aufmerksamkeit geschenkt, die für andere Aspekte aufgebracht wird.
     
  2. Sie müssen in bestehende klinische Pfade und Abläufe eingebaut werden – die erfolgreichen Technologien werden diejenigen sein, die klinische Entscheidungen unterstützen und vorzugsweise direkt in elektronische Patientenakten integriert werden.
     
  3. Sie müssen maßgeschneidert sein. Im Idealfall müssen sie vorhandene Daten einbeziehen, um Daten bereitzustellen, die sowohl für den Einzelnen als auch das Beratungsgespräch relevant sind. In dieser Ära von präzisen gesundheitlichen und medizinischen Anwendungen befinden wir uns im Zeitalter von Metadvice.
     
  4. Sie müssen über offene APIs verfügen, um Interoperabilität zu gewährleisten. Sie müssen sich problemlos in eine elektronische Patientenakte integrieren lassen. Andernfalls ist es unwahrscheinlich, dass sie Teil des Systems werden können, in dem KI ihre Magie fließen lässt und die Erkenntnisse liefert, die wir zur Bewältigung nachfolgender Erkankungswellen so dringend benötigen.
     
  5. Sie müssen sicher sein. Cybersicherheit gewinnt im Zeitalter der Pandemien eine noch größere Bedeutung und steht stärker im Blickpunkt.

Die Zukunft für medizinische Technologie ist also rosig. Solange sie diesen Grundsätzen treu bleiben, werden Vorreiter, die ihnen schnell folgen, davon profitieren, dass Neuerungen schneller vom Mainstream angenommen und umgesetzt werden.

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Dies ist eine Übersetzung eines Artikels von Dr. Charles Alessi, erschienen auf der englischsprachigen Version von MobiHealthNews.

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