Digital unterstützt am Unfallort

NRW unterzeichnete am Tag des Notrufs Absichtserklärung für Telenotarzt-Ausbau im Rettungswesen

von
Anna
Engberg

Der flächendeckende Ausbau eines bereits erprobten Telenotarzt-Systems in Nordrhein-Westfalen ist beschlossen, hat das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Bundeslands in einer Pressemitteilung mitgeteilt.

Zu diesem Anlass traf sich der Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann am Europäischen Tag des Notrufs, dem 11. Februar 2020, in Düsseldorf mit Vertretern der Ärztekammern, Krankenkassen und Spitzenverbänden der Kommunen. Gemeinsam unterzeichneten sie eine Absichtserklärung zur Verbesserung der notfallmedizinischen Versorgung durch digitale Technologie.

DER HINTERGRUND

Die telemedizinische Begleitung von Rettungskräften wird bereits seit 2014 in einem Pioniermodell der nordrhein-westfälischen Kommune Aachen erprobt. Dabei können sich die Rettungssanitäter direkt am Unfallort per Live-Schaltung mit Ärzten in einer Telenotarzt-Zentrale verbinden und medizinische Expertise einholen, um Patienten an Ort und Stelle sicher, zeitnah und bestmöglich versorgen zu können. Gleichzeitig können durch die digitale ärztliche Konsultation auch Kosten im Notarztwesen eingespart werden, da der Notarzt nicht mehr in jedem Fall persönlich anwesend sein muss.

Bereits im Mai 2019 hatte der Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales nach über 15.000 erfolgreich telemedizinisch begleiteten Notfall-Einsätzen angekündigt, er wolle die Versorgungsform auf das gesamte Bundesland ausdehnen.

In der Absichtserklärung hielten die Unterzeichner nun fest, wie die Ausdehnung des Telenotarzt-Dienstes bedarfsgerecht und wirtschaftlich umgesetzt werden kann: so soll jeder Regierungsbezirk bis Ende 2022 mindestens einen Telenotarzt-Standort erhalten, mit dem sich die lokalen Rettungsdienste verbinden können.

In Zusammenarbeit mit der Universität Maastricht werden jetzt Kriterien für die Bedarfserhebung und die Potentialanalyse erarbeitet, um zusätzliche Standorte und Trägergemeinschaften zu bestimmen. Der Ausbau wird über die Träger der Rettungsdienste refinanziert.

WAS GESAGT WURDE

„Ich freue mich sehr, dass wir den Weg für die weitere Umsetzung geebnet haben. Das System ist eines der herausragenden Projekte in der Digitalisierungsstrategie im Gesundheitswesen des Landes. In Aachen zeigt man uns tagtäglich, dass der Telenotarzt die bereits vorhandenen Strukturen des Rettungswesens exzellent ergänzt und darüber hinaus die notfallmedizinische Versorgung optimiert“, sagte der Gesundheitsminister Laumann anlässlich der Absichtserklärung.

„Gerade in Situationen, in denen die physische Anwesenheit eines Notarztes in der täglichen Notfallversorgung nicht gelingt oder möglich ist, bildet der Telenotarzt eine sinnvolle und zeitgemäße Ergänzung. Er nimmt die Belange der Bürgerinnen und Bürger Nordrhein-Westfalens in den Blick und trägt dazu bei, dass die Betreffenden von den digitalen Chancen konkret profitieren“, begrüßte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der AOK Rheinland/Hamburg Rolf Buchwitz als Vertreter der NRW-Krankenkassenverbände die Planungen zur landesweiten Implementierung des Telenotarzt-Systems.

Der Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe Dr. Hans-Albert Gehle betonte: „Vor dem Hintergrund des Ärztemangels insbesondere im ländlichen Raum sowie der Diskussion um neue Krankenhausstrukturen wird sich auch das Rettungswesen anpassen müssen, denn die Wege vom Einsatzort zur ärztlichen Versorgung könnten länger werden. Der Telenotarzt kann hier Versorgungslücken schließen und die Patienten gezielter den jeweiligen stationären oder ambulanten Versorgungsstrukturen zuführen. Mit dem Telenotarzt ist ärztliche Kompetenz im Rettungsfall schneller als bisher verfügbar und er gewährleistet die ärztliche Unterstützung des Rettungspersonals bereits vor Ort.“

GUT ZU WISSEN

Derzeit existiert in der Kommune Aachen eine Leitstelle mit Telenotarzt-System, welches eine 24-stündige Betreuung an 365 Tagen im Jahr gewährleistet. Nach Schätzungen der Universität Maastricht werden voraussichtlich insgesamt 12 bis 16 Telenotarzt-Systeme in Nordrhein-Westfalen eingerichtet werden.

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