Digitale Arztbesuche für die Schweizer

App macht Arztberatung via Telefon und Video für alle zugänglich

von
Anna
Engberg

Der bereits seit 20 Jahren in der Schweiz etablierte Telemedizin-Anbieter Medgate hat mitgeteilt, dass seine angebotenen Telekonsultationen ab jetzt für alle Schweizer Versicherten kostenfrei nutzbar sind.

Die ärztlichen Leistungen via Telefon oder Video werden von den Schweizer Krankenversicherer nun flächendeckend übernommen und über den Tarmed-Tarif regulär abgerechnet.

DER HINTERGRUND

Telemedizin ist einer der großen Entwicklungstrends der digitalen Gesundheitsbranche, wie die European eHealth Survey 2019 im November zeigte. So auch in der Schweiz: Um sich unnötige oder anstrengende Arztbesuche oder das Aufsuchen einer Notfallstation zu ersparen, können sich Schweizer Patienten über die Medgate App via Telekonsultation per Smartphone untersuchen und beraten lassen.

Dieser ärztliche Service, der jetzt für alle in der Schweiz krankenversicherten Bürger kostenfrei nutzbar ist, steht diesen das ganze Jahr hinweg ohne Unterbrechung zur Verfügung. Das Angebot werde vor allem nach Feierabend sowie am Wochenende gern genutzt, heißt es beim Anbieter.

Der Zugang erfolgt über die Medgate App, über welche die Betroffenen ihre Symptome eingeben. Unterstützt durch KI erfolgt eine erste Diagnose, die angibt, ob eine telefonische Beratung ausreicht oder der Besuch einer Arztpraxis notwendig ist. Anschließend kann ein Online-Termin bei einem der Medgate Ärzte gebucht werden.

Die Allgemeinmediziner und Fachärzte bei Medgate sind speziell für die telemedizinische Beratung geschult. Und genau wie bei einem regulären Arzt können die Telemediziner den Patienten Medikamente verschreiben, eine Verordnung oder ein Arztzeugnis ausstellen oder diese zum Spezialisten überweisen.

Nach der digitalen Beratung wird der persönliche Behandlungsplan nebst Empfehlungen in die App des Patienten übernommen. Über den Tarmed-Tarif rechnen die Schweizer Telemediziner die telemedizinische Beratung dann analog zu einem regulären Arztbesuch ab.

WAS GESAGT WURDE

„Es ist eine Kunst am Telefon zu untersuchen und Verdachtsdiagnosen zu stellen“, sagte Dr. Timo Rimmer, der als Arzt am Medgate Telearztzentrum beschäftigt ist, in der Sendung checkup – Das Gesundheitsmagazin: „Letztendlich geht es darum, die richtigen Fragen zur richtigen Symptomatik zu stellen und, soweit es geht, Diagnostik miteinzubeziehen: das kann eine Temperaturmessung, eine Blutdruckmessung oder auch einmal ein Foto von einem Hautausschlag sein“, erklärte er.

Etwa die Hälfte der Fälle müsse im Schnitt an einen Facharzt weiter überwiesen werden, so das Fazit des Arztes. Dafür verfüge der Telemedizin-Anbieter über ein breites Partnernetzwerk.

GUT ZU WISSEN

Die Medgate AG wurde 1999 in Basel gegründet und gilt als Pionier für telemedizinische Services. Bereits 2015 beschäftigte das Unternehmen über 80 Ärzte und hatte rund 4,5 Mio. Konsultationen durchgeführt. Heute beschäftigt Medgate über 300 Mitarbeiter, davon über 100 Ärzte.

Mit der Medgate Tele Clinic in der Schweiz betreibt das Unternehmen das derzeit größte telemedizinische Zentrum Europas und ist überdies in Indien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und auf den Philippinen aktiv. In der Schweiz existiert mit der Medgate Mini Clinic zudem ein Arztzentrum für Konsultationen vor Ort.

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