Luzerner Kantonsspital ist digitaler Vorreiter der Radiologie in der Schweiz

Befundungen radiologischer Aufnahmen aus der Ferne, nachts und am Wochenende, sind mittlerweile alltäglich, nicht aber deren Akquise. Das Luzerner Kantonsspital ist das erste Spital in der Schweiz, das diesen innovativen Weg eingeschlagen hat.

Das Luzerner Kantonsspital (LUKS) ist ein akademisches Lehrkrankenhaus und das grösste nicht-universitäre Spital der Schweiz. Mit drei Standorten in Luzern, Sursee und Wolhusen steht vernetztes Arbeiten am LUKS auf der Tagesordnung. Als ein Vorreiter der digitalen Transformation auf dem schweizerischen Gesundheitsmarkt verfügt es über eine eigene stringente Digitalisierungsstrategie. Noch in diesem Jahr wird zum Beispiel ein allumfassendes neues Klinikinformationssystem, LUKiS (EPIC®), mit jeweils einem Portal für Patienten und Zuweiser, in Betrieb genommen.

LUKS betreibt grösstes Radiologienetzwerk der Schweiz

Das Institut für Radiologie und Nuklearmedizin am LUKS verfolgt Initiativen, um die Arbeitsprozesse mit Hilfe von Technologie zu optimieren. Es besteht aus sieben, voll ausgerüsteten radiologischen Einrichtungen, von denen drei sich in angrenzenden Kantonen befinden. Jährlich führen die 140 Mitarbeiter über alle Standorte hinweg 220.000 Untersuchungen durch, womit es zum grössten Radiologienetzwerk der Schweiz avancierte.

Vor eineinhalb Jahren hat PD Dr. Justus E. Roos, Leiter des Instituts für Radiologie und Nuklearmedizin am LUKS, die Teleradiologielösung in wissenschaftlicher Kooperation mit Siemens Healthineers um die Möglichkeit des Telescannings erweitert. Hierbei erlaubt ein virtuelles Cockpit (Syngo Virtual Cockpit ®), dass ein Experte die Steuerung der Untersuchung via einer Remote-Verbindung an einem peripheren Ort anleitet und steuert. Dadurch können z. B. aus der Ferne die Untersuchungsparameter live angepasst, die Positionierung des Patienten überprüft und die Untersuchung als solche durchgeführt werden. Die Software Syngo Virtual Cockpit® erlaubt es, bis zu drei Scanner an unterschiedlichen Lokalitäten gleichzeitig zu unterstützen. 

Siemens Healthineers, Hersteller der Lösung, hat Roos bei der Produktentwicklung Spielraum eingeräumt: „Wir konnten uns in die Gestaltung der Funktionalitäten einbringen und beispielsweise die grafische Benutzeroberfläche mitbestimmen“, erläutert er. 

Teleradiologie – „fast wie vor Ort ...“

Solche teleradiologischen Untersuchungen werden am LUKS hauptsächlich zum Transfer von Fachexpertise genutzt, insbesondere zur Durchführung von Herz CTs. Roos schildert: „Wir sind weltweit das erste Mal in der Lage, ein Herz-CT von einem Spezialisten innerhalb des gesamten Netzwerks anzuleiten und fernzusteuern, ohne dass dieser herumreisen muss. Mithilfe der Audioverbindung und Videoübertragung in Echtzeit ist man "virtuell" fast wie vor Ort.“ Und er merkt noch an: „Ein schöner Nebeneffekt ist das Training. Das Personal wird geschulter und die Ausführung der Untersuchungen werden innerhalb des Netzwerks standardisiert; dadurch wird auch die Diagnostik präziser.“

Win-win für alle Beteiligten

Als Roos vor vier Jahren die Leitung des Instituts in Luzern übernahm, hatte er zuvor fast 10 Jahre in den USA an zwei der führenden medizinischen Universitätskliniken gearbeitet, Stanford University Medical Center und Duke University Medical Center. Dort hat er gelernt, den praktischen Nutzen der Digitalisierung wertzuschätzen, sodass er diese auch am radiologischen Institut des LUKS weiter voranbringen möchte.
„Diese Lösung macht für uns aus operativer und ökonomischer Sicht Sinn,“ erläutert Roos deren Einführung. Denn mit ihr kann das Institut effizienter arbeiten, z. B. die Durchlaufzeiten erhöhen und so den steigenden Kosten begegnen. Ausserdem müssen die Experten nicht mehr von einem Standort zum anderen reisen und die Scanner-Flotte kann besser genutzt werden.

„Die Mitarbeiter haben die Lösung gut aufgenommen“, findet Roos. Und er selber? „Jede Lösung, die mich effizienter und effektiver macht, ist mir sehr willkommen. Erst recht, wenn auch ein Mehrwert für den Patienten besteht“, betont Roos. Und der Nutzen für die Patienten liegt auf der Hand: Sie können vor Ort bleiben und müssen nicht mehr zu einem dezidierten Standort im Netzwerk reisen, um eine spezielle Untersuchung zu erhalten. 

Investition in die Zukunft

Die Einführung neuer Technologien ist meist mit Widerständen verbunden. Roos sieht dies aber als eine notwendige Investition in die Zukunft, denn der technologische Wandel macht auch vor der Medizin nicht halt. Er möchte ihn lieber mitgestalten, statt von ihm überrollt zu werden: „Meine Aufgabe ist nicht nur eine bestmögliche Versorgung der Patienten, sondern auch, dass meine Mitarbeiter ihre Stellen behalten können. Beides erfordert, dass ich mein Institut für die Zukunft aufstellen muss.“ 

Der nächste Schritt dorthin, verrät Roos, ist das Repertoire des Syngo Virtual Cockpits auf MR-Untersuchungen auszuweiten.

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