Digitales Krankenhaus: Der Patient im Mittelpunkt

Ein Rollenvorbild für deutsche Kliniken? Dr. Afzal Chaudhry, Director of Digital und CCIO am NHS Foundation Trust der Universitätskliniken Cambridge, berichtet über das eHospital Programm der Organisation und den Wert digitaler Reife.

In den letzten zehn Jahren haben wir uns darauf konzentriert, unseren Mitarbeitern an den Universitätskliniken Cambridge die Nutzung fortschrittlicher digitaler Technologie zu ermöglichen. Damit wollen wir die Patientensicherheit erhöhen und eine durchgängige und zunehmend qualitativ hochwertige Patientenversorgung unterstützen.

Nachdem wir bis dahin mit Patientenakten in Papierform und mehrfach veralteten IT-Systemen mit eingeschränkten Integrations- und Funktionsmöglichkeiten gearbeitet hatten, ist unser eHospital Digital Maturity-Programm 2010 aus dem Wunsch nach einer datengetriebenen klinischen Versorgung und verbesserter Sicherheit durch den Einsatz digitaler Technologie entstanden.

Nach der Genehmigung des Geschäftsmodells und externen Zusicherungen haben wir im Jahr 2013 eine einzigartige digitale Transformation des NHS eingeleitet. Diese umfasste ein vollständig integriertes elektronisches Patientenakten-System (EPR-System), das von unseren Krankenhausmitarbeitern für Krankenhausmitarbeiter entwickelt wurde in Kombination mit einer vertrauenswürdigen Aktualisierung unseres gesamten Computer- und IT-Service-Supports.

Investitionen in unsere Mitarbeiter waren von Anfang an unerlässlich. Über 100 Krankenhausmitarbeiter mit unterschiedlichen Fähigkeiten und Fachkenntnissen - Kliniker, klinisches Hilfspersonal, Administratoren, Betriebs-, Management- und Analysepersonal - stießen 2013 zum eHospital-Programmteam und konfigurierten das Epic Foundation System für das Vereinigte Königreich. Die jüngsten Epic Implementierungen aus dem Jahr 2019 im Great Ormond Street Hospital und im University College London Hospital basieren auf dieser Plattform der UK Foundation, ebenso wie das Vorhaben des Royal Devon & Exeter, das jetzt im Sommer 2020 ansteht.

Eine digitale Revolution

Seit der Umsetzung unserer elektronischen Patientenakte im Oktober 2014 in unseren beiden Krankenhäusern Addenbrooke's und The Rosie hat sich die versorgende Patientenbetreuung grundlegend verändert. Ärzte haben Zugriff auf umfassende elektronische Gesundheitsakten für ihre Patienten an einem Ort auf Knopfdruck, sodass sie alle klinischen Informationen in Echtzeit angezeigt bekommen und dokumentieren können, wann und wo immer sie benötigt werden. Dies hat die Verwendung von Patientenakten in Papierform in unseren Krankenhäusern um 99 Prozent reduziert.

Zum Zeitpunkt der Umsetzung haben wir über 800 integrierte Handheld- und Mobilgeräte eingeführt, mit denen Ärzte die Versorgung in Echtzeit und am Krankenbett dokumentieren können. Darüber hinaus haben wir alle physiologischen Monitore und Beatmungsgeräte in 40 Räumen und 148 Betten in der Intensivpflege und -versorgung mit unserer EPA verbunden, um den Datenfluss von Medizinprodukten direkt in die Patientenakten zu automatisieren.

Unabhängig davon, auf welchem Weg ein Patient in eines unserer Krankenhäuser kommt - ambulant, über unsere Notaufnahme oder durch stationäre Aufnahme -, kann das Team, das sich um ihn kümmert, seine Krankenakte vollständig im System einsehen. Sie alle haben Zugang zu denselben Informationen über den Patienten, was für eine rechtzeitige und durchgängige Versorgungskette und die Sicherheit von entscheidender Bedeutung ist.

Weitere Unterstützung im gesamten NHS

Zunehmende digitale Reife verbessert die Sicherheit, Versorgung und Erfahrung der Patienten und trägt dazu bei, unnötige Wiederholungen von Tests und Verzögerungen bei Versorgung und Behandlungen zu vermeiden. Innerhalb eines Jahres nach der EPA-Umsetzung haben wir uns von einem HIMSS EMRAM-Rating der Stufe 1 auf Stufe 6 verbessert. Beim digitaler Reife geht es jedoch nicht nur um die implementierte Technologie. Für uns spiegelte dieser Erfolg unsere digitale und klinische Zusammenarbeit wider, um der Versorgung von Patienten durch die Einführung unterstützender digitaler Technologien tiefgreifende Vorteile zu verschaffen.

Seit wir EMRAM Stufe 6 im Oktober 2015 erreicht haben, konzentrieren wir uns darauf, kontinuierlich Verbesserungen in der Versorgung zu erzielen, indem wir uns noch weiter um digitale Reife bemühen.

Zum Beispiel wurde 2015/16 bei der Überprüfung unserer Daten zur systemischen Sepsis deutlich, dass es Möglichkeiten für eine echte Verbesserung gibt. Die Arbeit mit unseren Akutmedizinern begann in Zusammenarbeit mit unserem Team für Infektionskrankheiten und unserem hauseigenen eHospital Digital Team und zielte darauf ab, wie wir einen Workflow aufbauen könnten, der unsere Kliniker wirklich unterstützt. Hier wurden Technologien eingesetzt, um Patienten mit Sepsis schnell zu identifizieren und sicherzustellen, dass ihre Behandlung und Gesundheitsresultate optimiert werden konnten.

Es ist bekannt, dass mit jeder Stunde Zeitverzögerung der Antibiotika-Gabe bei Patienten mit Sepsis das Sterberisiko um 7 bis 8 Prozent steigt. Wir haben unseren klinischen Workflow angepasst und unsere EPA neu konfiguriert, um innovative Sepsis-Warn- und Aktionsfunktionen zu integrieren und anschließend das Personal in deren Verwendung geschult. Seit der Einführung dieser hausintern konfigurierten Funktionalität ist die Zahl der Patienten, die innerhalb von einer Stunde nach ihrer Ankunft in unserer Notaufnahme Antibiotika gegen Sepsis erhalten um 70 Prozent und die Zahl der stationären Patienten, die innerhalb von einer Stunde nach Auslösung des Alarms im System Antibiotika erhalten um 50 Prozent gestiegen. Dies hat im vergangenen Jahr zu mindestens 64 geretteten Menschenleben und einer Verringerung der Sepsis-Mortalität um 42 Prozent in unseren beiden Krankenhäusern geführt.

Durch weiteres klinisches und digitales Engagement und Zusammenarbeit untersuchten, entwickelten und setzten wir geregelte Abläufe für die Medikamentenverwaltung auf allen 51 Stationen, in fünf Bereichen der Intensivpflege und in der Notaufnahme um. Das Personal kann nach "Sicherheit scannen", um sicherzustellen, dass die richtigen Medikamente und die richtigen Dosierungen dem richtigen Patienten jedes Mal auf die richtige Weise verabreicht werden. Seitdem haben wir die Verabreichung von Muttermilch in geschlossenen Kreisläufen in den Bereichen Entbindung, Pädiatrie und Neonatologie eingeführt.

Diese Bemühungen haben unter anderem zu einer nationalen und internationalen Anerkennung geführt - einschließlich der Validierung des strengeren HIMSS EMRAM Stufe 6-Standards im Oktober 2018 - für die Zusammenarbeit in unseren Krankenhäusern bei der Annahme und Übernahme neuer Technologien und Fähigkeiten, um Patienten kontinuierlich in den Mittelpunkt unserer digitalen Krankenhäusern zu stellen.

Vor kurzem haben wir unsere eHospital Digital Journey veröffentlicht, um weiterführende Arbeiten zur digitalen Reife, die im gesamten NHS durchgeführt werden, zu unterstützen.


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Dies ist eine Übersetzung eines Artikels von Dr. Afzal Chaudhry, erschienen auf der englischsprachigen Version von Healthcare IT News.

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