Digitalisierung entfaltet grösseren Nutzen nur durch einen ganzheitlichen Ansatz

Im Vorfeld des Swiss eHealth Summits 2019 sprach Healthcare IT News mit Markus Sager, CEO Swisscom Health AG, über die Digitalisierung des Schweizer Gesundheitswesens. Als ganz wesentlich sieht er hierbei die Schaffung einer gemeinsamen Plattform, auf der sämtliche digitale Lösungen für alle einfach zugänglich sind.

Worin sehen Sie die grössten Herausforderungen des Schweizer Gesundheitswesens in den kommenden Jahren?

Sager: Die digitale Transformation ist im vollen Gang – mit vielen neuen Möglichkeiten, aber auch mit den dazugehörigen Geburtswehen und Unsicherheiten. Mir scheint, dass die Gesundheitseinrichtungen und auch die Technologieanbieter teils noch zu sehr mit den einzelnen Use Cases beschäftigt sind und noch nicht im grossen Ganzen Lösungen anbieten können. Ich bin überzeugt, dass wir die verschiedenen digitalen Lösungen im Gesundheitswesen auf eine gemeinsame Basis, eine Plattform, bringen müssen, auf der sie für alle einfach zugänglich sind. Nur mit einem ganzheitlichen und durchgängigen Ansatz entfaltet die Digitalisierung ihren vielfältigen Nutzen.

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Welche Vision haben Sie bezüglich der zukünftigen Ausrichtung der Swisscom Health AG?

Sager: Eine zeitgemässe und effiziente Kollaboration, wie wir sie in anderen Lebensbereichen gewohnt sind, muss auch im Gesundheitswesen zum Alltag werden. Vieles ist dabei nicht mehr Zukunftsmusik, sondern heute schon Realität. Wir sehen es als unsere Aufgabe, die digitalen Werkzeuge für Ärzte, Therapeuten, Spitäler und Patienten weiterzuentwickeln und sie vor allem auch zusammenwachsen zu lassen. Wir müssen die Bedienung der Tools einfach machen und mit ihnen einen klaren Nutzen bieten. Ob Arzt, Pflegefachperson oder Bürgerin: Sie alle wollen sich einmalig einloggen und dann einfach und sicher von attraktiven digitalen Services profitieren. An dieser Welt bauen wir bei Swisscom Health.

Das Elektronische Patientendossier (EPD) wird im April 2020 in der Schweiz eingeführt werden. Welche Verbesserungen in der Gesundheitsversorgung werden dadurch möglich?

Sager: Das EPD ermöglicht den Behandelnden einen raschen und sicheren Zugriff auf relevante Gesundheitsinformationen zu einem Patienten. Die Behandlungsqualität und die Patientensicherheit können dadurch erhöht werden. So lassen sich unnötige oder doppelte Behandlungen vermeiden und die Sicherheit einer Diagnose und Therapie erhöhen.

Das EPD bedeutet zudem einen Paradigmenwechsel. Wir Bürgerinnen und Bürger erhalten die Hoheit über unsere Gesundheitsdaten. Das rückt uns stärker als je zuvor ins Zentrum der medizinischen Behandlung. Wir erhalten die Gelegenheit, uns besser über unsere Gesundheit zu informieren, uns eine Meinung zu bilden und uns aktiv einzubringen.

Die Swisscom wird in 13 Kantonen die Technologie zur Einführung des EPD liefern. In was genau besteht der Beitrag Ihres Unternehmens und wie ist der aktuelle Entwicklungsstand?

Sager: Wir bauen die EPD-Infrastruktur für die XAD-Stammgemeinschaft beziehungsweise deren Betreibergesellschaft Axsana auf und damit für mehr als die Hälfte der Leistungserbringer und der Bevölkerung in 13 Kantonen. Die Arbeiten laufen auf Hochtouren. Unsere IT-Experten konzipieren, entwickeln und testen Komponenten, die ab April 2020 im Einsatz stehen werden. Parallel zur Entwicklung der EPD-Plattform muss auch die Anbindung der Spitäler und Kliniken an diese Infrastruktur erfolgen (die Heime folgen bis 2022). Auch hier ist ein speziell ausgebildetes Team intensiv im Einsatz. Und natürlich entwickeln wir unsere Praxissoftware so weiter, dass eine Teilnahme am EPD auch für ambulant tätige Ärzte einfach wird.

Welche Chancen ergeben sich durch die Einführung des 5G-Netzes für das Schweizer Gesundheitswesen?

Sager: Die 5G-Technologie erlaubt durch die bedeutend höheren Geschwindigkeiten und Kapazitäten im Mobilfunknetz auch neue Möglichkeiten im Gesundheitswesen. Denken wir zum Beispiel an Internet-of-Things-Anwendungen beim Telemonitoring in der Pflege oder während der Rekonvaleszenz. Ein implantiertes kardiologisches Gerät oder ein Blutdruckmessgerät können dank 5G-Vernetzung Daten ohne Verzögerung an die Systeme von Gesundheitsfachpersonen senden. Diese wiederum können rasch reagieren, wenn das aufgrund der gemessenen Werte angezeigt ist. Das erhöht die Behandlungsqualität und kann Komplikationen und Notfallbehandlungen vermeiden.

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Die Swisscom Health AG ist Industry Partner des Swiss eHealth Summit 2019.

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