„Ein Individuum auch als Individuum therapieren“

Der Begriff der personalisierten Medizin ist in aller Munde. Auf dem Swiss eHealth Summit 2019 in Bern umriss Matthew Prime, Medical Director Roche Diagnostics Information Solutions, das Potenzial der personalisierten Medizin und stellte konkrete Anwendungsbeispiele vor, in denen sich Roche Diagnostics einbringt.

Herkömmlicherweise wird Patienten, die unter der gleichen Krankheit leiden, die gleiche Medizin verordnet. Das stellt Ärzte vor die Frage, warum Medikamente bei einigen Patienten erfolgreich wirken, aber bei anderen wenig bis keine Wirkung zeigen. Wissenschaftler haben in den vergangenen Jahren begonnen, Krankheiten auf molekularer Ebene zu betrachten. So ist Krebs keine einzelne, statische Krankheit, sondern das Ergebnis unzähliger genetischer Mutationen. Bisher wurden 250 bis 300 Typen und Subtypen identifiziert.

 „Genau hier setzt die personalisierte Medizin an. Sie fokussiert sich auf das individuelle Profil eines Patienten, sowohl im gesunden Zustand als auch während einer Erkrankung“, erläuterte Dr. Prime. Basierend auf einer präzisen Analyse der Krankheitsmechanismen sowie einer ganzheitlichen Diagnostik ermöglicht die personalisierte Medizin, Patienten eine Therapie anzubieten, die auf die Bedürfnisse eines Einzelnen oder zumindest einer kleinen Gruppe von Patienten abgestimmt ist. Dadurch können Ärzte Therapien gezielter einsetzen, mehr Behandlungserfolge erzielen, eine höhere Lebensqualität der Patienten erreichen und Ressourcen effizienter einsetzen.

Höhere Lebensqualität durch personalisierte Medizin

Bereits heute existiert eine nie da gewesene Fülle medizinischer Daten aus verschiedensten Quellen, die beispielsweise aus elektronischen Patientendossiers, innovativen Bildgebungsverfahren, diagnostischen Tests oder klinischen Studien stammen. Sie erlauben es, ein viel klareres Bild eines Patienten, seiner Krankheit sowie des gesamten Patientenpfades zu gewinnen.

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Diese Entwicklung könne man mit dem Übergang von einer grobkörnigen Aufnahme zu einer hochauflösenden Fotografie vergleichen, illustrierte Dr. Prime: „Der Patient kann mittels vieler medizinischer Datenpunkte klarer gesehen und verstanden werden, als dies bis dato möglich war. Dadurch kann ein Individuum auch als Individuum therapiert werden“.

In der personalisierten Medizin heisst das: Die Expertise des medizinischen Fachpersonals wird durch digitale Lösungen für die Datengenerierung und -auswertung komplementär ergänzt.

Konkret entwickelt der Pharma- und Diagnostik-Spezialist dafür digitale Lösungen, um die stetig anwachsende medizinische Datenflut zu strukturieren, zu analysieren und Erkenntnisse für die optimale Therapie zu generieren. Dabei kommt dem Unternehmen bei der Datenanalyse seine jahrzehntelange Erfahrung im Umgang mit sensiblen Patientendaten im Rahmen klinischer Studien zu Gute.

Biomarker – ein Beitrag zur Entwicklung der personalisierten Medizin

Roche ist bereits seit langer Zeit auf Geschäftsfeldern aktiv, die zentral für die Weiterentwicklung der personalisierten Medizin sind. Seit Jahrzehnten ist der Konzern bestrebt, die dazu notwendigen Kompetenzen zu erwerben, auszubauen und integrativ zu nutzen. Diese Strategie hat Roche von einem forschenden Pharmaunternehmen zu einem führenden Akteur in der personalisierten Medizin gemacht. Mit Expertise in Pharma, Diagnostik und Health-IT ist Roche Pionier und Innovator zugleich. 

So arbeitet Roche an der Entwicklung diagnostischer Verfahren, die den Nachweis bestimmter Biomarker ermöglichen, welche für die personalisierte Therapie unabdingbar sind. Biomarker ermöglichen es, Patienten, die mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer bestimmten Behandlung profitieren, schnell und zuverlässig mittels diagnostischer Tests zu charakterisieren. 

Einige solcher Tests stehen bereits für die Routine-Diagnostik zur Verfügung. Sogenannte Companion Diagnostics versetzen Ärzte zum Beispiel in die Lage, die einer bestimmten Krebsart zu Grunde liegende DNA-Veränderung zu identifizieren und Patienten gezielt mit solchen Therapien zu behandeln, die den grössten Behandlungserfolg versprechen.

Integrierte Diagnostik für Krebspatienten

Die komplementären Disziplinen, die von Roche abgedeckt werden, erlauben wirkungsvolle Synergien entlang der Patient Journey: So kann ein Pathologe die entnommene Tumorgewebeprobe eines Krebspatienten mit Hilfe des Tissue Diagnostics Portfolios untersuchen und sein Vorgehen hierbei beispielsweise durch Workflow-Lösungen der Digitalen Pathologie verbessern. Das sei nur der Anfang, kündigte Dr. Prime an.

Das Comprehensive Genomic Profiling (CGP) von Foundation Medicine in Kombination mit AVENIO ermöglicht die Identifikation von DNA-Mutationen und den Abgleich mit bekannten charakterisierten Tumor-relevanten Genen. Hierbei kann mit der sogenannten Flüssigbiopsie gearbeitet werden - einem minimalinvasiven Verfahren. Aus den diagnostischen Testergebnissen kann abgeleitet werden, ob und wie ein Tumor auf eine Therapie anschlägt und der behandelnde Arzt kann die Behandlung entsprechend anpassen. Schliesslich können die erhaltenen medizinischen Rohdaten im NAVIFY Mutation Profiler interpretiert und, unterstützt durch die NAVIFY Tumor Board Solution, klinische Entscheidungen getroffen werden. Das so entstehende spezifische Bild eines Tumors kann sich positiv auf die Therapie, die Lebensqualität des Patienten und die Prognose auswirken.

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