"Ein zweigleisiger EPD-Onboarding Prozess ist nicht im Sinne des Patienten"

Im Rahmen der anstehenden Einführung des elektronisches Patientendossiers (EPD) in der Schweiz wird viel über die technischen Voraussetzungen dafür und die laufenden Vorbereitungen der Spitäler gesprochen. Wie aber verhält es sich mit dem Patienten? Im Vorfeld des Swiss eHealth Summits 2019 sprach Healthcare IT News mit zwei Vertretern der ELCA AG, Christophe Gerber [CG], Head of Defense & CyberSecurity und Ralf Klappert [RK], Head of Division - Health and Insurance, darüber, wie Bürger in der Schweiz ein EPD eröffnen können.

Was sind die Voraussetzungen für einen Bürger, ein EPD eröffnen zu können?

RK: Gemäss dem im April 2017 in Kraft getretenen Bundesgesetz über das elektronische Patientendossier (EPDG), müssen ab dem 15. April 2020 alle Akutspitäler, psychiatrischen sowie Reha-Kliniken in der Schweiz elektronische Patientendossiers anbieten. Altersheime und Geburtshäuser folgen ab 2022. Für Patienten jedoch besteht keine Pflicht ein EPD anzulegen, das ist freiwillig.

Damit man ein EPD eröffnen kann, muss man nebst einem Wohnsitz in der Schweiz über eine AHV-Nummer sowie eine im Sinne des EPDG zertifizierte elektronisch Identität (eID) verfügen.

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Wie wird das Onboarding eines Patienten vonstatten gehen?

RK: Nun, da die Einführung des EPD näher rückt, werden bald Kampagnen anlaufen, Bürger zur Eröffnung ihres EPDs einzuladen. Dabei kann jeder wählen, bei welcher Stammgemeinschaft er oder sie ein EPD eröffnen möchte. Momentan ist das Anlegen eines EPD aber noch nicht möglich, da es noch keine gemäss EPDG zertifizierten (Stamm)Gemeinschaften gibt.

CG: Sobald diese zertifiziert sind, liegt die grösste Hürde beim Onboarding im Nachweis einer eID. Viele Stammgemeinschaften gehen davon aus, dass ein Patient bereits eine eID besitzt, dem ist aber nicht so. Es wird zukünftig möglich sein, sich an bestimmten Orten eine eID ausstellen zu lassen: das sind u. a. Spitäler, Apotheken, Gemeindeverwaltungen oder auch spezielle Onboarding Büros. Es wird auch möglich sein, dies per Video-Identifikationsverfahren zu erledigen.

Inwiefern handelt es sich bei einem Patienten im Zusammenhang mit dem Onboarding um einen ‘vergessenen Akteur’?

RK: Um ein EPD einzurichten, muss ein Patient schlimmstenfalls zwei Behördengänge vornehmen, da er, bevor er das eigentliche EPD eröffnen kann, ja noch eine eID anfordern muss. Dies macht den Onboarding Prozess zweigleisig und ist nicht im Sinne des Patienten. Je höher die Hemmschwelle ein EPD anzulegen, desto unwahrscheinlicher ist es, dass er ein Dossier eröffnen wird. Im Zeitalter von iPhones müssen Prozesse einfach und benutzerfreundlich sein.

Der Lösungsansatz von ELCA, den wir auch den Stammgemeinschaften anbieten, ist, dies sozusagen alles in einem Rutsch zu absolvieren. Das ist möglich, denn jede Stammgemeinschaft kann das Prozedere selbst definieren. Es gibt bisher zumindest eine Stammgemeinschaft (Abilis), die es Bürgern erlaubt, gleichzeitig eine eID und ein EPD anzulegen.

Christophe Gerber [CG], Head of Defense & CyberSecurity, ELCA

Wie unterscheidet sich die Lösung von ELCA von anderen?

RK: Unsere Lösung trustID wurde von Grund auf für die Schweizer Anforderungen als Opensource Lösung entwickelt. Dies ist speziell für die Anforderungen und konkreten Bedürfnisse des EPD von grossem Vorteil. Um die Patientendaten sicher zu verwalten, wird trustID in der Schweiz gehostet und auch der Support lokal sichergestellt. Gegenüber Konkurrenzlösungen verfügt ELCA ebenfalls über vollumfängliche Multimandatenfähigkeit und kann auf über 15 Jahre Erfahrung in Entwicklung und Design von Identity Management Lösungen zurückgreifen. Wir legen grossen Wert auf Benutzerfreundlichkeit, die durch unsere eigene UX-Design Abteilung gewährt wird. TrustID ist die erste zertifizierte eID in der Schweiz für Patienten und Gesundheitsfachpersonen und wird in den nächsten Wochen verfügbar sein.

Gibt es schon Erfahrungen in der Schweiz mit dem Patienten-Onboarding bei einem EPD?

RK: Bisher ist der Kanton Genf der einzige, der ein EPD eingeführt hat. Seit 2013 wird dort die von der Schweizer Post entwickelte EPD-Lösung eingesetzt. Gegenwärtig gibt es circa 40.000 Patientenakten, in denen mehr als 3 Millionen Dokumente gespeichert sind. Das Onboarding findet meistens im Genfer Universitätsspital, HUG, statt, da dort 90 Prozent aller stationären Patienten behandelt werden. Mehr wollen wir an dieser Stelle nicht verraten, denn wir werden darüber auch bei unserem Vortrag auf dem Swiss eHealth Summit am 12. September berichten.

Vielen Dank.

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Erfahren Sie mehr zum Thema "Der Patient – ein vergessener Akteur beim EPD?" auf dem Swiss eHealth Summit 2019 (12. September, 15:00 - 15:15 Uhr).

ELCA ist Presenting Partner des Swiss eHealth Summit 2019.

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