Elektronische Gesundheitskarte à la PKV

Das E-Health-Gesetz sieht die elektronische Gesundheitskarte als Schlüssel der Digitalisierung im GKBV Bereich. Die PKV hingegen setzt auf Apps. Als erste PKV hat nun die Deutsche Krankenversicherung ihre App gelauncht.

von
Cornelia
Wels-Maug

Das zum 1. Januar 2016 in Kraft getretene E-Health-Gesetz hat es sich zum Ziel gesetzt, die Digitalisierung im Gesundheitswesen voranzubringen, um die Qualität und Wirtschaftlichkeit der medizinischen Versorgung zu verbessern.

Elektronische Gesundheitskarte als Herzstück der Digitalisierungsstrategie der GKV

Ein Kernelement des Gesetzes ist ein Terminfahrplan mit Vorgaben, bis wann bestimmte Bereiche der digitalen Vernetzung umgesetzt sein sollen, konkret geht es dabei um das Stammdatenmanagement, Medizinische Notfalldaten, Medikationspläne, den elektronischen Arztbrief, die elektronische Patientenakte sowie das Interoperabilitätsverzeichnis.

Das Herzstück der Digitalisierung ist, dass Krankenhäuser und Arztpraxen ab Mitte 2018 flächendeckend mit einer Telematik Infrastruktur vernetzt sind. Für die gesetzlichen Krankenversicherer (GKV) fällt dabei der 2015 eingeführten elektronischen Gesundheitskarte eine Schlüsselfunktion in puncto Datennutzung und -management zu.

PKV treibt Digitalisierung per App voran

Wie aber gehen private Krankenversicherer (PKV) die Digitalisierung an? Der PKV-Verband sieht eine elektronische Plattform als adäquate Basis an, den Privatversicherten per App all jene Funktionalitäten anbieten zu können, welche das E-Health-Gesetz für die elektronische Gesundheitskarte vorsieht. Zu diesem Zwecke hat der PKV-Verband eine elektronische Plattform mit Schnittstellen definiert, die alle privaten Versicherer nutzen können. Entweder können diese den bestehenden Prototyp übernehmen, oder ihn um bestimmte Funktionalitäten und Angebote ergänzen. PKV-Vorsitzender Uwe Laue stellt diesbezüglich klar: „Die Branche arbeitet an einer modernen Alternative zur elektronischen Gesundheitskarte der GKV. Deren 2003 beschlossene Chipkarten-Technologie kann nicht der alleinige Weg in die Zukunft sein. Das wollen wir effizienter lösen. Mit einer App, die alle Kernfunktionen aus dem eHealth-Gesetz wie zum Beispiel Notfalldaten oder Impfpass natürlich erfüllt – aber noch viel mehr möglich macht. Über die allgemeinen eHealth-Funktionen hinaus werden die PKV-Unternehmen – im kreativen Wettbewerb untereinander – zusätzlich eine Fülle individueller Service-Funktionen für ihre Versicherten damit verbinden. Unser Modell ist vom Patienten her gedacht – und es beruht auf reiner Freiwilligkeit aller Beteiligten.“

Die Deutsche Krankenversicherung geht voran

Die Deutsche Krankenversicherung (DKV) ist Anfang Dezember 2017 als erste PKV mit einer mobilen Anwendung auf den Markt gekommen, die den Anforderungen des E-Health-Gesetzes genügt: Sie speichert Notfalldaten, Medikationspläne, Impfpässe, Arztbriefe, Labordaten und Untersuchungsbefunde. Dabei liegen die Daten zunächst ausschließlich verschlüsselt auf dem Smartphone des Kunden vor. Im Jahr 2018 sollen dann Versicherte in die Lage versetzt werden, Daten auch synchron auf mehreren Geräten nutzen zu können.  Dr. Clemens Muth, Vorstandsvorsitzende der DKV und zuständig im ERGO Group Vorstand für Life&Health betont: „Wir setzen auf dem Verbands-Modell auf, erweitern das Grundkonzept aber.” Er fügt hinzu, „diese App bietet, was Kunden im Zeitalter digitaler Möglichkeiten erwarten: Bequemes Management und die Unterstützung ihrer Gesundheitsversorgung über das Smartphone.“ Der Kunde entscheidet selbst, welche Daten er in die App einstellt.

Es ist zu erwarten, dass bald weitere PKV-Anbieter mit eigenen Apps auf den Markt kommen. Bei allen Varianten soll es später möglich werden, dass Ärzte, Kliniken oder andere Leistungserbringer ihre Daten gleich auf die App spielen können, sofern dies von Versicherten erwünscht wird. Auch hierfür arbeitet der PKV-Verband bereits an einem technischen Grundkonzept. Wann der Datenaustausch möglich wird, steht aber noch nicht fest. Dafür ist es wichtig, dass die Akteure im Gesundheitswesen mit kompatiblen Schnittstellen arbeiten, betont Muth. "Wir brauchen eine offene Infrastruktur."

Hospital Tour Thun: „Integrative Lösungen stehen im Vordergrund“

Exklusiv-Interview zum Swiss eHealth Summit: Dr. Oertle führt CIOs, CEOs und Ärzte durch das Schweizer Spital

Benutzerfreundlichkeit gefragt

Mehr Wahl für den Bürger in puncto Gesundheitsdaten

DMEA 2019

Als Plattform für den Austausch von Lösungen und Anwendungsfällen von gelebter Vernetzung im Gesundheitswesen.