EU-Aktionsplan gegen Krebs: Daten und Technologie kommt Schlüsselrolle zu, so EU-Chefin

Die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, hat am Weltkrebstag Gespräche zur Ausrichtung einer zukünftigen Strategie in Gang gebracht.

Schätzungen der Internationalen Agentur für Krebsforschung zufolge gab es 2018 weltweit 17 Millionen neue Krebsfälle. Innerhalb der nächsten zwei Jahrzehnte soll diese Zahl auf 27,5 Millionen steigen.

In der EU werden zwar jedes Jahr 3,5 Millionen Menschen diagnostiziert, aber das letzte Programm zur Prävention und Erkennung von Krebs „liegt 30 Jahre zurück", so die Präsidentin der Europäischen Kommission Ursula von der Leyen.

Am Weltkrebstag (4. Februar) kündigte von der Leyen die Einleitung einer öffentlichen Konsultation an, die dazu beitragen soll, Europas Plan zur Bekämpfung von Krebs zu gestalten, eine neue Strategie, die noch vor Ende des Jahres veröffentlicht werden soll.

„Für mich und für so viele von Ihnen ist das eine persönliche Angelegenheit. Wir alle haben unsere persönlichen Geschichten von Kampf, Schmerz und Belastbarkeit“, sagte die EU-Chefin diese Woche auf einer Konferenz in Brüssel.

„Ich habe das Wort Krebs zum ersten Mal gehört, als ich noch ein Teenager war. Ich war 13 Jahre alt, als meine kleine Schwester an einem Retikulosarkom starb. Sie war erst 11 Jahre alt. Und weder meine Familie noch die Ärzte konnten etwas tun, um sie zu retten“, erzählte sie. „Der Tod meiner kleinen Schwester hat mein Leben verändert. Ich denke, ich habe mich auch wegen ihres Todes entschlossen, Medizin zu studieren und Ärztin zu werden. Und wegen ihr, wegen meiner Mutter und wegen einem meiner Brüder ist mir der Kampf gegen Krebs so wichtig.“

WARUM DIES WICHTIG IST

Laut der Weltgesundheitsorganisation können zwischen 30 bis 50 Prozent aller Krebsfälle verhindert werden. Trotzdem werden jedoch nur etwa 3 Prozent der gesamten Ausgaben für das Gesundheitswesen in der EU für die Prävention ausgegeben, so ein im letzten Jahr veröffentlichter Bericht der Europäischen Kommission. In Malta, Griechenland und der Slowakei liegt diese Zahl bei unter 2 Prozent.

„Das erste Thema, das wir diskutieren müssen, ist die Prävention - denn Prävention ist das beste Heilmittel, das wir derzeit haben", sagte von der Leyen. „Viele Antworten müssen gefunden werden: Könnten wir in Betracht ziehen, uns Ziele für Investitionen in die Prävention zu stecken? Was ist mit der Entwicklung regionaler Netzwerke zur Krebsbehandlung durch qualitätsgesicherte Gesundheitseinrichtungen? Wir wissen, dass der Lebensstil einen großen Einfluss hat. Wie können wir also unseren eigenen Lebensstil ändern und diesen gesünder gestalten?“ fragte sie.

Der Einsatz der neuesten Technologien werde bei dieser Arbeit eine entscheidende Rolle spielen, fuhr die Leiterin der EU-Kommission fort.

„Technologie kann für Tausende von Menschen zum Lebensretter werden. Wir wissen zum Beispiel, dass der Einsatz künstlicher Intelligenz die Genauigkeit einer frühzeitigen Diagnose erheblich verbessern kann. Sie kann ein mächtiges Werkzeug sein, um falsche positive und negative Ergebnisse zu reduzieren.“

Das bedeutet aber auch, dass die EU den Datenaustausch verbessern muss.

„In den Daten, die wir haben, liegt eine unglaubliche Anzahl verpasster Gelegenheiten, nicht bekannter Verbesserungen, möglicher Korrekturen falscher Hypothesen - aber wir müssen diese Daten nutzen und sie mit anderen teilen. Wir richten jetzt einen gemeinsamen „Health Data Space“ ein, eine Infrastruktur, in der Wissenschaftler und Ärzte nicht nur klinische Daten und Forschungsdaten speichern, sondern auch auf Daten anderer Wissenschaftler zugreifen können.

„Wir brauchen eine Gesundheitsdaten-Infrastruktur sowie Technologien für künstliche Intelligenz, um die Verbindung zwischen Forschung, Diagnose und Pflege zu erleichtern."

DER GRÖSSERE TREND

Obwohl es zu diesem Zeitpunkt nur wenige Details gibt, wissen wir, dass von der Leyen Stella Kyriakides, die Kommissarin für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, im vergangenen Jahr mit der Schaffung eines europäischen „Health Data Space“ beauftragt hat.

Die Initiative soll laut Kommission „den Austausch von Gesundheitsdaten fördern und die Erforschung neuer Präventionsstrategien sowie Behandlungen, Medikamente, Medizinprodukte und Ergebnisse unterstützen“.

Von der Leyens Ambitionen wurde in der gesamten EU anerkannt, und alle Augen richten sich jetzt auf die kommenden Ankündigungen. Einige weisen allerdings auch auf die Zahl der EU-Länder hin, in denen Gesundheitsdienste immer papierbasiert ablaufen oder in denen veraltete Systeme verwendet werden, die nicht miteinander kommunizieren zu Lasten der Arbeitskräfte.

WAS GESAGT WURDE

„Krebs ist ein Bereich, in dem die EU-Bürger erwarten, dass wir entscheidende Maßnahmen ergreifen", sagte Kyriakides in einer Erklärung. „Der Erfolg des Plans [Europas gegen Krebs] hängt vom vollen Engagement der Bürger, Krebspatienten, Interessengruppen und Akteure auf europäischer, nationaler und lokaler Ebene ab. Ich lade alle ein, daran teilzunehmen und diesen Plan so ehrgeizig und so effizient wie möglich umzusetzen.“

Weitere Informationen zur neuen 12-wöchigen Konsultation, finden Sie hier.

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Dies ist eine Übersetzung eines Artikels von Leontina Postelnicu, erschienen auf der englischsprachigen Version von Healthcare IT News.

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