Wie Industrieunternehmen über die Entwicklung von Femtech denken

Frauen sind in der Gesundheitstechnologie bekanntermaßen unterrepräsentiert. Das wiederum kann sich nachteilig auf die gesamte Branche auswirken.

Die Vertretung der Geschlechter ist in diesem Jahr in allen Branchen ein heißes Thema. Insbesondere die NASA hat im März für Furore gesorgt – nicht auf eine positive Weise, nachdem sie den ersten Weltraumgang einer Frau wegen eines fehlenden Raumanzugs in der richtigen Größe für eine der beiden geplanten Astronautinnen abgebrochen hatte. Laut Statistiken waren nur 11 Prozent der 500 Menschen, die bereits im Weltraum waren, Frauen. Ihre Vertretung in der Raumfahrtindustrie ist jedoch nicht der einzige umstrittene Bereich. Frauen sind auch in der Gesundheitstechnologie notorisch unterrepräsentiert, was sich nachteilig auf die gesamte Branche auswirken kann.

Im Juni 2018 tat sich die Boston Consulting Group mit dem globalen Beschleuniger-Netzwerk MassChallenge zusammen, um herauszufinden, wie sich von Frauen gegründete Unternehmen von den von Männern gegründeten unterscheiden. Laut ihrer Studie, die sich auf fünf Jahre Investitions- und Einkommensdaten konzentrierte, erhalten Gründerinnen zwar weniger Investitionen als ihre männlichen Gegenspieler, wenn sie ihre Ideen Anlegern für Frühphasen-Kapital vorlegen, aber ihre Unternehmen „erzielen letztendlich höhere Einnahmen“. Indes lägen, dem Beratungsunternehmen zufolge, weitere Beweise vor, dass Unternehmen mit mehr Frauen in Führungspositionen die von Männern dominierten Unternehmen in Hinblick auf die Leistung übertreffen.

„Das ist wirklich keine schockierende Einsicht, denn wenn alle dasselbe denken, scheitern Unternehmen“, sagte Matthew Ward von Axa PPP bei einer kürzlich von Giant in London organisierten Veranstaltung zum Thema Femtech, die sich mit einigen der von der Boston Consulting Group durchgeführten Studien zum Thema Geschlechterungleichheit im Startup-Investitionsbereich beschäftigte.

Der Begriff Femtech wurde im Jahr 2016 von Idea Tin, Mitbegründerin und CEO von Clue geprägt, um Technologien zu definieren, die „die Gesundheitsfürsorge für Frauen unterstützen und vorantreiben“, und hat sich seitdem weitgehend durchgesetzt. Allerdings wurde auch Kritik geäußert, wie etwa in einer kürzlichen Veröffentlichung von Quartz, die beklagte, dass sich der Begriff hauptsächlich auf Unternehmen im Bereich „biologischer Bedürfnisse“ konzentriere und zudem Transfrauen ausschließe.

„Ich habe den Begriff im Herbst 2016 auf der TechCrunch Disrupt in San Francisco geprägt. Ich war schockiert zu sehen, dass Produkte, die die Gesundheit von Frauen unterstützten, in der Ausstellungshalle verstreut waren und ganz verloren aussahen, während Gruppen wie Fintech und Cleantech ganze Bereich gewidmet waren“, erklärte Tin. „Ich wusste sofort, dass der Markt definiert werden muss, damit Produkte für die Gesundheit von Frauen ernst genommen werden können. Daher schlug ich vor, uns als Femtech-Unternehmen zu bezeichnen.

„Indem wir die Produktgruppe definieren, die mit der Gesundheit von Frauen in Verbindung steht, schaffen wir eine völlig neue Kategorie von Technologien. Durch die Gruppierung dieser Technologien werden Femtech-Konferenzen und VCs, die in Femtech investieren, möglich und wir können ein Femtech-Portfolio aufbauen“, fügte die CEO hinzu.

Der Risikokapitalraum im Frühstadium bleibt jedoch von Männern dominiert, und die Ironie blieb den Organisatoren bei der jüngsten Veranstaltung in London, in der eine Gründerin eine Gruppe von Männern über Investitionen in die Femtech-Welt befragte, nicht vorenthalten. Will Gibbs von Octopus Ventures, die in London und New York tätig sind, argumentierte, dass es in Gebieten, die zuvor als Tabus galten, eine massive „latente Nachfrage“ gebe.

„Ich denke daran, als Elvie in den USA auf den Markt kam: innerhalb der ersten 10 Minuten ist ihre Website abgestürzt, dann wurde sie gepatcht und in der folgenden Woche erneut gestartet, um innerhalb der ersten Minuten darauf erneut abzustürzen. Für mich ist das einfach ein Hinweis darauf, dass es eine große Nachfrage nach Innovationen in diesen wirklich unglamourösen Bereichen gibt, genauso wie unternehmerische Voreingenommenheit. Die Tatsache, dass viele dieser Unternehmen nicht in der Lage waren, Finanzmittel aufzubringen, bedeutet, dass der Markt massiv unterversorgt ist“, fügte Gibbs hinzu. „Aber wenn man es richtig macht, kann man in sehr kurzer Zeit einige wirklich wertvolle Unternehmen aufbauen.“

Gibbs teilte den Delegierten mit, dass er vor kurzem eine Veränderung der Investorenräume in Bezug auf die Vielfalt festgestellt habe, insbesondere im vergangenen Jahr. „Meiner Meinung nach wird ein Großteil davon von den Marktkräften getragen. Heute haben Fonds, die als aufgeschlossener und in Hinblick auf die Geschlechterverteilung ausgeglichener angesehen werden, tatsächlich einen Wettbewerbsvorteil gegenüber Fonds, die als weniger vielfältig betrachtet werden“, erklärte er. Bei Octopus waren Berichten zufolge 35 Prozent bei allen neuen Deals in den letzten 18 Monaten entweder eine weibliche Geschäftsführerin oder eine weibliche Mitbegründerin beteiligt. Gibbs fügte hinzu, dass vor dem Erreichen der Gleichstellung der Geschlechter noch viel zu tun sei.

Auf die Frage, wie sie herausfänden, in welche Teile dieses Bereichs Investitionen sich auszahlen würden, betonte John Spindler, CEO von Capital Enterprise, einem Netzwerk für Universitäten, Tech-Beschleuniger und Gründerzentren in London, und Gründungspartner von AI Seed VC und dem London Co-Investment Fund, dass es wesentlich sei, in Unternehmen mit „Menschen (zu investieren), die etwas viel besser wissen als wir und mehr angetrieben sind als wir“.

„Ich möchte in mehr von Frauen geführte Unternehmen investieren, und wir konzentrieren uns dabei auf die Gesundheitsbranche, da die klügsten Leute im Bereich der Technik eben oft in der Gesundheitsindustrie tätige Frauen sind. Ihr bringt uns in diese Richtung, nicht wir euch“, fügte Spindler hinzu und erhielt Applaus von seinem Publikum.


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Dies ist eine Übersetzung eines Artikels von Leontina Postelnico, erschienen auf Healthcare IT News.

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