Gamification - der Weg zur Präzisionsmedizin?

Die #HIMSS21Europe Conference hat deutlich gemacht, wie sich das öffentliche Gesundheitsengagement weltweit fördern lässt: einige Länder setzen innovative Methoden wie beispielsweise Prinzipien aus dem Videogaming ein und wenden sie auf individualisierte Gesundheits-Apps an.

Singapur gibt an, durch die Verwendung kleiner Anreize, wie das Sammeln von Punkten, die normalerweise in elektronischen Spielen zu finden sind, ein Maß an öffentlichem Gesundheitsengagement erreicht zu haben, das „für die meisten Gesundheits-Apps eher unüblich“ sei. In Europa sieht das jedoch anders aus, da einige Länder grundlegende Vertrauensprobleme überwinden müssen, bevor die Menschen überhaupt daran denken, sich zu engagieren.

Das Panel zur Sitzung „Entering a New Era for Data Driven and Precision Health“ bestand aus Zee Yoong Kang, CEO des Health Promotion Board Singapore, Prof. Kevin Fenton, London Regional Director of Public Health England und Regional Director of Public Health for NHS London, UK, und Dr. Janne Cadamuro, Laborärztin an der  Universitätsklinik Salzburg und der Paracelsus Medizinische Universität, Österreich, zusammen mit Dr. Charles Alessi, Chief Clinical Officer bei HIMSS, der die Diskussion moderierte.

WARUM DIES WICHTIG IST

Präzisionsgesundheit integriert Gesundheitserkenntnisse und soziale Determinanten und verlagert den Fokus von der akuten zur präventiven Gesundheitsversorgung. Wenn die Öffentlichkeit sich stärker in Form von gesundheitsfördernden Verhaltensweisen und maßgeschneiderten Interventionen engagiert, können sich auch die klinischen und finanziellen Ergebnisse verbessern.

WAS GESAGT WURDE

„Es ist eher ein Spiel, ja, es ist dasselbe wie Gamification. Sie haben Spaß daran, die Punkte zu gewinnen, und ein großer Teil der Leute macht sich nicht einmal die Mühe, diese Punkte in Gutscheine umzuwandeln. Aber es ist das Spiel, das so fesselnd ist, und wir stellen fest, dass die Leute, zum Beispiel beim Apple-Programm, ihre App ein- bis zweimal am Tag überprüfen, nur um sie zu aktualisieren und zu synchronisieren. Dies ist nicht üblich für die meisten Gesundheits-Apps“, sagte Yoong Kang.

Vor einem Jahr startete er in Singapur mit Apple ein Projekt, bei dem er die Apple Watch als Plattform nutzte, um herauszufinden, wie man Menschen mit kleinen Anreizen zu einer Reihe von gesundheitsorientierten Verhaltensweisen motivieren könnte. Er glaubt, dass Gamification funktioniert, wenn sie für das reale Leben der Menschen relevant ist und Interventionen auf die spezifischen Verhaltensweisen und Bedürfnisse der einzelnen Personen bestmöglich abgestimmt sind.

Laut Prof. Kevin Fenton nutzt auch der NHS in England Technologie für die Gesundheitsvorsorge: „In einer digitalen Umgebung sind wir meiner Meinung nach jetzt bereit, eine Reihe von Werkzeugen zu verwenden, von Umweltsensoren über Apps bis hin zum quantifizierten Selbst. Wir sehen uns an, wie wir leicht verfügbare Informationen intelligenter nutzen, um unsere Gesundheit zu verbessern.“

In Österreich versucht Dr. Janne Cadamuro derzeit, Wissen und Labordaten in klinisch verwertbare Informationen zu integrieren, da herkömmliche Methoden zu Diagnosefehlern und potentiellen Patientenschäden mit unnötigen Primär- und Sekundärkosten geführt haben.

Auch er ist der Meinung, dass mehr Wert auf die Gesundheitsprävention gelegt werden sollte: „Wenn wir aufhören würden, Krankheit zu finanzieren und stattdessen Gesundheit finanzieren könnten, würde das meiner Meinung nach viele Probleme lösen … Ich denke, man muss Menschen motivieren. Wie man jetzt bei den Bürgern sieht, die nicht an COVID glauben: Man kann sie nicht mit Fakten überzeugen, also muss man sie auf andere Arten motivieren… Wenn sie ein gesundes Leben führen, zahlen sie weniger für Versicherungen und umgekehrt.“

Fenton sagte, es gebe immer noch Probleme mit Vertrauen und Technologie: „Ja, dies ist eine spannende Barriere für uns. Ja, Technologie kann wunderbare Dinge für klinische Verläufe bewirken und die Gesundheit der Bevölkerung fördern, aber der Kern dessen, was wir tun müssen, ist, Menschen mitzunehmen, dieses Vertrauen aufzubauen und auf sehr einfache und praktische Weise zu demonstrieren, wie diese neuen Ansätze unser Leben tatsächlich verbessern können.“

Die Sitzung „Entering a New Era for Data Driven and Precision Health“ finden Sie bis zum 30. Juni 2021 „On Demand“ bei #HIMSS21Europe.
 

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Dies ist eine Übersetzung eines englischsprachigen Artikels von Rosy Matheson, erschienen auf Healthcare IT News.

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