Berliner Start-Up bietet psychologisches Stress-Training und weitere digitale Unterstützung in der Corona-Krise

Seit 2015 ist HelloBetter mit evidenzbasierter Online-Psychotherapie am Markt. Im Interview mit Healthcare IT News erzählt Philip Ihde, Geschäftsführer und COO, welche digitale Hilfestellung zur psychologischen Erstversorgung das Start-Up speziell in der Corona-Krise anbietet.

von
Anna
Engberg

Herr Ihde, wie unterstützen Sie die Bevölkerung gegenwärtig in Zeiten der Pandemie?

Ihde: Unser Start-Up blickt auf 10 Jahre Forschungsarbeit zurück und ist seit fünf Jahren mit hochwertigen wissenschaftlichen Online-Trainings nebst Expertenbegleitung am Markt. Wir unterstützen bei Indikationen wie Stress, Depression, Insomnie, Panik oder Angst - ohne Wartezeit und auf höchstem wissenschaftlichen Niveau.

Speziell in der Corona-Krise haben wir jetzt ein Paket aus niedrigschwelligen, sofort verfügbaren Angeboten wie einer Hotline, Facebook-Community und Live-Sessions im Blog zusammengestellt und ergänzen dies mit einem anspruchsvollen, wissenschaftlich fundierten Stress-Training, dessen adaptierte „Corona-Version“ in drei Wochen veröffentlicht wird. Damit wollen wir alle Menschen, die dies brauchen, in der jetzigen Krisensituation unterstützen.

Doch auch jetzt schon kann jeder, der unter der Situation stark leidet, am allgemeinen Stress-Training teilnehmen, denn die begleitenden Psychologen sind in diesem Bereich geschult und können spezifische Hilfestellung in der aktuellen Zeit geben.

Unter unserer kostenfreien Hotline 0800 000 95 54 können sich Betroffene bei Psychologen und Psychotherapeuten melden und erhalten im Rahmen einer Krisen-Intervention kurzfristig alle notwendigen Tools und Strategien an die Hand, um mit der Situation besser umgehen zu können. In unserer Facebook-Community tauschen sich mittlerweile mehrere Tausend Menschen über ihre Stress-Strategien aus.

Wie ist die Resonanz bisher?

Ihde: In der Hotline und Community merken wir aktuell, dass es vor allem Menschen mit entsprechender Vorbelastung trifft. Es melden sich Menschen, deren bisherige Strukturen weggebrochen sind, weil sie z.B. nicht mehr zu ihrem Therapeuten oder in die Tagesklinik gehen können. Diese suchen händeringend nach Unterstützung und sehnen sich nach Austausch.

Philip Ihde, Geschäftsführer und COO bei HelloBetter alias GET.ON Institut

Die Erfahrung aus anderen Ländern zeigt, dass die Stress-Belastung in Wellen kommt. Mit Blick auf die Gesamtbevölkerung stehen uns also in den nächsten Wochen noch größere Herausforderungen bevor. Als Team von HelloBetter wollen wir hier kurzfristig hochwertige Unterstützungsmöglichkeiten anbieten und suchen noch Finanzpartner, Krankenkassen oder andere Förderer, um unser Corona-adaptiertes Stress-Training für alle kostenfrei anbieten zu können.

Wie darf man sich Ihre psychologischen Online-Trainings genau vorstellen?

Ihde: Unsere Online-Trainings sind auf eine Dauer von 6 bis 8 Wochen angelegt und basieren auf kognitiver Verhaltenstherapie. Patienten können jedes Online-Training komplett selbstständig, aber auch von Psychologen begleitet durchführen. Im Rahmen wöchentlicher Sessions bearbeiten sie Inhalte und führen Reflexionsübungen basierend auf eigenem Input durch. Dies führt effektiv innerhalb weniger Wochen teilweise sogar zu Symptomfreiheit.

Den Trainings geht ein Screening-Assessment nach wissenschaftlichen Standards der jeweiligen Indikation voraus. Daran erkennen wir, wie stark ein Patient betroffen ist. Grundsätzlich raten wir jedem zur begleiteten Version, weil die Kombination aus eigenständiger Bearbeitung und menschlicher Interaktion einschließlich wöchentlicher Feedbacks, eine Adhärenz-steigernde Wirkung und sich in der Vergangenheit als besonders effektiv erwiesen hat.

Stichpunkt Nutzenevidenz: Dies ist für Sie ganz wichtig.

Ihde: Richtig. Interessanterweise haben wir bei der wissenschaftlichen Evaluation der Wirksamkeit unserer Produkte – wir haben über 35 klinische Studien in Zusammenarbeit mit führenden Universitäten aufgesetzt – nicht nur herausgefunden, dass unsere Online-Trainings eindeutigen Nutzen bringen, sondern auch, dass sie im Vergleich zu klassischer Face-to-Face-Psychotherapie absolut mithalten, wenn nicht sogar stärkere positive Wirkungen erzielen.

Technisch umgesetzt ist das Ganze als Training in einer Web-Applikation im Browser. Studien zeigen nämlich auch, dass rein mobile Applikationen für psychologische Indikationen nicht die gleiche Wirksamkeit erzielen wie Web-Applikationen oder begleitete Online-Trainings. Aktuell entwickeln wir deshalb eine ergänzende, integrierte Mobillösung. Auf die Inhalte haben die Patienten dann Zugriff für ein Jahr.

An wen richten sich Ihre Online-Trainings und wie sind die Kosten und Erstattungsmöglichkeiten?

Ihde: Im Moment bieten wir über 10 Trainings zu 8 Themen-Schwerpunkten an. Das Training, das in diesen Zeiten immer wichtiger wird, ist das Stress-Training, das Versicherte bei der BARMER schon jetzt kostenfrei nutzen können, ebenso wie das Depressions-Präventions-Training.

Weitere deutsche Krankenkassen erstatten psychologische Online-Trainings zumindest im Nachhinein. Das heißt z.B., dass jeder Bundesbürger das Stress-Training erst einmal als Selbstzahler absolvieren kann und dies in der Regel bei allen Kassen ganz oder teilweise erstattet bekommt. Die Kosten für die Trainings belaufen sich auf 359 bis 549 Euro, je nach Variante.

Eine dritte Möglichkeit ist das betriebliches Gesundheitsmanagement, in dessen Rahmen Mitarbeiter Zugriff auf unsere Trainings erhalten und dies über den Arbeitgeber bezahlt wird. Wir arbeiten z.B. mit VW oder Schaeffler.

Gibt es Pläne, Ihre Online-Trainings auch in der Regelversorgung zu etablieren?

Ihde: Ja. Mit dem Digitale Versorgung Gesetz zeichnet sich dieses Jahr eine große Veränderung auf dem Gesundheitsmarkt ab. In diesem Zuge werden digitale Gesundheitsanwendungen wie unsere erstattungsfähig. Für die Aufnahme müssen wir einen Zertifizierungsprozess durchlaufen und den positiven Versorgungseffekt nachweisen.

Da wir einen wissenschaftlich sehr hohen Qualitätsstandard verfolgen, gehen wir davon aus, dass Ärzte und Psychotherapeuten unsere Online-Trainings voraussichtlich bereits ab dem 3. Quartal 2020 verschreiben können und somit alle Patienten einen Anspruch auf unsere Versorgung bekommen.

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