Gemeinsame Sprache für Medizindaten

Die deutsche Medizin-Informatik-Initiative (MII) fördert den international einheitlichen Austausch von Medizindaten. Jetzt hat das BMBF den Forschern die Lizenz für SNOMED CT erteilt – das kommt auch Betroffenen von COVID-19 und seltenen Erkrankungen zu Gute.

von
Anna
Engberg

Damit medizinische Daten aus Versorgung und Forschung zukünftig grenz- und standortübergreifend besser verknüpft werden können, baut die deutsche Medizin-Informatik-Initiative (MII) derzeit mit Hilfe von deutschen Universitätskliniken, Krankenkassen und weiteren Partnereinrichtungen sogenannte Datenintegrationszentren auf.

Jetzt hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), welches die Arbeit der MII noch bis 2021 mit 160 Mio. Euro fördert, grünes Licht für die Lizenzierung von SNOMED CT gegeben. Damit können alle beteiligten Forscher den international einheitlichen medizinischen Terminologiestandard bundesweit verwenden.

DER HINTERGRUND

Die Systematisierte Nomenklatur der Medizin, kurz SNOMED, ist der international einheitliche Terminologiestandard zur eindeutigen, präzisen Klassifikation medizinischer und klinischer Inhalte unabhängig von deren Herkunftssprache.

Versorgungs- und Forschungsdaten – ob aus der Gen-Sequenzierung, bildgebenden Verfahren oder einzelne Krankheitsbilder – lassen sich mit der einheitlichen Daten-Nomenklatur international eindeutig beschreiben und bestimmen.

Die Bereitstellung der einheitlichen Codierung durch SNOMED CT ermöglicht der Initiative somit eine bessere internationale Vergleichbarkeit von Patientendaten und hilft dabei, in Zukunft eine gemeinsame Datennutzung sowie einen vereinfachten Datenaustausch zu fördern – bei gleichzeitig dezentraler Datenspeicherung.

In den insgesamt vier Konsortien der MII engagieren sich jeweils mindestens zwei deutsche Universitätskliniken sowie Partner aus Forschung, Unternehmen und nicht-universitären Kliniken.

Neben dem Aufbau der Datenintegrationszentren zum Austausch von Patientendaten aus Versorgung und Forschung befasst sich die MII mit der Entwicklung von IT-Lösungen für spezifische Use Cases wie z.B. Multipler Sklerose (MS), seltenen Erkrankungen oder zur Infektionskontrolle wie aktuell im COVID-19-Gesundheitsgeschehen.

So werden Corona-Fälle schon jetzt international mit SNOMED dokumentiert. Deutschland soll diesem Beispiel bald folgen. So ist man am Berlin Institute of Health (BIH), welches als Partner am MII-Konsortium HighMed beteiligt ist, fest davon überzeugt, dass die weltweit lesbare Dokumentation entscheidend dafür ist, um Corona-Fälle und COVID-19-Infektionen zu zählen.

Der grenzüberschreitende Austausch von Patientendaten mit Hilfe des SNOMED CT Standards unterstützt außerdem Diagnostik, Therapie und Forschung auf dem großen Feld seltener Erkrankungen. So baut das ebenfalls BMBF-geförderte und vom BIH geleitete Projekt Cord-MI (Collaboration on Rare Diseases) beispielsweise auf den Infrastrukturen der MII auf.

WAS GESAGT WURDE

„Die Lizenzierung von SNOMED CT versetzt uns in die Lage, mit einer Sprache zu sprechen und international anschlussfähig zu sein“, sagte Professor Roland Eils, Gründungsdirektor des BIH Digital Health Center.

Er fügte hinzu: „SNOMED erlaubt es uns, klinische Daten nicht nur aus Deutschland, sondern international zu nutzen und für die Forschung zu verwenden. Das wird es uns ermöglichen, Krankheiten zukünftig schneller zu erkennen, wirkungsvoller zu behandeln und ihnen besser vorzubeugen.“ 

Sylvia Thun, Professorin für Informations- und Kommunikationstechnologien im Gesundheitswesen und Direktorin der Core Unit für E-Health und Interoperabilität am BIH, betonte: „SNOMED CT wird die Digitalisierung in Deutschland massiv weiterbringen und den Entscheidern im Gesundheitswesen die Zusammenarbeit erleichtern.“

Weitere Informationen erhalten Sie HIER

 

Auch für Sie interessant

Your search returned no results.