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Gesucht: Change Manager für die Gesundheitspolitik

Ich muss schon wieder damit nerven: Die Selbstverwaltung des deutschen Gesundheitswesens wurde ja vor einiger Zeit gesetzlich verpflichtet, eine Abrechnungsziffer für Telemedizin zu schaffen, und hat dabei ziemlich versagt.

von
Philipp
Grätzel von Grätz

Um den Schein zu wahren, wollte man sich zumindest auf eine Ausdehnung der Abrechenbarkeit von Fernabfragen kardialer Implantate verständigen.

Einmal im Quartal geht‘s jetzt, die KBV wollte dreimal im Quartal erreichen – häufig genug, um nicht nur Funktionsabfragen, sondern auch ein bisschen Disease-Monitoring machen zu können. Im Bewertungsausschuss ist selbst diese Schmalspurziffer für eine „Telemedizin light“ Anfang des Jahres (erneut) durchgefallen. Auch wenn man die deutsche Selbstverwaltung für erhaltenswert erachtet, können einem angesichts solcher Kleingeistigkeit schon die Haare zu Berge stehen.

In den Niederlanden wurde in den letzten Jahren die psychiatrische Versorgung umgekrempelt. Das ist auch in Deutschland ein Riesenthema: Es gibt zu viele Patienten, die zu lange auf Psychotherapie warten müssen. Es gibt zu wenig Stratifizierung nach Schweregrad und zu viel Willkür. Die Niederlande haben auf diese Situation mit einem Mixed-Care-Ansatz geantwortet, der den Hausärzten eine größere Verantwortung gibt. Gleichzeitig wird die Online-Therapie massiv ausgebaut. Psychiater und Psychotherapeuten kümmern sich vor allem um schwerkranke Patienten.

Ein Ergebnis dieses Umbaus ist, dass telemedizinische „E-Mental-Health-Services“ in unserem Nachbarland abgehen wie eine Rakete. Davon profitieren alle: Die Patienten kriegen schneller eine Behandlung. Wer schwer krank ist, fällt nicht unter den Tisch, sondern landet beim Experten. Und dank Mixed-Care-Ansatz ist das Ganze eingebettet in eine kontinuierliche Betreuung, die wiederum für die Kostenträger kalkulierbarer ist.

Wie genau haben die Niederländer das geschafft? Sie haben 30 Prozent des ambulanten Geldtopfs für die Versorgung von psychiatrischen Patienten hin zu den Hausärzten sowie in Richtung E-Mental-Services verschoben. Kann sich das in Deutschland irgendjemand vorstellen? Auch in Holland geschah das nicht von heute auf morgen, sondern schrittweise, mit viel Kommunikation. Change Management eben. Und genau das wäre vielleicht auch was für die Selbstverwaltung: Gesundheitspolitisches Change Management in Gruppentherapie. Könnte man auch online machen. Und abrechnen! Gibt es dafür eigentlich eine EBM-Ziffer?

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