BMG will Ärzte Gesundheits-Apps ab 2020 verschreiben lassen

Entwurf für Digitale Versorgung Gesetz (DVG) verabschiedet

von
Anna
Engberg

Die medizinische Versorgung in Deutschland soll digitaler und damit patientenfreundlicher werden. Dafür hat das deutsche Gesundheitsministerium Mitte Juli den Entwurf für das „Gesetz für eine bessere Versorgung durch Digitalisierung und Innovation“, kurz das Digitale Versorgung Gesetz (DVG), verabschiedet.

Ärzten wird damit u.a. die gesetzliche Möglichkeit geschaffen, Patienten neben Medikamenten zukünftig auch digitale Anwendungen wie Gesundheits-Apps auf Rezept zu verschreiben. Die Regelung tritt bei Zustimmung des Bundesrats ab Januar 2020 in Kraft.

Digitale Anwendungen zur Gesundheitsförderung und zum Management von Krankheiten, wie z.B. zum Monitoring von Diabetes oder Bluthochdruck oder zur regelmäßigen Medikamenten-Einnahme, könnten damit für viele Patienten schon bald nicht mehr kostenpflichtig sein.

Hersteller sollen Nutzen von zertifizierten Apps nachweisen

Die Kosten für die entsprechenden Apps soll die Krankenkasse laut dem Gesetzentwurf zunächst für ein Jahr übernehmen. Hersteller sind in dieser Zeit dazu angehalten, den Nutzen ihrer digitalen Anwendungen über die einjährige Probezeit hinweg nachzuweisen.

Zuerst jedoch müssen die einzelnen Anwendungen vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) mit Blick auf Qualität, Funktion, Datenschutz und -sicherheit geprüft und zugelassen werden.

Verpflichtung und Anreize zur Anbindung an die Telematikinfrastruktur

Teil des neuen Gesetzentwurfs ist auch die Anbindung weiterer Leistungserbringer an die Telematikinfrastruktur: so müssen sich deutsche Krankenhäuser bis Januar 2021 an das Netzwerk anbinden lassen, Apotheken sogar bereits bis Ende September 2019.

Für Ärzte, die sich der neuen Infrastruktur nicht anschließen, soll es künftig Honorarabzüge geben: ab 1. März sogar um 2,5 Prozent. Für andere Gesundheitsdienstleister wie Pflegeeinrichtungen, Physiotherapeuten und Hebammen bliebe die Teilnahme vorerst weiterhin freiwillig und kostenfrei.

Vereinfachung von Online-Sprechstunden, Dokumentenversand und mehr

Weiterhin sieht der Kabinettsentwurf des Ministeriums vor, telemedizinische Videokonsultationen sowie die Datenspeicherung in der elektronischen Patientenakte, welche ab Anfang 2021 in Deutschland umgesetzt sein soll, zu vereinfachen.

So kann die Aufklärung für eine Videosprechstunde und das Einverständnis des Patienten in dieselbige nach dem neuen Entwurf nun im Rahmen der Online-Konsultation stattfinden und muss nicht im Vorfeld persönlich oder schriftlich erfolgen.

Elektronische Arztbriefe werden zukünftig besser vergütet

Der Versand elektronischer Arztbriefe wird zukünftig gegenüber dem konventionellem Faxversand durch ein neues Vergütungssystem verstärkt gefördert. Damit werden elektronisch versandte Briefe für Ärzte attraktiver.

Außerdem soll der Beitritt zur gesetzlichen Krankenversicherung ebenso wie die Verschreibung von Heil- und Hilfsmitteln auf digitalem Weg für Patienten möglich werden.

Zur Förderung der medizinischen Versorgung durch digitale Dienste will das BMG den Innovationsfond zusätzlich um fünf Jahre verlängern und damit 200 Millionen Euro bereitstellen, um die geplanten Schritte umzusetzen.

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