Eine gesundheitsbewusste Kultur prägt Verbrauchergewohnheiten

Ilya Kravtsov, CEO und Mitbegründerin von PouchPASS, berichtet im Q&A Interview über die positiven wirtschaftlichen Auswirkungen eines stärkeren Verbraucher-Engagements im Bereich der Gesundheitstechnologie.

Bereits vor dem Ausbruch von COVID-19 hat ein mehrdimensionaler Ansatz beim Thema Gesundheit an Dynamik gewonnen. Von der körperlichen Fitness bis hin zum mentalen Wohlbefinden – die Konsumentenlandschaft in der Gesundheitstechnologie entwickelte sich mit stetiger Geschwindigkeit weiter und wurde dabei immer innovativer.

Das zuvor bescheidene Wachstum bei der Einführung von Gesundheitstechnologien hat sich jedoch seit dem Beginn der Pandemie rapide beschleunigt. Laut einer Studie von Deloitte glauben 77 Prozent der Verbraucher, dass das Tracking und die Analyse ihrer Gesundheit aufgrund eines verstärkten Engagements im Gesundheitswesen und in der Gesundheitstechnologie bei ihnen zu Verhaltensänderungen führt.

Wir haben mit Ilya Kravtsov, CEO und Mitbegründer von PouchPASS, gesprochen. PouchPASS wurde als direkte Reaktion auf die COVID-19-Pandemie entwickelt. Dabei handelt es sich um ein gesundheitstechnologisches Wearable für das Handgelenk und eine dazugehörige App, die zur Überwachung der Temperatur von Einzelpersonen und Gruppen dient und Organisationen darin unterstützt, die Ausbreitung von COVID-19 einzudämmen.

Q. Können Sie die positiven wirtschaftlichen Auswirkungen eines verstärkten Verbraucher-Engagements bei Gesundheitstechnologien erklären?

A. Der Zweck von Technologie besteht darin, Schwachstellen anzugehen, und das gilt für jede Branche. Wir können davon ausgehen, dass die positiven wirtschaftlichen Auswirkungen eine Folge der Lösung der Schmerzpunkte auf breiterer Ebene sind. Um dieses größere Ausmaß zu erreichen, ist das Engagement der Verbraucher von entscheidender Bedeutung (ein Telefon würde keine positiven wirtschaftlichen Auswirkungen haben, wenn es nur von einem Benutzer genutzt würde).

Gesundheitstechnologie ist ein Allgemeinbegriff, ich würde ihn jedoch als Zugang zu gesundheitsbezogenen Informationen definieren, die letztendlich Leben retten können. Beispiele hierfür könnten der Zugang zu Ärzten in abgelegenen Orten wie Indonesien sein, in denen es nur eine geringe Anzahl an Ärzten pro Einwohner gibt, oder auch der Zugang zu einer großen Menge an Daten, um Muster bestimmter Krankheiten zu untersuchen, und so weiter.

Auswirkungen sind also definitiv vorhanden, wenn wir diese Beispiele betrachten, aber sind es auch wirtschaftliche Auswirkungen? Wenn wir davon ausgehen, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen der Reduzierung von Systemineffizienzen und positiven wirtschaftlichen Auswirkungen gibt, so nehme ich an, dass dies auch als eine positive wirtschaftliche Auswirkung zu betrachten ist.

Q. Wie profitieren Einzelpersonen von einem verstärkten Engagement für ihre eigene Gesundheit und ihr Wohlbefinden durch Verbrauchergewohnheiten?

A. Ich glaube, dass Einzelpersonen sehr wenig über sich selbst und ihre persönliche Gesundheit wissen. Das verstärkte Engagement durch Verbrauchergewohnheiten dient also dazu, sie an Dinge zu erinnern und sie über Tatsachen aufzuklären, denen sie zuvor möglicherweise wenig Bedeutung beigemessen haben.

Zu wissen, wie viele Schritte Sie am Tag machen, war noch nie relevant, aber zu wissen, dass Sie sich sehr wenig bewegen, klärt Sie auf und veranlasst Sie zum Handeln. Der Vorteil ist also die Maßnahme, die als Folge eines verstärkten Engagements ergriffen wird.

Q. Wie können Verbraucher sich der Fallstricke der Gesundheitstechnologie bewusst sein und bleiben?

A. Wie auch bei allem anderen würde ich sagen: Bevor man ein Produkt im Supermarkt kauft, will man oft wissen, woher es kommt und wie es hergestellt wurde. Wenn ich nur Bio-Lebensmittel essen möchte, würde ich alles vermeiden, was nicht organischer Herkunft ist. Das Gleiche gilt für gesundheitstechnologische Produkte: Recherche und Aufklärung (z. B. das Lesen der Geschäftsbedingungen) ist wichtig, um Fallstricke und/oder Missverständnisse zu vermeiden.

Q. Welche Bedeutung haben strenge Datenschutzbestimmungen, die den Benutzer schützen sollen, im Hinblick auf die Gesundheitstechnologie?

A. Datenschutz ist sehr wichtig. Protokolle und Standards müssen befolgt werden. Ich kann sogar sagen, dass uns nun Technologien zur Verfügung stehen, die ein noch nie dagewesenes Maß an Privatsphäre garantieren können. Ich beziehe mich dabei eher auf dezentrale Systeme, die auf Blockchain basieren. Auch hier würden einige natürlich mit dem Gegenteil argumentieren, dass zu privat auch nicht gut ist, da es etwa zur Geldwäsche über Kryptowährungen führen kann, usw. Es muss also ein Gleichgewicht geschaffen werden – aber die heutige Technik erlaubt beides.

Q. Möchten Sie Vorhersagen zur Gesundheitstechnologie im Jahr 2021 machen?

A. Ich glaube, dass die Welt wirklich nicht auf diese Pandemie vorbereitet war, die uns sehr hart getroffen und so viele Menschenleben gefordert hat. In Zukunft werden Dinge wie die digitale Gesundheitsidentität immer wichtiger. Ich würde es als Gesundheitspass bezeichnen, der wie ein normaler Reisepass fungiert, um zu identifizieren, wer Sie sind, ob Sie ein Risiko für Andere darstellen oder ob Sie ein spezielles Visum („Impfung“) benötigen. Dasselbe wird hier gelten und die Gesundheitstechnologie wird dabei eine Rolle spielen.


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Dies ist eine Übersetzung eines englischsprachigen Artikels von Sara Mageit, erschienen auf MobiHealthNews.

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