HEALTH 2019: Finnische Delegation auf Krankenhaustour in der Charité Universitätsmedizin

Vertreter der regionalen Gesundheitsbehörden informierten sich über die Digitalisierung des Krankenhauses – und dessen Sprachinfrastruktur

Die Kombination einer sprachbasierten Datenerfassung mit KI-Systemen wird Prozesse in der Medizin nachhaltig verändern – davon ist Charité CIO, Martin Peuker überzeugt. Anläßlich der HEALTH Konferenz in Berlin, welche Handelsblatt und HIMSS am 5. und 6. November organisierten, leitete Martin Peuker eine Delegation aus Finnland durch die Charité und stellte u.a. auch die Sprachinfrastruktur vor.

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„Es stellte sich heraus, dass die Charité und das Gesundheitswesen in Finnland vor gemeinsamen Herausforderungen hinsichtlich strukturierter und kurierter Daten stehen, bei der eine Sprachinfrastruktur hilfreich sein kann“, sagt Martin Peuker. „Beide Seiten planen beispielsweise ein Data Lake zur Forschung. Hier kann Spracherkennung unterstützend wirken; denn Digitalisierung beginnt bei der Datenerfassung. Je schlechter und unstrukturierter die Daten erfasst werden, desto aufwändiger bzw. unmöglicher wird es später, diese Daten für die Forschung und sonstige klinische Nachnutzung vorzuhalten.“

Die Charité Universitätsmedizin Berlin setzt seit ca. 1 ½ Jahren Spracherkennung flächendeckend an allen Berliner Standorten ein. Mittlerweile sind 1.200 User im System. Zum Einsatz kommt Dragon Medical der Firma Nuance, bereitgestellt auf Thin Clients von VMware. Neben der Ärzteschaft nutzen auch Mitarbeiter der Verwaltung und andere Geschäftsbereiche die Spracherkennung.  

Fokus auf Mobilität

Die Charité verfügt über eine Sprachcloud ‚on-premise‘, laut Martin Peuker, „der einfachere Weg, die campusweite Spracherfassung gemäß der einheitlichen DSGVO aufzusetzen“. Der Blick richte sich nun auf die Chancen einer sprachbasierten Infrastruktur im Bereich der Mobilität. 

„Im nächsten Schritt wird diese (sprachbasierte Infrastruktur) ein Kernbestandteil der mobilen Visite – hierzu läuft aktuell die Ausschreibung zur mobilen Dokumentation mit der Anforderung, dass diese Spracherkennung kann“, sagt Peuker.
In der Charité sind bereits über 1.100 iPads im Einsatz – Tendenz steigend. Ein erstes Pilotprojekt mit sprachbasierter Datenerfassung auf Tablets lieferte sehr gute Erkennungsergebnisse, obwohl die Geräuschkulisse bei der Erfassung oft deutlich stärker ausgeprägt ist, als bei der Arbeit am Terminal. Über das VPN der Charité steht die Spracherkennung zusätzlich auf der Dienstreise oder zuhause zur Verfügung – inklusive der persönlichen Erkennungsvokabulare und Sprachprofile.

Ziel: Datennutzung in Echtzeit

An der Charité wird somit eine Sprachinfrastruktur geschaffen, welche stationär, mobil und remote zu einer Datennutzung in Echtzeit führen wird. Dabei sind enorme Auswirkungen auf die Medizin und ihre Prozesse zu erwarten – gerade in Verbindung mit dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz:

„In diesem Zusammenhang können wir nicht ‚nur‘ Algorhythmen entwickeln, die helfen, Prozesse optimal und individuell auf den Patienten abzustimmen. So können künftig Kontraindikationen bei Medikamenten ebenso in Echtzeit erkannt werden wie auch die Relevanz bestimmter Daten für klinische Studien und die Grundlagenforschung. Auch Administrative Prozesse von der Kodierung, über die Abrechnung bis hin zur Zusammenarbeit mit dem Medizinischen Dienst der Krankenkassen können automatisiert werden.“

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