Immun gegen COVID-19

Antikörpertests könnten die Herdenimmunität in der deutschsprachigen Bevölkerung bestimmen – und Einschränkungen des öffentlichen Lebens weiter lockern: das Robert Koch-Institut (RKI) betreibt deshalb jetzt intensiv Antikörper-Studien.

von
Anna
Engberg

In Deutschland laufen derzeit drei bundesweite Antikörper-Studien, um die vorhandene Immunität gegen die neuartige SARS-CoV-2-Infektion in der deutschen Bevölkerung zu bestimmen.

Wie das Robert Koch-Institut (RKI) Mitte Mai in einer Pressemitteilung mitteilte, konzentrieren sich die Studien auf Blutspende-Proben und Untersuchungen in ausgewählten COVID-19 Ausbruchsgebieten.

DER HINTERGRUND

Während der sogenannte PCR-Test die akut vorliegende SARS-CoV-2-Infektion nachweist, indem, zumeist im Rachenabstrich, das Erbgut des Virus identifiziert wird, haben Antikörper-Tests die Funktion eine bereits durchlaufene Infektion an Hand der vom Körper gebildeten Antikörper festzustellen.

Obgleich zur langfristigen Immunität gegen SARS-CoV-2 derzeit noch viele Fragen offen sind, gehen Forscher mittlerweile sicher davon aus, dass Personen, welche die Infektion durchlaufen haben, über Antikörper verfügen, durch die sie vorerst immun und vor einer Neuinfektion mit dem Virus geschützt sind.

Die Antikörper lassen sich im Blut ca. zwei bis drei Wochen nach Infektionsbeginn nachweisen – standardmäßig regulär im Labor oder durch einen Schnelltest vor Ort. Die Aussagekraft der Antikörper-Testverfahren ist derzeit allerdings noch nicht vollständig nachgewiesen. Insbesondere schnelle Tests führen häufig zu falsch-positiven Ergebnissen – und zwar dann, wenn andere Infektionen mit niedrig pathogenen humanen Coronaviren vorgelegen haben.

Aktuell laufen deshalb jetzt bundesweit drei Antikörper-Studien, die vom RKI u.a. in Zusammenarbeit mit der Charité Berlin geleitet werden: So werden bei einer serologischen Untersuchung von Blutspenden zweiwöchentlich rund 5000 Proben aus der Allgemeinbevölkerung auf Antikörper untersucht.

Zusätzlich nimmt das RKI u.a. in enger Zusammenarbeit mit dem Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig. in COVID-19 Ausbruchsgebieten gezielt serologische Blut-Untersuchungen der lokalen Bevölkerung mit rund 2000 Probanden pro Ort vor. Von den sogenannten „Hotspot-Studien“ versprechen sich die Forscher genauere Einsichten in sowohl asymptomatische als auch schwere Infektionsverläufe.

Zudem ist Mitte Mai eine bundesweite, repräsentative Studie angelaufen, die über 15.000 Deutsche an 150 Studienorten erfassen wird und die genaue Verbreitung, Immunität, Sterberate, Risikofaktoren für schwere Verläufe sowie den Anteil asymptomatischer Infektionen ermitteln soll.

WAS GESAGT WURDE

Prof. Lothar H. Wieler, Präsident des RKI, sagte mit Blick auf die Studien: „Wir erwarten uns ein genaueres Bild über das SARS-CoV-2-Geschehen in Deutschland. (…) Die Ergebnisse der Antikörper-Studien sind von großer Bedeutung, um den Verlauf und Schwere der Pandemie genauer abschätzen und die Wirksamkeit der getroffenen Maßnahmen besser bewerten zu können.“

Der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn teilte mit: „Der neue Test ist eine wichtige neue Wegmarke im Kampf gegen das Virus. (…) Antikörpertests helfen uns, zu wissen, wer eine Corona-Infektion schon durchgemacht hat. So gewinnen wir Erkenntnisse über das tatsächliche Ausbruchsgeschehen.“

GUT ZU WISSEN

Währenddessen lässt sich Deutschland vom Schweizer Pharma-Unternehmen Roche noch im Mai drei Millionen Corona-Antikörpertests, die auf Blut-Untersuchungen basieren, ausliefern, teilte der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn mit.

Weitere je fünf Millionen Tests sollen in den Folgemonaten nach Deutschland geliefert werden. Der von Roche entwickelte Antikörper-Test, der Anfang Mai zur Verwendung zugelassen wurde, weist nach, ob im Blut Antikörper gegen SARS-CoV-2 vorhanden sind.

Dennoch ist auch bei einem Antikörpernachweis die Frage der langfristigen Immunität noch nicht vollständig geklärt und es bleibt abzuwarten, ob die Forschung hier demnächst noch zu weiteren Erkenntnissen kommt.

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