Bessere Diagnostik durch KI-Algorithmus

UKE Forscher entwickeln KI-Tool für schnellere Herzinfarkt-Diagnose

von
Anna
Engberg

Einen akuten Herzinfarkt als solchen erkennen – das könnte in Zukunft schneller und sicherer gelingen. Herzforscher am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), einer der führenden Kliniken Europas, haben jetzt ein neues KI-Tool als Diagnosehilfe beim Herzinfarkt entwickelt.

Mit „Compass MI“ sollen Kardiologen das Risiko für einen vorliegenden Herzinfarkt schneller und genauer beurteilen und entsprechende medizinische Schritte zeitnah einleiten können, heißt es in einer Pressemitteilung des UKE.

Der Hintergrund

Bislang mussten Patienten mit einem Verdacht auf akuten Herzinfarkt nach einem ersten EKG-Check oft bis zu zwölf Stunden warten, bis die Diagnose durch den sogenannten Troponin-Test medizinisch gesichert war.

Dieser Test misst die Konzentration von Troponin, einem Proteinkomplex der Herzmuskelzellen, im Blut und kann das Absterben derselben nachweisen. Der Herzinfarkt kann damit bestätigt oder ausgeschlossen werden.

Mit dem KI-basierten Risiko-Kalkulator des UKE Hamburg wird sich das Verfahren jetzt beschleunigen: sichere Diagnosen werden innerhalb von einer Stunde möglich sein – und Therapiemaßnahmen können frühzeitiger eingeleitet werden.

Der Unterschied zur bisherigen Diagnostik: statt der Grenzwerte für die Konzentration von Troponin im Blut wird jetzt der Anstieg desselben Wertes in einem definierten Mess-Zeitraum untersucht.

Was gesagt wurde

Die neue Methode mit mehreren Messungen gilt als sehr sicher: „Damit haben wir das bisherige Konzept zur Diagnose eines akuten Herzinfarkts aufgebrochen“, sagte Dr. Stefan Blankenberg, Ärztlicher Leiter des Universitären Herz- und Gefäßzentrums des UKE.

Dr. Johannes Neumann, ebenfalls Arzt am Universitären Herz- und Gefäßzentrum des UKE, bestätigt dies: „Das ist ein Novum. Mit den gemessenen Troponin-Werten und der genauen Zeit zwischen den Messungen können wir nun unter Berücksichtigung der Art des verwendeten Bluttests ausrechnen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass der betreffende Patient einen akuten Herzinfarkt hat.“

Gut zu wissen

Zusammen mit weiteren Kollegen am UKE haben die Hamburger Herzforscher an der Entwicklung des neuen Algorithmus zur sicheren Herzinfarkt-Dianose mitgewirkt.

Basis für den Datensatz stellte eine weltweite Studie mit über 22.000 Patienten aus 13 Ländern dar, die mit Verdacht auf Herzinfarkt in eine Notaufnahme kamen. „Wir haben die Daten harmonisiert und für die Analyse verwendet“, berichtet Dr. Neumann, der die Ergebnisse als Autor mit weiteren Kollegen im „New England Journal of Medicine“ veröffentlichte.

Den Auswertungen zufolge lag nur bei 15 Prozent der untersuchten Patienten-Datensätze tatsächlich ein akuter Herzinfarkt vor. Mit 57 Prozent wurde mehr als die Hälfte aller Patienten in eine Niedrig-Risiko-Gruppe eingestuft.

Kardiologen können „Compass MI“ zukünftig als Entscheidungshilfe verwenden, um die Patienten- und Therapiesicherheit zu steigern.

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