Burnout: HIMSS und Nuance veröffentlichen neue Studie für Europa und Australien

Ärzte*innen und Pflegende der D-A-CH Region haben an der umfangreichen HIMSS Studie zum Thema Stress und Burnout teilgenommen. Das zugehörige Whitepaper identifiziert jetzt die Schlüsselfaktoren in Europa und Australien und zeigt Präventionswege auf.

Unter dem Titel „From Overload to Burnout. What Clinicians think.“ hat HIMSS in Zusammenarbeit mit Nuance Communications ein umfangreiches Whitepaper zum Thema „Klinischer Burnout“ veröffentlicht.

Das Whitepaper basiert auf einer Umfrage in 9 EU-Ländern sowie Australien sowie auf persönlichen Gesprächen mit je zwei Ärzten*innen und Mitarbeitern*innen aus der klinischen Pflege.

Dieser Beitrag wurde unterstützt von

Neben der Zielsetzung, die Prävalenz von Stress und Burnout bei medizinischen Fachkräften zu bestimmen und die Faktoren zu identifizieren, die zu seiner Entstehung beitragen, untersuchte die Studie die Rolle von Technologie zur Verbesserung klinischer Arbeitsbedingungen, insbesondere bei der Dokumentation - unter besonderer Berücksichtigung der COVID-19-Pandemie.

DER HINTERGRUND

Wie die Ergebnisse der Online-Umfrage zeigen, kennen 97 Prozent der Ärzte*innen und 99 Prozent der Krankenpflegenden Phänomene wie Stress, Überlastung und Burnout aus ihrer klinischen Praxis und bestätigten, sich bereits einmal ausgebrannt gefühlt zu haben.

Die COVID-19-Pandemie habe dies weiter verstärkt, so das Fazit der Studie. Die Prävalenz und Ausprägung hängt dabei jedoch länderspezifisch von unterschiedlichen Faktoren wie Personalmangel, Vergütungsmodellen und bürokratischen Anforderungen ab.

Klinische Experten aus der DACH-Region sprachen sich im Rahmen der Studie dafür aus, digitale Technologien wie z.B. Künstliche Intelligenz (KI) oder digitale Dokumentationslösungen zukünftig verstärkt und gezielter einzusetzen, um klinische Arbeitsbedingungen effektiv zu verbessern.

Für die Studie wurden 416 Teilnehmer*innen online befragt und 30 qualitative Interviews mit Klinikern aus 10 Ländern weltweit durchgeführt: neben Australien waren dies die neun EU-Länder Großbritannien, Deutschland, Frankreich, die Niederlande, Belgien, Schweden, Finnland, Norwegen und Dänemark.

Die Veröffentlichung der Ergebnisse zielt jetzt darauf ab, ein tieferes Verständnis für die im klinischen Bereich zu Burnout führenden Ursachen zu entwickeln und Gesundheitseinrichtungen bei der Stress- und Burnout-Prävention zu unterstützen.

WAS GESAGT WURDE

Für Deutschland äußerte sich Prof. Dr. Matthias Rose, Direktor der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Psychosomatik von der Charité Universitätsmedizin: „Für eine gute Stress-Prophylaxe bei Ärzten ist es wichtig, dass qualitative Erfolge gemessen werden. Ein Qualitätsmerkmal sollte sein: Geht es den Patienten insgesamt besser? Das (…) lässt sich (…) z.B. durch Fragebögen, sogenannte Patient-Reported Outcomes, messen.“

Ganzheitliche Versorgung durch Nachverfolgung und Nachbetreuung von Patienten als Gegenimpuls zur industriellen Arbeitsteilung in der Medizin und spezialisierten Prozessen sei überdies ein guter Garant für eine intrinsische Arbeitsmotivation klinischer Mitarbeiter – jenseits von monetären Anreizen, betonte der Charité-Arzt im Gespräch.

Dr. Markus Vogel, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Krankenhaus Neuwerk, nahm ebenfalls an der Interview-Serie teil: „Die Entlastung von administrativen Aufgaben wäre wichtig“, erklärte er. Es gehe auch nicht um Digitalisierung per se, sondern um ihre Details wie z.B. eine strukturierte Befundübermittlung.

„Spracherkennung und KI helfen uns im ärztlichen Alltag absolut. Ich sehe darin eine ganz wichtige Rolle: ob Clinical Language Understanding oder Sprache-zu-Text – das sind alles wichtige Bausteine. (…) Technologie würde uns fehlen, wenn es sie nicht gäbe. Ich sehe hier noch Potenzial und weitere Chancen, vor allem bei der Echtzeit-Entscheidungsunterstützung, z.B. in Notaufnahmen“, kommentierte Dr. Vogel im Interview aus Sicht der Ärzte in der DACH-Region. Ebenso seien Wissensdatenbanken und Knowledge Reports zukünftig wichtige Ressourcen.

Die deutsche Pflege-Expertin Prof. Christel Bienstein, Präsidentin beim Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) und Ratsmitglied im Deutschen Pflegerat, erklärte im Interview, die Überlastung von klinischem Pflegepersonal liege nicht allein in den Dokumentationsanforderungen und den durch COVID-19 gestiegenen Hygienemaßnahmen begründet: „Auf Grund des Zeitmangels für die Patienten entsteht jedoch eine Schieflage, die bei Pflegenden das Gefühl erzeugt, sie müssten zu viel dokumentieren in Relation zu der Zeit, die sie für die Patienten aufwenden.“

Bienstein sprach sich im Rahmen der Studie für echte Mitbeteiligung und eine besser unterstützte Work-Life-Balance von klinischen Pflegekräften aus – auch mit Hilfe der Digitalisierung: Digitale Unterstützung kann Prozesse ohne Zweifel optimieren und Bürokratie minimieren (…) Die Pflegenden stehen einer Digitalisierung gerade im Bereich der Dokumentation sehr positiv gegenüber und befürworten diese“, sagte sie. Hilfreich seien u.a. Tourenplanungen mit mobilem Datenzugriff, aber auch Technologie wie Spracherkennung.

GUT ZU WISSEN

Burnout ist weltweit unter medizinischen Fachkräften ein seit längerem bekanntes Problem, das sich nicht nur auf die Angehörigen der Gesundheitsberufe, sondern auch auf die Qualität der medizinischen Versorgung auswirkt.

Mit dem Whitepaper beabsichtigt HIMSS, die Debatte um das Thema Burnout weiter zu fördern und die Unterstützung und Anerkennung von benötigter Technologie zu erhalten, um qualitative hochwertige Versorgung zu leisten.


Das Whitepaper können Sie HIER herunterladen

Auch für Sie interessant

Your search returned no results.