Autonome Roboter überbrücken Versorgungslücke für Senioren

Ein neues Projekt will das Konzept von Roboterkollegen für Pflegekräfte auf die nächste Ebene heben – und damit die bevorstehende Krise der Altenpflege in Europa bewältigen. Deren Ursachen: Personalmangel und die alternde Bevölkerung.

von
Piers
Ford

Die europäische Forschungseinrichtung EIT Digital, Teil des Europäischen Instituts für Innovation und Technologie (EIT), setzt auf das Konzept autonomer Roboterkollegen für unter Zeitdruck stehende Fachkräfte in der Altenpflege.

Dafür unterstützt das EIT Digital im Rahmen des Schwerpunkts „Digital Wellbeing“ die Entwicklung von sozialen und autonomen Gesundheitsassistenz-Robotern, kurz SARA (Social & Autonomous Robotic Health Assistant).

DER HINTERGRUND

SARA ist eine von einem Konsortium geleitete Initiative, die darauf abzielt, die Qualität der Pflege in Pflegeheimen und Krankenhäusern zu verbessern, indem Roboter als soziale Wesen eingeführt werden – zeitaufwändige Aufgaben übernehmen und mit Patienten interagieren, ohne dass eine menschliche Bedienung erforderlich ist. Dem Konsortium gehören der Analytik- und Datenwissenschaftler Bright Cape, das Forum Virium Helsinki, GIM Robotics, Curamatik und die TU Berlin an.

Ziel ist es, der doppelten Herausforderung in der Pflege mit einer schnell alternden Bevölkerung einerseits und eines akuten Mangels an medizinischem Fachpersonal andererseits zu begegnen und eine Arbeitsbelastung auszugleichen, die unter zunehmendem Druck steht: Schätzungen zufolge sind 13,8 Prozent der Krankenpfleger jede Woche mit den Folgen eines hohen Arbeitsdrucks konfrontiert, zum Beispiel mit Medikationsfehlern, während die Patienten den Einfluss auf die Qualität der Versorgung spüren.

Während die Idee der Roboterkollegen im Gesundheitswesen nichts Neues ist, führen die meisten Roboter der aktuellen Generation Tätigkeiten aus, die von einem Menschen eingerichtet und bedient werden müssen. Die SARA-Roboter sollen dagegen hauptsächlich autonom sein - unabhängig mit Ärzten und Krankenschwestern zusammenarbeiten, bei regelmäßigen Aufgaben helfen und sogar mit Patienten interagieren.

Im Juli wurde in Eindhoven das gleichnamige Start-Up SARA gegründet mit dem langfristigen Ziel, das Produkt SARA europaweit zu vermarkten, wobei ein erster Schwerpunkt auf Deutschland, Finnland und den Niederlanden liegt.

WAS SIND DIE AUSWIRKUNGEN?

Das Basissystem SARA Home wird es Krankenpflegern ermöglichen ein persönliches Profil und einen Gesundheitsplan für jeden Patienten zu erstellen, um die Pflegekräfte kontinuierlich zu unterstützen.

Derzeit laufen zwei Pilotversuche in Pflegeheimen in Finnland und den Niederlanden, die sich mit den besonderen Bedürfnissen von Demenzkranken im ersten Stadium in geschlossenen psychiatrischen Abteilungen befassen. Eine der größten Herausforderungen in diesem Umfeld ist, dass Krankenpfleger nicht genug Zeit haben, um mit Patienten an Übungen zu arbeiten, die ihre geistige und körperliche Fitness verbessern könnten – und vor allem ihnen zu helfen, den Eintritt in das zweite, akutere Stadium der Krankheit zu vermeiden.

In diesem Szenario könnten SARA-Roboter diese Lücke schließen, mit Patienten interagieren und ihnen einfache Übungen an die Hand geben. Beispielsweise könnte der Roboter den Patienten auffordern, ein Wort mit der richtigen Farbe zu verknüpfen, oder die passendste Geschichte für einen bestimmten Kontext auswählen.

„Das Produkt befindet sich derzeit noch in einer Prototypversion. Wir optimieren und durchlaufen die Entwicklung in Zusammenarbeit mit Pflegeheimen in einem kooperativen Ansatz, ahmen die Arbeit von Krankenpflegern mit einem Roboter nach und testen die ersten Funktionen mit ihnen“, sagte Emmy Rintjema, Projektmanagerin von Bright Cape.

WIE IST DER TREND?

2020 wird das Projektteam einen Navigationsalgorithmus implementieren, der es Robotern ermöglicht, sich in bestimmten Bereichen der Pflegeeinrichtung frei zu bewegen, wodurch die Vorteile autonomer Assistenten auf ein breiteres Spektrum von Aktivitäten ausgeweitet werden.

WAS GESAGT WURDE

„Wir glauben, dass Roboter einen großen Beitrag zur Gesundheitsversorgung leisten können, nicht um Krankenpfleger zu ersetzen, sondern um mit ihnen zusammenzuarbeiten und ihre Arbeitsbelastung zu verringern, damit sie mehr Zeit für ihre Patienten haben“, ergänzte Rintjema. „Sie könnten auch dazu beitragen, die Fehler aufgrund des hohen Zeitdrucks zu reduzieren.“


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Dies ist eine Übersetzung eines Artikels von Piers Ford, erschienen auf der englischsprachigen Version von Healthcare IT News.

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