Krankenhaus-Report 2019: Qualität der Versorgung durch Digitalisierung voranbringen

Der niedrige Digitalisierungsgrad deutscher Kliniken bedeutet, dass viele der damit einhergehenden Chancen einer sicheren und effizienteren Patientenversorgung ungenutzt bleiben. Ursachen sind u. a. mangelnde Innovationskultur und -finanzierung, so eine Studie.

Der letzte Woche erschienene Krankenhaus-Report 2019, „Das digitale Krankenhaus“, des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) beschäftigte sich mit dem Digitalisierungsgrad deutscher Krankenhäuser im internationalen Vergleich. Das Ergebnis fiel ernüchternd, aber, für mit der Thematik Vertraute, nicht allzu erstaunlich aus: Deutsche Krankenhäuser erreichten im Jahr 2017 auf einer Skala der digitalen Reife von Stufe 0 bis 7 im Durchschnitt einen Wert von 2,3 und lagen damit unter dem EU-Durchschnitt von 3,6. Insbesondere kleinere Krankenhäuser unter 200 Betten schnitten schlecht ab, ihr durchschnittlicher Digitalisierungsgrad lag bei 1,3 und der von Häusern mit über 500 Betten lag bei 3,4.

Was genau wurde untersucht?

Der Report beschäftigte sich mit dem Einsatz digitaler Technik im Gesundheitswesen und insbesondere dem in Krankenhäusern. Der Digitalisierungsgrad einer Institution gilt als ein wichtiger Faktor, die Patientensicherheit als auch deren Versorgung zu verbessern sowie Arbeits- und Kommunikationsprozesse effizienter zu gestalten. Somit wird ein höherer Digitalisierungsgrad mit einer verbesserten und effizienteren Gesundheitsversorgung in Verbindung gebracht.

Jürgen Klauber, Geschäftsführer WIdO, betonte anlässlich der Veröffentlichung des Reports, dass eine stärkere Digitalisierung viele Vorteile mit sich brächte: „Durch die Veränderung interner Abläufe und institutionenübergreifender Prozesse lässt sich beispielsweise die Versorgungskette wirtschaftlicher gestalten. Zudem werden interne und externe Vernetzungen erleichtert und Informationsströme beschleunigt, was die Qualität der Patientenversorgung verbessert“.

Der Bericht setzt sich dezidiert mit dem Stand der Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologie in unterschiedlichen Ländern auseinander sowie den dafür erforderlichen Voraussetzungen. Gleichzeitig beleuchten die verschiedenen Beiträge unterschiedlicher Autoren die sich durch die Digitalisierung eröffnenden Möglichkeiten, sei es in Bezug auf den damit einhergehenden Wandel in der die Patientenversorgung berührenden Berufsbilder, auf die Versorgungsforschung oder aber auch auf dem Gebiet der Innovationsfinanzierung.

EMRAM Model als Benchmark

Zur Einschätzung des Digitalisierungsgrades deutscher Kliniken bedienten sich die Autoren des von der HIMSS entwickelten siebenstufigen Electronic Medical Record Adoption Models (EMRAM), in der Version, die bis zu Beginn des Jahres 2018 galt. Es geht von der Annahme aus, dass die Digitalisierung der Krankenhäuser entlang eines Prozesses verläuft, der sich in Stufe 0 (geringfügig digital unterstütztes Arbeiten) bis 7 (papierloses Krankenhaus) gliedert, wobei das Erreichen einer Stufe die Erfüllung der Kriterien der Vorhergehenden impliziert. Für die Bewertung wurden insgesamt die Daten von 167 deutschen Krankenhäusern ausgewertet, die zum Zeitpunkt der Erstellung der Studie nach dem EMRAM-Modell zertifiziert waren. Im Jahr 2017 lagen fast 40 Prozent der untersuchten Kliniken auf Stufe 0 und zwei Krankenhäuser der Maximalversorgung erfüllten die Anforderungen der Stufe 6. Keines der Häuser erreichte Stufe 7.

Deutschen Kliniken fehlt es an Innovationskultur und -finanzierung

Mit einem durchschnittlichen Digitalisierungsgrad von 2,3 knapp, lagen Krankenhäuser in Deutschland 36 Prozent unter dem EU-Durchschnitt und hinter Ländern wie Dänemark (5,4), den USA (5,3) und den Niederlanden (4,8). Klauber erläuterte die Hintergründe des vergleichsweise niedrigen Digitalisierungsgrades der deutschen Hospitäler: „Der Digitalisierungsrückstand in deutschen Krankenhäusern ist mehr als deutlich. Dies ist das klare Fazit, auch wenn für die Studie nur die zertifizierten Krankenhäuser ausgewertet wurden. Für die unzureichende Digitalisierung gibt es viele Ursachen. Dazu gehört neben der mangelhaften Investitionskostenfinanzierung durch die Bundesländer auch eine mangelnde Innovationskultur in den Häusern. Vollzieht man die aufgrund von Überkapazitäten und Qualitätsdefiziten zweifellos notwendige Strukturbereinigung, hätte dies auch positive Konsequenzen für den notwendigen Fortschritt bei der Digitalisierung. Digitale Systeme könnten dann deutlich leichter Einzug halten.“

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cwm

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