Krankschreibung per Video-App

Techniker Krankenkasse stellt mit Pilotprojekt Weichen für die telemedizinische Versorgung der Zukunft

von
Anna
Engberg

Die Techniker Krankenkasse wird als erste deutsche Krankenkasse ein Pilotprojekt starten, das die vollständig digitale, telemedizinische Behandlung von Patienten für bestimmte Krankheitsbilder umsetzt.

Für die Fernbehandlung per Videotelefonie innerhalb des Pilotprojekts werden Ärzte eines Telearztzentrums der IFE-Gesundheits GmbH aus Schleswig-Holstein beschäftigt. Diese werden ab Dezember zunächst 14.000 TK-Mitarbeiter im Krankheitsfall telemedizinisch betreuen, Rezepte und Krankschreibungen elektronisch ausstellen und Versicherte im Zweifelsfall an niedergelassenen Praxen weiterempfehlen. Eine Testphase mit kleinem Patientenstamm wurde bereits erfolgreich durchlaufen.

Eingangs sollen sieben Krankheitsbilder bedient werden, darunter Rückenschmerzen, Migräne, Grippe und Magen-Darm-Infekte.

DER HINTERGRUND

Die telemedizinische Fernbehandlung erfolgt über eine Video-App, so dass sich Erkrankte nicht länger persönlich zur Arztpraxis geben müssen. Innerhalb des Videotelefonats können Bilder zur Überprüfung der Symptome übertragen werden.

Das bringt viele Vorteile für Gesundheitsdienstleister wie Patienten, findet der Vorsitzende des TK-Vorstands Dr. Jens Baas: "Bei der Fernbehandlung entfällt die Anfahrt zum Arzt und die Wartezeit. Gleichzeitig bewahren wir sowohl den Patienten als auch die anderen Wartenden und die Mitarbeiter der Arztpraxis vor unnötigen Infekten.“ Das sei ein Gewinn für alle Beteiligten.

Arbeitgeber und Krankenkasse erhalten die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung bei Vorliegen einer der Modelldiagnosen zukünftig somit ausschließlich digital, schneller als gewohnt und vollständig automatisch. Das revolutioniert das bisher langwierige Prozedere der Krankschreibung auf dem Papier- und Postweg. Eine Ausweitung auf weitere Krankheitsbilder ist geplant.

Und auch die Apotheken sollen in die telemedizinische Fernbehandlung eingebunden werden: Erhält ein Versicherter über die telemedizinische ärztliche Beratung eine Diagnose, landet das e-Rezept direkt auf seinem Smartphone und kann testweise direkt bei einer Hamburger Apotheke, zukünftig dann bei weiteren Apotheken, eingelöst werden.

WAS GESAGT WURDE

„Die Versorgung wird sich in den kommenden Jahren erheblich verändern. Die Digitalisierung kann das Leben für Patienten, Ärzte und Apotheker stark erleichtern“, sagte der Vorsitzender des TK-Vorstands Dr. Jens Baas: „Mit dem Pilotprojekt sammeln wir erste Erfahrungen in der Fernbehandlung und bilden erstmals eine komplette Behandlungskette von der Diagnose über die Krankschreibung bis hin zur Medikamentenbestellung in einem durchgängig digitalen Prozess ab.“

"Wir haben in den vergangenen zwei Jahren mit der eAU (elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung) sehr gute Erfahrungen gesammelt", erklärte der stellvertretende TK-Vorstandsvorsitzende Thomas Ballast und verwies auf über 120.000 elektronische Krankmeldungen seit 2017: "Gemeinsam mit der Fernbehandlung kann das Projekt seine Vorteile erst richtig ausspielen. Letztendlich profitieren bei dem Projekt alle Beteiligten", betonte er.

GUT ZU WISSEN

Die Techniker Krankenkasse ist mit 10,5 Millionen Versicherten der größte deutsche Krankenversicherer. Seit mehreren Jahren baut die Kasse ihr digitales Angebot für die Versicherten sukzessive aus: so wurde unlängst bekannt gegeben, dass bereits mehr als 200.000 deutsche Versicherte die elektronische Gesundheitsakte des Versicherungsträgers nutzen, wie Healthcare IT News berichtete.

Weitere Informationen erhalten Sie HIER

 



Neurodermitis App gelauncht

Nia Health setzt auf KI-Bildanalysen und personalisierte Behandlung

„Es geht darum, Gesundheitsforschung möglich zu machen“

Gesundheitsminister verteidigt Digitale-Versorgung-Gesetz im ZDF

Modell Internet-Krankenhaus

Ping An Good Doctor reformiert Versorgung in China